America’s Cup: Ärger um Corona-Absage – Schlichter erzwingen Entscheidung

Sie können das Streiten nicht lassen

Auch wenn sich in Zeiten der Corona-Krise Vieles ändert, auf eines kann man sich immer noch verlassen: Beim America’s Cup wird gestritten. Das Schlichtungskomitee musste wieder zusammentreten. Es geht um das Virus.

Es scheint, als wollen die America’s Cup Protagonisten einen Ruf verteidigen – “den Markenkern bewahren”, so würden es die Werber sagen. Jedenfalls sorgt die Corona-Krise bei den Profi-Segelsyndikaten nicht wie anderswo auf der Welt für ein Zusammenrücken. Sie driften umso mehr auseinander, je näher die Cup-Regatta in einem Jahr rückt – wie gehabt.

So hätte es vor Sardinien aussehen sollen. © ACWS

Die Teams haben offenbar Angst, dass die Maßnahmen zur Virus-Bekämpfung das strategische Spielfeld zu ihren Ungunsten verändern. Es geht um die America’s Cup World Series vom 23. bis 26. April auf Sardinien. Während auf der ganzen Welt Sportveranstaltungen in diesem Zeitraum abgesagt werden, war der Challenger of Record Luna Rossa offenbar nicht davon überzeugt, bei seiner eigenen Regatta ohne weiteres den Stecker zu ziehen.

Hinter den Kulissen wurde heftig zwischen den Syndikaten gestritten, denn laut America’s Cup Protokoll ist eine Teilnahme an der Vorregatta zwingend vorgeschrieben. Durch den Veranstaltungsort in Europa wurden unter anderem gleiche Wettbewerbsbedingungen gewährleistet. Besonders die Kiwis hätten einen großen Vorteil, wenn nur die gegnerischen Teams ihre Boote und Ausrüstung auf den langen Weg nach Neuseeland schicken müssten und entscheidende Segelzeit verlieren würden.

Kiwis wollten schnelle Absage

So ist das Material der Neuseeländer und Amerikaner schon länger auf dem Weg nach Italien. Während Italiener und Briten in Sardinien segeln konnten, saß die Konkurrenz auf dem Trockenen – schließlich durfte noch keine zweite AC75 Yacht gebaut werden. Dieser Nachteil wäre ausgeglichen worden, wenn die Europäer nach Auckland reisen müssen.

Aber nun wollten die Neuseeländer offenbar eine schnelle ACWS-Absage erwirken, womöglich um schnellstens wieder Zugriff auf ihr Material zu bekommen. Das klappt aber nicht, weil ja auch noch das zweite Europa-Event in Portsmouth vom 4. bis 7. Juni ansteht. Dazu gibt es noch keine Absage.

Das heißt, die beiden Yachten der Ami und Kiwis werden durch die Gegend geschleppt, während Italiener und Briten die Zeit für ausgiebige Wassertests nutzen. Wasserzeit kann man nicht kaufen – das ist einer der wichtigsten Leitsätze aus dem Lehrbuch ‘Wie gewinnt man den America’s Cup’ – und das scheint sich auch in Zeiten des Simulatortrainings nicht grundlegend geändert haben.

Sardinien vor Corona geschützt?

Diesen Vorteil wollten sich die Italiener offenbar nicht entgehen lassen. Sardinien sei kaum von der Corona-Krise betroffen, hieß es in der Argumentation gegen eine Regatta-Absage. Tatsächlich gehört Cagliari durch seine Insel-Lage zu den geschützteren Gebieten in Italien. Allerdings sollen sich gerade deshalb zahlreiche Menschen aus der Corona-geplagten Lombardei sich nach Sardinien abgesetzt haben. Die Infektionsraten mögen erst mit Verspätung ansteigen. Und gerade auf der Insel ist das Gesundheitssystem besonders schwach ausgeprägt.

Aber solche Überlegungen scheinen in der Cup-Welt kaum eine Rolle zu spielen. Die Italiener spielten offenbar auf Zeit und wollten eher eine Verschiebung als eine Absage erwirken, auch wenn die neuseeländischen Verteidiger schon per Pressemitteilung das Aussetzen des Termins in Cagliari ankündigt hatten. Offenbar ohne Rücksprache mit dem Challenger of Record zogen sie einen neuen Termin nicht in Betracht.

Diese Position wurde nun durch eine Entscheidung des America’s Cup Arbitration Panels bestätigt. Sie folgt auf einen Antrag von American Magic, dem Herausforderer vom New York Yacht Club.

Entscheidung durch die Schlichter

In der offiziellen Erklärung heißt es:

“Aufgrund der Coronavirus-Pandemie und der von verschiedenen Regierungen verhängten restriktiven Maßnahmen hat das Gremium entschieden, dass es objektiv unmöglich geworden ist, die ACWS Veranstaltung in Sardinien – Cagliari vom 23. bis 26. April 2020 durchzuführen. Die Veranstaltung ist abgesagt, wodurch die Teilnehmer und die Organisatoren von ihren Verpflichtungen aus dem Protokoll entbunden werden.

Das Gremium hat auch beschlossen, dass es nicht die Befugnis hat, die Veranstaltung zu verschieben, die Organisation weiterer ACWS-Veranstaltungen zu erzwingen oder über nicht im Protokoll vorgesehenen Trainingszeit-Sperren zu entscheiden. Es hat nicht die Befugnis , das Protokoll zu ändern.

Eine Verschiebung des ACWS Sardinien hätte daher nur im gegenseitigen Einvernehmen zwischen dem Challenger of Record und dem Verteidiger erreicht werden können. Da der Verteidiger nicht bereit war, einer Änderung des Termins zuzustimmen, wird die Veranstaltung nun definitiv abgesagt.”

Stimmung abgekühlt

Auch wenn die Eingabe technisch von den Amerikanern erwirkt wurde, so kann das nicht darüber hinwegtäuschen, dass sich insbesondere die Stimmung zwischen dem Team New Zealand und Luna Rossa sich zunehmend abkühlt.

Dabei sollten die beiden Teams eigentlich beste Freunde sein. Die Italiener hatten nach ihrrem Ausstieg aus dem 35. America’s Cup maßgeblich mit Finanz- , Material- und Know-How-Hilfen zum überraschenden Sieg der Neuseeländer in Bermuda beigetragen.

Aber nun landete erst er Streit über das Windlimit vor den Schlichtern und nun eskalierte die Debatte über die Sardinien-Absage. Die Luna-Rossa-Verantwortlichen schäumten, wohl auch weil die Kiwis eine Trainingszeit-Einschränkungen für die Gegner gefordert hatten, während sie mit ihr Boot länger als geplant im Transfer steckt und das Team auf dem Trockenen sitzt.

In dieser Stimmung hat sich die Debatte um die Absage offenbar fortgesetzt. Da spielen gesundheitliche Themen – Corona hin oder her – dann keine Rolle mehr. Wenn es um die hässliche Kanne geht, ist sich dann in der Cup-Welt doch jeder selbst am nächsten.

 

 

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

3 Kommentare zu „America’s Cup: Ärger um Corona-Absage – Schlichter erzwingen Entscheidung“

  1. avatar Pete sagt:

    Wow das wird aber die Sponsoren freuen – ein Event weniger – aber ja richtig es gibt ja gar keine richtigen Sponsoren – also ist es egal und weitermachen wie die Letten 10 Jahre…..

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  2. avatar Matthias Förster sagt:

    Hallo zusammen, auch wenn es fortlaufend geschrieben wird, halte ich es für geschmacklos bis diskriminierend, Menschen und Teams aus Neuseeland als Kiwis zu bezeichnen, amerikanische Menschen und Teams werden auch nicht als Peanuts bezeichnet. Ich hoffe auf Veränderung.
    Rüm hart und kloar kimming
    Matthias Förster

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    • avatar KIWi sagt:

      ??? ich hoffe sie haben sonst keine Probleme – Die KIWIS bezeichnen sich selber so und haben seit Jahrzehnten kein Prblem damit – aber wohl Oberlerer aus Deutschland.

      Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 4 Daumen runter 0

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