America’s Cup: Team New Zealand kentert bei 44-Knoten-Run – INEOS Team UK rast vorbei

Aus der Kurve geflogen

Das Emirates Team New Zealand ist während eines America’s-Cup-Trainingsrennens gegen das INEOS Team UK gekentert. Die Kiwis segelten mit 40-44 Knoten als es bei einer Halse Probleme gab.

Eine symbolträchtige Situation? America’s-Cup-Titelverteidiger Team New Zealand fliegt aus der Kurve und Ben Ainslie rast an den Gegnern vorbei. Fünf Tage vor dem Start des Prada Cups, der Herausforderer-Serie, die den Gegner der Kiwis ermittelt, ist es im Training zu einem spektakulären Zwischenfall gekommen. Die Neuseeländer haben sich nach einer Halse überschlagen.

Sie krängten nach dem Manöver bei starkem Wind mehr als gewünscht und offenbar lief etwas bei dem Foil-Trimm schief. Erst wurde es in Lee zu stark angestellt dann hob sich das Schiff zu extrem und senkte schließlich den Bug nach unten. Als das Ruder-Foil den Kontakt zum Wasser verlor, klatschte das Vorschiff mit einem klassischen Nosedive ins Wasser. Der AC75 bremste abrupt ab und kenterte.

Peter Burling erklärt: “Wir sind etwas zu hoch aus der Halse gekommen.” Es sei aber am Boot alles in Ordnung. Einmal mehr zeichnet sich ab, dass diese neuen America’s-Cup-Konstruktionen in punkto Kenterung eine deutliche Verbesserung zu ihren Katamaran-Vorgängern gebracht haben.

Team New Zealand fliegt aus der Kurve. © LiveSailDie

Burling bestätigt, “die AC50 in Bermuda hätte es bei einem solchen Vorfall in 100 Einzelteile zerlegt.” Was bei den Zweirümpfern ein mögliches Desaster und zumindest gebrochene Wing-Elemente zur Folge gehabt hätte, verläuft bei den AC75 relativ sicher. Die Monohulls können sich mit ihren Foil-Armen selbstständig aus der stabilen Seitenlage befreien. Die Crew ist gut geschützt und größere Schäden am Material sind nicht zu befürchten.

Ainslie rast an den gekenterten Neuseeländern vorbei. © LiveSailDie

Die Kenterung passierte im Rahmen eines Trainingsmatches gegen das INEOS Team UK, während auch die Konkurrenten Luna Rossa und American Magic im Rennmodus gegeneinander segelten.

Bei 18-23 Knoten Wind bestätigte sich, dass die Briten seit einigen Tagen nicht mehr wieder zu erkennen sind im Vergleich mit ihrem Auftritt bei der America’s Cup World Series vor Weihnachten. Das Abschneiden von Ben Ainslies hochgewettetem America’s-Cup-Team war für die Fans ein Schock. Erst versagte die Technik. Dann wurden sie bei ihrem letzten Rennen sogar von den Neuseeländern überrundet.

Viel Betrieb gerade auf dem Hauraki Golf vor Auckland. © Sailing Energy / American Magic

Seitdem haben viele Beobachter das britische Team schon abgeschrieben. Zu kurz sei die Zeit bis zum Start des Prada-Cups am 15 Januar, um doch noch konkurrenzfähig zu werden.

Die Gegner aus Italien und den USA wollen dem Braten aber noch nicht trauen. Sie äußerten sich bisher zurückhaltend über die vermeintlich fehlende Leistungsfähigkeit der Briten. Niemand glaubt zwar, dass sie absichtlich hinterher segelten, doch die Probleme haben sich bei sehr speziellen Bedingungen ergeben.

Die richtigen Knöpfe gedrückt?

Beobachter vor Ort wollen inzwischen sogar festgestellt haben, dass Ainslie und Co “die richtigen Knöpfe gedrückt haben”. Bei den letzten Vergleichen schienen die Briten auch bei leichterem Wind deutlich vor American Magic und vielleicht auch Luna Rossa zu liegen. Mit zunehmendem Wind wurde die Leistungsfähigkeit im Vergleich noch besser.

Ainslie kommentierte unlängst nach dem World-Series-Auftritt im Podcast von Shirley Robertson: “Wir hatten das Glück, dass wir die Gelegenheit hatten, diese Probleme noch einmal deutlich zu machen. Wir kannten sie allerdings und arbeiten schon länger daran, sie zu beheben. Es sind eigentlich nur relativ kleine Änderungen nötig, um eine deutliche Leistungssteigerung zu erreichen. ”

Für Philippe Presti, den französischen Coach von Luna Rossa, ist der Leistungszuwachs des Ainslie-Teams keine Überraschung. Er hält die Ergebnisse der World Series für kaum aussagefähig. “Vor allem, weil die AC75 sehr kompliziert sind in Bezug auf die Balance”, sagt er gegenüber dem Medium Tips&Shaft. “Das kleinste Stabilitätsdefizit beeinflusst die Leistung des Bootes stark und kann seine wahren Qualitäten verbergen. Die Engländer hatten insbesondere Probleme mit der Steuerung ihrer Foil-Arme. Deshalb konnten sie nicht ihr Potenzial zeigen.”

Die Beobachtungen der Spezialisten von SailLiveDie:

Aber auch Luna Rossa habe noch nicht alles gezeigt. Insbesondere nicht das letzte erlaubte Foil-Paar. “Außerdem haben wir noch drei Großsegel in der Entwicklung…Es kommt darauf an, wie sich die Teams in den kommenden Wochen weiterentwickeln. Man muss es schaffen, Fortschritte zu machen, um genau zum richtigen Zeitpunkt den absoluten Höhepunkt zu erreichen.”

Sein Team habe sich durch das Training während der Weihnachtszeitz uletzt besonders bei starkem Wind verbessert. “Wenn wir unsere heutige Leistung und die von vor einem Monat vergleiche, gibt es ganz klar eine Verbesserung von mehr als 15 Prozent. Für die anderen wird es wohl ähnlich sein.“

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

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