America’s Cup Alternative: Neue Rennserie mit alten Foiler Katamaranen – Ellison macht Ernst

Das Rad nicht neu erfinden

Genau ein Jahr ist es her, dass Neuseeland den America’s Cup in Bermuda gewann. Seitdem sind die coolen Kats eingemottet. Aber nun scheinen sie ein neues Leben geschenkt zu bekommen.

Team New Zealand und Oracle beim Prestart. Die Überlappung der Kiewis in Lee ist hergestellt. Oracle kommt zu spät auf die Foils. © ACEA 2017 / Photo Gilles Martin-Raget

Ernesto Bertarelli lästert über die neuen AC75 Cupper für 2021, es seien nur Katamarane verkleidet als Monohulls, und er hat damit recht. Wenn Boote foilen, ist es nahezu irrelevant, ob ein oder zwei Rümpfe über dem Wasser schweben. So hätte es auch viel Sinn gemacht,  die AC50-Cupper als Bootsklasse zu behalten, so wie es die fünf Teams im Vorfeld des Bermuda Finals beim sogenannten “Framework Agreement” ausgehandelt haben.  Bertarelli sagt: Dann hätte es sofort sechs Teams “inklusive Alinghi” an der Startlinie gegeben.

Nun sind es gerade einmal vier sichere Meldungen. Aber es sieht immer mehr so aus, als wenn die fliegenden Katamarane tatsächlich wieder aus der Mottenkiste geholt werden könnten. Die Anzeichen verdichteten sich schon seit Anfang des Jahres, dass die Cupper ein Comeback feiern. Larry Ellisons Rennserie soll kurz vor der offiziellen Ankündigung stehen, wie die Royal Gazette aus Bermuda berichtet.

Onedesign AC50-Foiler

Demnach sollen einheitliche AC50 Katamarane mit den Tragflächen-Segeln eingesetzt werden. Bermuda gilt als einer von mehreren Regatta-Standorten, die der Rennzirkus besucht. Weitere Stopps sind in Australien, Europa und San Francisco geplant. Für die Organisation sei Russell Coutts zuständig, der offenbar immer noch für Oracle arbeitet. Die neue Onedesign-Klasse soll F-50 heißen.

Sie werde auf Rad-Grinder verzichten, und stattdessen den nötigen hydraulischen Druck elektrisch generieren. Die Crew kann deshalb von sechs auf fünf verkleinert werden. Außerdem soll nur ein Satz Tragflächen zum Einsatz kommen, um das Tuning zu vereinfachen. Kurse und Regeln entsprechen dem bisherigen Konzept.

Eine solche Serie könnte auf dem Markt Sinn machen, zumal offenbar mit Larry Ellison ein potenter Geldgeber dahinter steht. Er wollte immer seine Vision vom Hochleistungssegeln in der Welt platzieren und musste sich viel Kritik dafür anhören. Aber der America’s Cup in Bermuda hat viele negativen Stimmen verstummen lassen. Das Spektakel hat gezeigt, wie spannend und anspruchsvoll Highspeed-Segeln auf Tragflächen sein kann.

Kiwis müssen das Rad neu erfinden

Zu dumm nur für den Amerikaner, dass der Cup nach Neuseeland entschwunden ist und die Kiwis insbesondere auf Druck der Italiener vom Luna Rossa Team das Rad neu erfinden wollen.

Es gab in der Vergangenheit schon viele Ankündigungen für Alterneativ-Veranstaltungen zum America’s Cup. Deshalb sind wohl auch diese Pläne mit Vorsicht zu genießen. Aber die Konstellation ist sehr naheliegend. Das Produkt war zu gut, um es einfach so einstampfen zu lassen.

Wenn den Booten durch Elektro-Power auch noch genug Kraft zur Verfügung steht, die Anzahl der limitierten Manöver zur erhöhen, kann es zu wahren Highspeed-Duellen kommen. Denn bisher gibt es keinen Foiler, der so gut und schnell auf Tragflächen wendet wie der AC50. Und das ist der Schlüssel für spannende Zweikämpfe.

Zur Erinnerung: Vor einem Jahr konnten die Neuseeländer den 35. America’s Cup zu Gunsten entscheiden. Ihr Boot war technisch überlegen, und sie starteten mit einer schnellen Halse das Überholmanöver:

 

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.
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