America’s Cup: Alinghi greift wieder an – Ernesto Bertarelli bestätigt Comeback nach 11 Jahren

Kampf der Generationen

Die Gerüchteküche rumorte schon lange. Der aktuelle America’s Cup hat es Ernesto Bertarelli angetan. Er kommt elf Jahre nach dem unrühmlichen Auftritt von Alinghi wieder zurück ins Spiel – mit ähnlicher Strategie.

Kein Wunder, dass Team-New-Zealand-Boss Grant Dalton es eilig hat, schnell ein Basis-Budget für die Verteidigung des nächsten America’s Cups zusammenzubekommen und mit einem Verkauf der Austragungsrechte kokettiert. Der Transfermarkt ist direkt nach Abschluss der Regatta immer besonders aktiv. Und da schon feststeht, dass Kiwis und Briten mit der neuen AC75 Cup-Klasse weitermachen wollen, ist erfahrenes Personal besonders wertvoll.

Die neuseeländische Regierung soll umgerechnet schon knapp drei Millionen Euro zugesichert haben, um das Team trotz auslaufender Verträge zusammenzuhalten. Aber nur unter der Bedingung, dass wieder vor Auckland gesegelt wird.

Ernesto Bertarelli erhält die Auszeichnung für das schweizer Segelteam der Jahre 2019 und 20. © Alinghi

Auch wenn das so ist, wird das Geld aber vermutlich nicht ausreichen. Denn seit heute ist klar, dass ein neuer Player auf der Bildfläche erscheint. Ernesto Bertarelli hat seinen Hut in den Ring geworfen. Er will es beim 37. America’s Cup noch einmal wissen.

Abschied vor elf Jahren

In seiner Rede bei den Swiss Yachting Awards 2019/20 im Februar, bei denen sein Alinghi Team wegen der Erfolge mit dem G32-Katamaran-Foiler und in der letzten Décision35-Saison ausgezeichnet wurde, ließ Bertarelli schon durchblicken, dass er die America’s Cup-Regatten sehr genau verfolgen werde. Dann verdichteten sich die Hinweise, dass er im Falle eines Sieges von Luna Rossa sogar Challenger of Record werden könnte.

Nun besteht Gewissheit. Der zweimalige America’s Cup Sieger aus der Schweiz will erneut ein Team um sich versammeln und um die Kanne segeln. Offenbar hat er in den elf Jahren seiner Cup-Abwesenheit ausreichend Vermögen angespart, um auch gegen einige der aktuell reichsten Segel-Enthusiasten der Welt antreten zu können.

Das aktuelle Alinghi-Team. © Alinghi

Die aktuelle Forbes-Liste führt ihn mit einem Vermögen von 8 Milliarden Dollar auf Rang 169 in der Welt und ist damit von Jim Ratcliffe (11 Mrd) auf Rang 118 gar nicht so weit entfernt. Patrizio Bertelli ist mit 2,2 Mrd gar nur 945. und Roger Penske – einer von drei American Magic Finanziers – als 1851. mit nur 1,1 Mrd Dollar geradezu ein armer Schlucker. Da Larry Ellison (5. , 59 Mrd) bis jetzt noch nicht mitspielt, befände sich Bertarelli bezüglich seiner Finanzkraft auf Augenhöhe mit der Konkurrenz. Und an dieser Front wird schließlich der America’s Cup entschieden.

Fabulous Five

Aber so viel Geld muss er offenbar gar nicht in die Hand nehmen. Denn Bertarelli scheint wieder die Gang um sich versammeln zu wollen, mit der 2003 er als erster Herausforderer überhaupt beim ersten Versuch die Kanne gewann. Der 55-jährige Schweizer ließ durchblicken, dass er sich wieder mit Russell Coutts vertragen hat, der zuletzt für seinen Erzfeind Larry Ellison arbeitete.

Grant Simmer (r.) – inzwischen bei INEOS – gewann mit Ernesto Bertarelli und Brad Butterworth (l.) zweimal den America’s Cup für Alinghi. © Guido Trombetta/Team Alinghi

Dem fünfmaligen America’s Cup Sieger Coutts (1995 und 2000 für Neuseeland, 2003 für die Schweiz, 2010 und 2013 für die USA) ist es gelungen, auch sein ehemaliges Kernteam zu reaktivieren mit Taktiker Brad Butterworth, Murray Jones, Dean Phipps, Warwick Fleury und Simon Daubney, die zusammen vier Cup-Siege errangen.

Hall of Fame

v.l.: Ed Baird, Brad Butterworth, Dirk Kramers, Rolf Vrolijk, Ernesto Bertarelli, Jochen Schümann, Grant Simmer im Modelroom des New York Yacht Clubs. © Borlenghi

Die Stars von früher gehen zwar langsam auf die 60 zu, aber die avisierte Regeländerung der AC75-Klasse für die nächste Cup Regatta macht sie auf einen Schlag wieder konkurrenzfähig. Denn es zeichnet sich ab, dass man in Zukunft auf Grinder verzichten will und stattdessen mit Batterie-Power die Trimmelemente bedient. Das gilt schon für die Bewegung der Tragflächen, nun sollen auch Schoten und Segelprofil auf Knopfdruck funktionieren. Damit spielt Strategie und Taktik wieder eine entscheidende Rolle und die Cup-Rentner können sofort wieder voll mitspielen. Auch Jochen Schümann erhält wieder eine Rolle in der Afterguard. Rolf Vrolijk ist für das Design zuständig.

Der neue Alinghi-Foiler. © Alinghi

Bertarelli stand dem radikalen AC75 Foiling Monohull zunächst skeptisch gegenüber ist aber nun vom Design, der Geschwindigkeit und dem Manöververhalten überzeugt. “Damit können endlich wieder klassische Matchrace-Duelle stattfinden”, sagt der Alinghi Teamchef.

Er habe schon ein Boot der ersten Generation gekauft. Aber insbesondere bei der Entwicklung des TF35 Foilers, mit dem ab dieser Saison die Highspeed-Rennserie auf den Schweizer Seen starten soll, hat das Alinghi-Team einschlägige Erfahrung im Flugmodus gesammelt.

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

2 Kommentare zu „America’s Cup: Alinghi greift wieder an – Ernesto Bertarelli bestätigt Comeback nach 11 Jahren“

  1. avatar C K sagt:

    Schöner Aprilscherz ! Vielleicht hättet ihr noch Dennis Conner ins cockpit hieven sollen …

  2. avatar HANS-JOERG WUETHRIC sagt:

    Ja.. Ja
    .. Was mäche dann Coutts, Job als CEO bei der Super angelaufenen Sail GP Organisation?
    Nein, ich denke diese Sail GP Rennen und das 1Mio $ Finale wird den Monströsen America’s Cup über kurz oder lang ablösen können.
    Als Zuschauer sind diese Sail GP’s Rennen sehr attraktiv, vor allem wegen des Renn-Kalenders.
    Endlich nicht mehr warten um spektakuläre Rennen verfolgen zu dürfen. Gratulation den Erfindern dieser Sail GP Formate.

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