America’s Cup: Ainslie gibt zweimal auf – Amerikaner besiegen Neuseeland nach Wendeduell

Wo der Hammer hängt

Der erste von vier Renntagen beim Christmas Cup, der America’s Cup-Vorregatta in Auckland sah schwächelnde Briten, starke Verteidiger und ein noch etwas besseres US-Team.

Das war er also. Der erste offizielle Renntag mit der neuen America’s-Cup-Klasse AC75. Das erste Aufeinandertreffen der Kraken-Cupper vor Auckland. Wie würde es aussehen, wenn die bestbezahlten Segler der Welt mit den vier neuen futuristischen Gefährten in direkten Duellen gegeneinander antreten? Kommen echte Matches zustande? Wird es spannend?

Die Antwort: Na ja!

Wahrlich sind diese Flugmaschinen schon optisch näher an dem, was der Normalo-Segler mit dem Sport verbindet. Zwei echte Segel, eine hart arbeitende große Crew, ordentlich Spritzwasser und nur ein Rumpf – also nicht mehr die Bermuda-Katamarane mit starren Segeln, die bei Segel-Puristen wenig Wohlwollen erzeugten.

Zuschauen wie immer. Neuseeland hat das Virus ausgesperrt

Die Neuseeländer wollten ja mit den Italienern das Rad neu erfinden und schufen eine neue Box Rule. Die hat das Spiel so teuer gemacht, dass sich nur vier Teams das Spiel noch leisten können.  Abschreckend für weitere Herausforderer wirkte unter anderem der 126-Millionen-Sponsor beim britischen INEOS Team. Die drei Konkurrenten haben kaum weniger Finanzkraft zur Verfügung. Und so gab es wohl noch nie vier nominell so starke Teams.

Eigentlich keine Zeit für Zurückhaltung

Wie stark sie wirklich sind, müssen sie nun langsam zeigen. Durch Corona und den Ausfall der geplanten Vorregatten in Italien und England ist der Zeitplan der Vorbereitung mächtig durcheinander geraten. Und schon Mitte Januar wird es für die Herausforderer ernst. Da bleibt eigentlich keine Zeit, um sich zurückzuhalten.

Deshalb ist Ben Ainslie auch ziemlich genervt, dass dieser Tag für ihn und sein Team so völlig daneben geht. Dabei hat die Prinzessin vor dem Start noch eine nette Good-Luck-Botschaft übermittelt.

Vielleicht, um ihm etwas Mut zu machen. Zuvor wurde das britische Team in der Heimat schon hart angegangen. Nach den ersten Trainings wurde befürchtet, dass der INEOS-Cupper möglicherweise eine “lahme Ente” sein könnte. Bei der Pressekonferenz vor dem ersten Rennen gab Ainslie sogar zu, dass man bei leichtem Wind größere Probleme als die Konkurrenz habe. Die hebe sich früher auf die Flügel.

Umso erfreuter war er über die Windvorhersage am ersten Renntag: Guter Druck zwischen 12 und 16 Knoten. Dabei sollte auch “Rita” ordentlich fliegen. Aber schon vor dem ersten Duell gegen American Magic gab es technische Probleme. Nur mit Mühe schaffte er es über die Startlinie. Bei einer Halse ventilierte schließlich das Ruder, und der Rumpf klatschte ins Wasser. Das Schiff war offenbar kaum zu kontrollieren. Mit fünf Minuten Rückstand ging Ainslie ins Ziel.

Beim zweiten Lauf gegen Luna Rossa wurde es nicht besser. Ainslie wird sich schon beim Start durch eine Leewende von Francesco Bruni düpiert. Er wagt es nicht, mit Fullspeed hinter dem Heck des Gegners durchzuschwingen, muss sich hochluven lassen und wird sogar noch mit einem Penalty bestraft. 50 Meter muss er sich dabei zurückfallen lassen.

Luna Rossa (l) mit der Leewende im Vorstart. © COR 36 | Studio Borlenghi

Die perfekte Leewende von Luna Rossas Backbordseiten- Steuermann Francesco Bruni…

…Ainslie muss als Luvboot ausweichen und traut sich nicht hinterden Italienern zu passieren…

…Auch so wird es knapp und Ainslie erhält den Penalty.

Der Penalty ist schnell genommen. Luna Rossa hätte die Briten auch ohne den Penalty weit achteraus im Heckwasser verhungern lassen. Ainslie kommt nicht mehr heran. Ob es allerdings wirklich am zu niedrigen Entwicklungsstandes des Projetkes liegt, wie einige Beobachter glauben machen wollen?

Ainslie erklärt in der Pressekonferenz nach dem Renntag, dass die Probleme technischer Art sind. Die Maschinerie zum Kippen der Foiling-Arme sei immer wieder ausgefallen. Eine Batterie habe versagt. Dabei machte er darauf aufmerksam, dass die Apparatur laut Regelwerk vom Veranstalter bezogen werden muss.

So sieht das System aus:

Deshalb wäre dies in einem echten Rennen ein Fall für die Wiedergutmachungsregel, merkt Ainslie an. Oder die Neuseeländer sollen erlauben, dass Informationen zum System offen gelegt werden, damit die Techniker der Teams selber an der Verlässlichkeit arbeiten können.

In diesem Fall macht er jedenfalls keinen Hehl daraus, dass auf diesem Gebiet noch Ärger droht. Bei der Pressekonferenz spricht er gegenüber TNZ-Steuermann Peter Burling direkt diese mögliche Problemlösung an. Der reagiert darauf aber nicht. Über solche Dinge  entscheiden andere in seinem Team.

So bleibt für die Briten nur ein ärgerlicher ausgefallener Segeltag, an dem sie noch nicht zeigen konnten, ob sie tatsächlich auf Augenhöhe mit der Konkurrenz segeln.

Kiwis düpieren Luna Rossa

Wo der Hammer hängt, zeigte erwartungsgemäß das Team New Zealand. Im ersten Rennen düpierte es geradezu Luna Rossa ohne dass bei den Italienern ein offensichtlicher Fehler erkennbar gewesen wäre. Ging es tatsächlich nur um Winddreher, Manöver und reinen Speed?

Spannung kam bei diesem ersten Duell jedenfalls nie auf. 3:13 Minuten Rückstand sind Welten. Dabei ging die Zeit überwiegend auf der Startkreuz verloren. Auf den nächsten Schenkeln vergrößerte sich die Differenz kaum. Dennoch können 25 Minuten Renndauer beim Zuschauen ziemlich lang werden.

An die futuristischen Renngefährte und die unglaubliche Technik gewöhnt sich der Fan schnell. Das war schon bei den ersten Cupper-Foilern 2013 in San Francisco so. Dieser America’s Cup ging nur deshalb in die Geschichte ein, weil er zuletzt sportlich so spannend wurde.

Tief stapeln, hoch gewinnen

Diese Hoffnung können die Verteidiger zunichte machen, wenn sie von Anfang an eine solche Dominanz wie im ersten Rennen zeigen. Deshalb könnte man auf die Idee kommen, dass sie in ihrem zweiten Duell nicht so viel Druck auf die Amerikaner machten, wie man es erwarten konnte.

“Ein kleines Problem” solle dazu geführt haben, dass man deutlich hinter American Magic über die Startlinie ging und der 2015 geschasste ex TNZ-Steuermann Dean Barker – nun in US-Diensten – klar vorne lag. Ob es das wirklich war? Oder ging es schon darum, im richtigen Moment tief zu stapeln und später hoch zu gewinnen.

Für die Kiwis ist es immer noch wie ein Trauma, dass sie vor dem Cup 2013 eigentlich die Foil-Technik erfanden, die Konkurrenz aber zu früh Bescheid wusste und reagieren konnte. Oracle entwickelte die Fliegerei im Verlauf des Cup-Matches schließlich noch effektiver weiter und schaffte das Comeback.

Wendeduell

Jedenfalls zeigten sie im Rennen gegen die Amerikaner dass sie die Fähigkeiten und den Speed für ein Comeback haben. Sie schienen mit dem Gegner zu spielen, bauten eine schnelle Wende am Leetor ein, die gründlich daneben ging und waren danach trotzdem schon vorbei an Barker und Hutchinson. Die testeten das klassische Match-Race-Deckungsspiel, inklusive Wendeduell, verloren dabei viele Meter und nach verpasster Luv-Anliegelinie auch die Führung.

Die letzte Luvtonnenrundung. Die Amerikaner peilen die linke Wendemarke an…

…segeln aber zu weit…

…und werden beim Abfallen nicht schneller…

…TNZ schafft die Überlappung. Drängt den Gegner ab und hängt ihm einen Penalty an…

…dreht aber sofort in die Halse. Irgendwann soll der Vorsprung 50 Meter betragen haben (Penalty erledigt). Die nächste Kiwi Halse fällt aber buchstäblich ins Wasser…

…American Magic gewinnt mit 12s Vorsprung.

Barker holte sich die Überlappung in der Innenkurve, verpasste den Amis dabei noch einen Penalty, halsten aber ohne Not sofort weg. Dadurch wuchs der Abstand laut Schiedsrichter sofort auf über 50 Meter an und der Penalty war schnellstens erledigt.

Aber die nächste Kiwi-Halse ging völlig daneben. American Magic holte sich seinen zweiten Sieg. In einem Rennen, das man sich durchaus ansehen konnte. Zwölf Sekunden Differenz deuten auf ein spannendes Duell auf Augenhöhe. Wenig deutet darauf hin, dass es in den nächsten drei Tagen weiterhin so eng zugeht.

Die Zahlen vom spannendsten Rennen des Tages.

Speed-Vergleich über das gesamte Rennen.

Speed-Vergleich auf der zweiten Kreuz. Zwei Hänger in den Wenden kosten die Kiwis das Rennen

 

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

Ein Kommentar „America’s Cup: Ainslie gibt zweimal auf – Amerikaner besiegen Neuseeland nach Wendeduell“

  1. avatar Jorgo sagt:

    Gähn!
    Selten langweiligere Matche gesehen.

    Heisse Debatte. Was meinst du? Daumen hoch 8 Daumen runter 6

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