America’s Cup: Downsizing Streit – Lenkt Luna Rossa doch ein?

Abstimmung soll Entscheidung bringen

Russell Coutts versucht, das Wirrwar beim aktuellen America’s Cup zu erklären. Eigentlich ein unglaublicher Vorgang, dass dieser Vorstoß mitten in der Vorbereitung kommt.

America's Cup, Downsizing

Die jüngste Entwicklung der America’s Cup Klasse. © Francois Chavalier

Wenn die Idee zur drastischen Kostensenkung sechs Monate früher formuliert worden wäre, hätte sich Larry Ellison als Wohltäter und Retter des America’s Cups bejubeln lassen können. Oracle hätte freiwillig seinen permanenten Budget-Vorteil aufgegeben und ein neues atemberaubendes Spielfeld kreiert. Neue Teams wären am Start. Die Veranstaltung hätte sich finanziell selbst getragen.

Es wäre ein logischer und verständlicher Schritt gewesen. Aber nun könnte es wieder einmal so aussehen, als wolle der Verteidiger einfach nur einen gefährlichen Widersacher loswerden. Luna Rossa ist in seiner Vorbereitung auf den 35. America’s Cup schon weit fortgeschritten. Es scheint so, als wolle Oracle diesen Vorteil zunichte machen. Auch wenn Russell Coutts das im Interview mit dem Newsletter Scuttlebutt verneint.

Nicht logisch

Der America’s Cup CEO sagt, dass der Vorteil mit dem kleineren Boot auch nicht verloren gehe. “Die Faktoren, die über Sieg oder Niederlage beim America’s Cup entscheiden, bleiben gleich. Der größere Maßstab kostet einfach nur mehr Geld. Und das hört sich für mich nicht logisch an.”

Artemis und Oracle

Auch am Wind foilen die neuen Turbo AC45. Sind sie attraktiv genug für einen America’s Cup? © Pressure Drop

Aber warum ist er dann nicht früher zu dieser Sichtweise gekommen? Coutts sagt, die Leistungsentwicklung der neuen 45Fuß Turbo-Katamarane hätte sich unerwartet entwickelt. Die Schiffe seien schneller und telegener als zuvor gedacht. Sie sollen jetzt schon so schnell sein wie die AC72. Am Wind foilen sie stabil mit 25 Knoten und vor dem Wind erreichen sie die 40 Knoten Marke.

Mit der Regeländerung soll ein asiatisches Team in der Lage sein teilzunehmen. Auch können die Franzosen bei der Stange gehalten werden, denen es bisher nicht gelungen ist, einen tragfähigen Sponsor Deal hinzubekommen.

Veto-Recht abgegeben

Ob Luna Rossa tatsächlich den Stecker zieht? Dabei würden die Italiener das Opfer ihres eigenen Vorgehens. Nach dem Ausscheiden vom Team Australia als Challenger of Record rückte Luna Rossa nach. Sie gaben aber ihre Macht zugunsten einer demokratischen Verwaltung der Herausforderer Interessen ab.

Das Protokoll wurde dahingehend geändert, dass bei Entscheidungen die Mehrheit der Herausfoderer maßgeblich sein sollte. Luna Rossa verzichtete auf sein Veto-Recht. Das ist für die Wahrung der eigenen Interessen im Moment hinderlich.

Aktueller Stand im Downsizing Streit ist nun die Ansage, dass in dieser Woche alle sechs aktuell eingeschriebenen America’s Cup Teams inklusive Oracle über eine neue America’s Cup Klasse abstimmen wollen. Einstimmigkeit ist offenbar nicht nötig.

Luna Rossa bewegt sich

In einer Meldung auf der offiziellen Event Seite heißt es aber sogar: “Die gute Nachricht ist, dass sich alle sechs Teams einig sind über eine Verkleinerung des Bootes.” Damit hätte sich Luna Rossa in seinem Standpunkt bewegt.

Die Art der Reduktion ist allerdings längst nicht klar. Die Schiffsgröße soll wohl 48 Fuß betragen. Erst bei diesem Maß werde eine signifikante Kostenersparnis wirksam. Inzwischen soll sogar ein radikales Onedesign Konzept auf dem Tisch liegen.

Möglicherweise kann Plattform und Flügel einheitlich sein und die Design-Arbeit geht dann insbosondere in die Tragflächen-Entwicklung. Das wäre besonders ein Wunsch von Bein Ainslie. Er glaubt allerdings auch dann nicht, dass es möglich ist, wirklich ein 20 Millionen Dollar Budget zu erreichen.

Grinder kostet 300.000 Dollar

Die hohen Kosten werden von den Angestellten verursacht. Und wenn man weiß, dass allein ein Grinder bei Oracle 300.000 Dollar im Jahr verdient, würde nur eine aufgezwungene Gehälter-Begrenzung den gewünschten Effekt haben. Diesen Weg würde auch Coutts gerne einschlagen, er hält ihn im internationalen Wettbewerb ohne eine übergeordnete starke Instanz aber noch nicht für kontrollierbar.

Es wird spannend, ob sich die Streihähne einigen können. Dabei hat das Team New Zealand eher eine schwache Position. Den Kiwis geht es nicht um die Sache als solche. Sie sind nur sauer, dass ihnen die Qualifikationsregatta in Auckland genommen wurde. Und daran hängt ihre Finanzierung durch die Regierung.

Aber wenn die Teilnahme generell günstiger wird, könnte sich diese Sichtweise möglicherweise erledigen. Dann wären die Kiwis vielleicht nicht mehr auf die Hilfe des Staates angewiesen.

Einheitsklasse für den Cup?

Das radikale Downsizing mit starken  One Desing Elementen würde die Segler mehr in den Vordergrund rücken. Das ist schon beim vergangenen Cup so passiert. Ob es da Sinn macht, den Design Aspekt völlig zu verbannen?

Die Konstruktionsarbeit hat im America’s Cup immer eine wichtige Rolle gespielt. Sie macht einen Großteil der Faszination aus. Die Designer vollkommen aus dem Spiel zu nehmen wäre wohl ein sehr extremer Schritt. Andererseits hat man das beim Volvo Ocean Race auch gesagt. Und nun erlebt die Hochsee-Regatta das spannendste Rennen aller Zeiten.

 

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.
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