AC World Series: Sir Ben Ainslie’s Heimsieg in Portsmouth – jetzt „fliegen“ sie wieder

Ready for Take-Off

America's Cup World Series-Portsmouth

Land Rover BAR mit Sir Ben Ainslie am Ruder – Spektakel für reichlich Zuschauer © borlenghi

Verdienter Heimsieg für den geadelten Olympiasieger, Enttäuschung bei allen Teams über Sturm: Sonntag fanden keine Wettfahrten statt. Kate und William kamen dennoch…

Es kachelte am Sonntag, die See im Solent vor Portsmouth war mit weißen Schaumkronen bedeckt. Mehr als 30 Knoten Windstärke – zuviel für die AC 45-Foil-Boliden, auf denen die America’s Cup World Series bestritten wird. Konsequenz: Die Regattaleitung musste alle geplanten Wettfahrten des gestrigen Tages absagen.

Das Auftaktspektakel vor der britischen Küste war also im Prinzip nur eine „halbe Sache“, nachdem am Samstag bei allerbesten Wetterbedingungen zwei Läufe gesegelt wurden, bei denen Sir Ben Ainslie und Crew auf dem „Land Rover BAR“-Foil-Katamaran deutlich Heimvorteile ausspielen konnten. Rang 1 und Rang 2 in den beiden gesegelten Läufen am Samstag Nachmittag zeigen das mehr als deutlich.

Carlo Borlenghi lieferte wieder allerfeinste Fotografien von der Regattabahn

 “Ich brauche Druck!”

So äußerte sich Franck Cammas, Steuermann auf der französischen „Groupama“ am Samstag Abend gegenüber britischen Medien: „Ben war immer an der richtigen Stelle, bekam die Dreher von der richtigen Seite und war uns meistens auch taktisch überlegen. Dieser Sieg ging diesmal tatsächlich an den Besten!“ Und das, obwohl Sir Ben bei jedem Lauf nach einem mehr oder weniger versemmelten Start von weit hinten aufholen musste. „Unter Druck läuft es bei mir am besten,“ sagte der Rekord-Goldmedaillengewinner im Finn.

Das muss die Duchess of Cambridge ebenso anerkannt haben, denn Kate übergab auch diesmal die Siegestrophäe mit ihrem mittlerweile weltweit berühmten, verschmitzten Lächeln an ihren Lieblingssegler Sir Ben Ainslie. „Es ist mir eine große Ehre, in der Heimat eine Regatta gegen die weltbesten Segler zu gewinnen. Ein mehr als gelungener Serienstart““ äußerte sich Ainslie zurückhaltend vor laufenden Kameras. Was er der Duchess beim Handschlag über seine Regattataktik zuflüsterte, wurde nicht aufgezeichnet.

Übrigens, dass auch Adlige durchaus mal einen gepflegten Abgang machen können, zeigt dieses Video vom Training

America's Cup World Series-Portsmouth

Jetzt heben sie wieder ab – hier ORACLE im Flight-Modus © borlenghi

 24-jähriger mischt die Oldies auf

Auf Rang Zwei positionierte sich ziemlich überraschend mit nur einem Punkt Rückstand das Team New Zealand, die mit dem erst 24-jährigen Rookie Peter Burling an der Pinne antraten. NZL-Skipper Glenn Ashby war hellauf begeistert von seinem Steuermann: „Der Junge ist wirklich höchst kompetent. Er meistert diese unglaublichen Geschwindigkeiten auf den relativ kurzen Strecken mit äußerst rascher Auffassungsgabe und blitzschnellen Entscheidungen. Beeindruckend!“

Oracle Team USA, Sieger des letzten America’s Cup und auch diesmal mit James Spithill am Ruder unterwegs, zeigte sich ein wenig enttäuscht vom dritten Rang. „Schade, dass wir am Sonntag nicht mehr raus aufs Wasser konnten. Denn die Rennen am Samstag waren auf einem extrem hohen Niveau: Enge Positionskämpfe, häufige Wechsel an der Spitze, viel Action an den Tonnen. Wir hatten uns gerade „warm gefahren“ – und dann die Absage!“

America's Cup World Series-Portsmouth

Franck Cammas hat sein Boot zwar im Griff, leistete sich aber einige taktische Patzer, wie er nach den Samstag-Rennen zugab © borlenghi

Auf dem richtigen Weg

Aber gegen Wetterunbilden ist bekanntlich kein Kraut gewachsen, so dass auch den anderen Teams letztendlich nichts anderes übrig blieb, als die Absage wegen Sturm gelassen hinzunehmen. So gab sich etwa Franck Cammas fast schon philosophisch: „Segeln ist nun mal vom Wind abhängig. Weht er zu stark oder zu wenig, wird eben nicht gesegelt. Das war schon immer so und muss eben auch hier akzeptiert werden. Und dennoch war dies ein wichtiges Rennen! Denn wenn ich mir die Zuschauermassen am Strand anschaue, dann weiß ich, dass der America’s Cup mit diesem Format auf dem richtigen Weg ist.“

Dean Barker, unglücklicher Zweitplatzierter beim letzten America’s Cup vor San Francisco und bekanntlich nach seinem Rauswurf beim Team NZL jetzt mit einer japanischen Kampagne unterwegs, zeigte sich dagegen keineswegs zufrieden mit seinem fünften Rang. Obwohl punktgleich mit Groupama, ist Barker der Abstand nach oben noch zu groß: „ Wir haben noch einen langen Weg vor uns,“ sagte der Neuseeländer. „Es gab noch zu viele Fehler an Bord, viele Manöver-Probleme hätten vermieden werden können. Aber dies ist ja erst der Beginn eines Zwei-Jahre-Programms. Die Chemie stimmt, wir feilen noch an uns – und wer weiß, vielleicht wird schon in einem Monat mit uns zu rechnen sein!“

Das hoffen übrigens auch die Segler der „Artemis“, die diesmal nur auf dem letzten Rang der sechs Boote starken Flotte landeten. Denn die nächste Etappe der World Series wird in einem Monat ihrer Heimat ausgesegelt – vor dem schwedischen Göteborg wollen sie möglichst ähnlich auftrumpfen wie Ainslie und Crew in Portsmouth. Skipper Nathan Outteridge zählt hierfür vor allem auf die Unterstützung der schwedischen Artemis-Fans: „Mal sehen, ob wir alle gemeinsam das Ruder wieder herumreißen können!“

Ergebnisse:

1. Land Rover BAR – 19 Punkte
2. Emirates Team New Zealand – 18
3. ORACLE TEAM USA – 16
4. Groupama Team France – 13
5. SoftBank Team Japan – 13
6. Artemis Racing – 11

Spenden

Ein Kommentar „AC World Series: Sir Ben Ainslie’s Heimsieg in Portsmouth – jetzt „fliegen“ sie wieder“

  1. avatar Chris vom Südsee sagt:

    Ich kann eurer Begeisterung nicht ganz zustimmen. Alle Hoffnungen aus den ACWS-Events und dem 34. AC auf ein medial gut aufbereitetes Event wurden schlichtweg mit Füßen getreten. Enttäuschende Veranstaltung aus Sicht all jener, die sich auf eine YouTube Live-Übertragung wie im Sommer 2013 gefreut hatten.
    Stattdessen wurde man auf einer schlecht konzipierten App (zusätzliches Armutszeugnis für einen Softwaregiganten wie Oracle) aufgefordert, für einen Premium Content 7,99€ zu zahlen, ohne zu wissen, was man dafür bekommt, wie oft man das zu zahlen hat und auf welchen Geräten dies nutzbar ist.

    Vergleicht man das einmal mit dem gleichzeitig stattgefundenen ESS-Act in Hamburg, bekommt der AC keine Foils, sondern einen profitgeilen Höhenflug verpasst, welcher (Foil-Segler kennen das) sehr schnell mit einer rapiden Abwärtsfahrt “entlohnt” wird.

    Übrigens war dies auch der Eindruck von anfangs begeisterten Zuschauern vor Ort, wie man bei den Kollegen von Sailing Anarchy lesen kann: http://sailinganarchy.com/2015/07/26/thumbs-down/

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 6 Daumen runter 1

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Sicherheitsfrage (SPAM-Schutz): *