America’s Cup: Alle Teams mit Problemen bei Leichtwind – doch eines mit großen Schwächen

Verdrängen oder Fliegen

Am zweiten Renntag des Prada Cups, der Herausforderer-Serie des America’s Cup, mussten die drei Teams zeigen, ob sie auch bei Leichtwind ihre Boote beherrschen. Hier lag die Aufmerksamkeit wieder auf den Briten des INEOS Team UK, die im Dezember gerade bei Leichtwind große Probleme hatten, in den Flugmodus zu wechseln. Doch ein anderes Team zeigte bei diesen Bedingungen große Schwächen.

Die Boote segelten heute viel im Verdrängermodus Bild: © COR 36 | Studio Borlenghi

Bei den leichten Windbedingungen von unter zehn Knoten hatten alle Teams Probleme ihre Boote auf den Foils zu halten. So wurde auch weitestgehend auf taktische Segelmanöver verzichtet und vielmehr nach Windfeldern Ausschau gehalten, um sich in diesen Böenfeldern bis ins Ziel zu retten. Bei diesen Bedingungen zeigte sich die größte Schwäche der neuen AC75-Klasse, die gerade bei den Downwindschenkeln offensichtlich wurde: der lange Anlauf in den Foilmodus. Schon bei der America’s Cup World Series im Dezember zeigte sich, dass die Boote in der Regel die gesamte Breite des Kurses benötigen, um auf die Foils zu hüpfen. Das resultiert darin, dass die Boote erst kurz vor der Kursgrenze foilen, dann aber sofort halsen oder wenden müssen, um sich keine Strafe einzufangen. In der Folge landen die Boote dann meist gleich wieder im Wasser und müssen wieder Anlauf nehmen. INEOS segelte im Dezember teilweise weit über die kursgrenzen hinaus und nahm lieber eine Strafe in Kauf, als zu wenden. Hinzu kommt, dass die Teams auf dem Downwindkurs beispielsweise höher (90 Grad zum Wind) fahren müssen, um genügend Druck aufzubauen. Dieses Szenario sahen wir heute öfters – und zwar bei jedem Herausforderer. Das Resultat war eine Geschwindigkeit zum Ziel (VMG), die zwischen 0 und einem 1 Knoten pendelte. Teilweise sogar ins Negative fiel, sodass die Boote wieder zur Luvmarke segelten anstatt nach Lee.

Fliegen oder Verdrängen – Das typische Bild des Tages. Bild: © COR 36 | Studio Borlenghi

Im Verdrängermodus

Die Teams stehen dann vor einer schwierigen Entscheidung: sollen sie weiter versuchen auf die Foils zu kommen oder Boden nach Lee gut machen, indem sie in Verdrängerfahrt wie in alten Zeiten zum Leetor „humpeln“. Im Christmas-Race sah man diese Taktik beispielsweise bei den Neuseeländern und Briten, die es bei leichtem Wind irgendwann aufgaben, die Boote auf die Foils zu bekommen.

Im ersten Rennen des heutigen Tages hat auch Dean Barker von American Magic kurzzeitig so probiert seinen Vorsprung auszubauen. Letztlich schlug es allerdings fehl, da die Italiener in einem WIndfeld auf die Foils stiegen und an den Amerikanern vorbeizogen.
Auch im zweiten Rennen des Tages eierten die Boote entsprechend über den Kurs.

Auf der Suche nach Wind – nicht nach dem Gegner. Bild: © COR 36 | Studio Borlenghi

Italiener segeln im ersten Rennen zum Sieg

Heute waren es die Amerikaner, die zwei Rennen segeln mussten. Im ersten Rennen trafen sie dabei auf das Luna-Rossa-Team. Gleich in der Vorstartphase passiert dann das, was beide Teams unbedingt vermeiden wollten: sie fallen von den Foils. Während Luna Rossa weit nach rechts fährt, um Anlauf zu nehmen, dümpeln die Amerikaner am linken Rand der Line scheinbar unkontrolliert herum. Mit ihrem Anlauf von rechts hüpfen die Italiener zuerst auf die Foils und auch über die Linie, während die Amerikaner erst mit reichlich Verspätung über die Line rutschen und auf die Foils kommen. Doch gleich nach der ersten Wende liegen die Amerikaner wieder im Wasser, während Luna Rossa auf Foils bereits die Luvmarke rundet – jedoch nach der ersten Halse ebenfalls im Wasser landet. Während Luna Rossa auf Halbwindkurs wieder auf die Foils zu kommen, gelingt es den Amerikanern in einer Böe in den Flugmodus zu wechseln und zieht auf der rechten Kursseite an Luna Rossa vorbei. Das Rennen, das noch vor wenigen Minuten entschieden schien, war wieder offen. Doch beide Boote fanden sich relativ schnell im Wasser wieder. Während Barker versucht im Verdrängermodus nach Lee zu segeln, gelingt es den Italienern wieder auf die Foils zu kommen und geht als erstes Boot um die Leemarke. Mittlerweile wurde das Rennen auf vier Bahnen verkürzt, sodass Luna Rossa mit einem Vorsprung von einer Minute auf die letzte Kreuz geht. Kurz scheint das Rennen offen zu sein, denn beide Boote beginnen die Kreuz auf Foils. Doch die Amerikaner sind wieder die ersten, die einen Touchdown hinlegen. Zwar liegt auch Luna Rossa nach einer Wende im Wasser, kommt aber schnell wieder „auf die Beine“. Während American Magic verzweifelt versucht, Geschwindigkeit aufzunehmen, runden die Italiener bereits die Luvmarke. Als Luna Rossa im Flugmodus durch das Ziel schießt, runden die Amerikaner gerade die Topmarke und werden anschließend als DNF gewertet.

Briten bestehen Feuertaufe

Um die beginnende Seebrise besser zu nutzen, wird der Start des zweiten Rennens etwas nach hinten verlegt. Sowohl den erneut antretenden Amerikanern als auch den Briten fällt wohl ein Stein vom Herzen, denn beide Boote haben bei Leichtwind Probleme – zumindest hatten die Briten im Dezember große Probleme.

Die Briten segelten zum dritten Sieg in Folge. Bild: © COR 36 | Studio Borlenghi

Sir Ben muss nach dem grandiosen Comeback gestern zeigen, dass er und sein Team auch bei Leichtwind abliefern können. So wird das aufkommende Rennen zu seiner Feuertaufe, denn der Wind pendelt weiterhin bei acht bis zwölf Knoten. Sowohl Barker als auch Ainslie wissen, dass es im Vorstart jetzt darum geht, das Boot auf den Foils zu halten und nicht den Gegner zu attackieren. Doch die Amerikaner patzen! Sie verschätzen sich beim Eintritt in die Startbox, sind zu früh und versuchen noch etwas abzubremsen, doch fallen bei dem Manöver ins Wasser – und kassieren noch den Penalty, weil sie zu früh dran waren. Ainslie zieht derweil auf die rechte Seite der Startlinie. Als die Briten (vielleicht etwas zu früh) auf wieder auf die Linie zurasen, liegt American Magic scheinbar parkend genau mittig vor der Linie. Die Briten ziehen foilend zwar spielend in Lee vorbei, müssen aber jetzt am linken Ende auf die Linie wenden, da ihnen die Höhe fehlt. Doch auch das Manöver gelingt ohne Probleme und die Briten ziehen fliegend davon, während die Amerikaner wie schon in letzten Rennen den Anschluss verloren haben.

Doch im Bordfunk der Briten ist schon zu hören, dass sie mit Sorge auf die Annäherung am Gate blicken. In der letzten Wende kurz vor dem Gate liegen auch sie schließlich im Wasser. Die Amerikaner fliegen auf Foils heran, doch auch sie fallen in der Wende von Foils, während die Briten in Zeitlupe um die Luvmarke treiben. Jetzt beginnt wieder das Spiel aus Verdrängermodus, Flugsequenzen und dem Suchen nach Wind. Wie erwartet wird auch dieses Rennen entsprechend verkürzt. INEOS behält allerdings die Nerven, erreicht das Gate zuerst und geht auf die letzte Kreuz. Zwar landen die Briten immer wieder im Wasser, doch sie rappeln sich im Gegensatz zu den Amerikanern schneller wieder auf. Die Briten runden im Verdrängermodus die Luvmarke, doch jetzt achten sie nicht mehr auf die Amerikaner, die taumelnd nach Luv segeln, sondern auf die Uhr. Als sie auf den letzten Vorwindschenkel gehen, sind es nur noch knapp zehn Minuten bis zum Zeitlimit. Das Fenster beginnt sich schnell zu schließen, denn die Briten schaffen es nicht auf die Foils und nutzen die gesamte Breite des Kurses, um genügend Geschwindigkeit aufzubauen. Das sorgt wohl für eines der spektakulärsten Bilder der Rennen bisher. Kurz vor der Grenze des Kurses kommen die Briten schließlich auf die Foils und rasen jetzt genau auf das Feld der Zuschauerboote zu, die gleich auf der virtuellen Markierung liegen. Doch noch reicht die Geschwindigkeit wohl nicht für eine sichere Halse. Erst wenige Meter vor den ersten Booten halsen die Briten, bleiben auf den Foils und bleiben auch bis zum Ziel sicher im Flugmodus. Zwei Minuten vor dem Zeitlimit rauschen sie schließlich durch das Ziel.

Ausblick

Mit diesem Sieg verbuchen die Briten jetzt drei Siegreiche Rennen in der Herausforderserie und sind weiterhin ungeschlagen. Ainslie hat bewiesen, dass das optimierte Boot auch bei Leichtwind konkurrenzfähig ist. Nach dem derzeitigen Stand sind die Briten somit das stärkste Team im Prada Cup, was vor drei Wochen noch niemand angenommen hätte.

Verlierer des Tages sind die Amerikaner. Als einziges Team stehen sie bisher ohne Sieg im Prada Cup. Der Weg ins Halbfinale ist damit ein Stück länger geworden. Doch bis dahin vergeht noch einige Zeit. Allerdings haben sie bei leichtem Wind bisher auch die größten Probleme.

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