America’s Cup: Artemis chancenlos gegen Luna Rossa – Coutts kritisiert Italiener

Der große Unterschied

Artemis hat auch das zweite Duell des Louis Vuitton Cup Halbfinals beim America’s Cup gegen Luna Rossa verloren. Bei wenig Wind hatte das schwedische Team noch größere Probleme als am Vortag. Der Rückstand von 2:06 Minuten sieht geringer aus als die Unterlegenheit tatsächlich war.

Luna Rossa Artemis

Artemis muss Luna Rossa im Vorstart ausweichen, aber die Italiener segeln sehr defensiv. © ACEA/Abner Kingman

Schon nach dem Eintauchen in die Startbox schaffte es Artemis erstaunlicherweise nicht, vor den vorfahrtsberechtigten Italienern zu passieren, obwohl die erst zehn Sekunden später eintauchen dürfen. Sie müssen mit einer Halse ausweichen, sind aber dennoch ausreichend positioniert für einen guten Start.

Das hängt auch damit zusammen, dass Chris Draper Luna Rossa äußerst defensiv steuert und knapp hinter Artemis über die Linie geht. Russell Coutts ätzt zwar später ungewöhnlich scharf: “Sie müssen mal langsam anfangen, ein paar Starts zu gewinnen, wenn sie eine Chance haben wollen”. Dabei klingt offenbar noch der Ärger über den Boykott der ersten Louis Vuitton Cup Rennen von Luna Rossa durch.

Risiken wären fahrlässig

Er setzt nach: “Solche Fehler kann man sich auf diesem Niveau nicht erlauben.” Kann man aber doch. Eben dann, wenn man so deutlich schneller ist, wie es Luna Rossa im Verlauf des Rennens. Für Luna Rossa wäre es sogar fahrlässig, Risiken am Start einzugehen.

So heben sie sich kurz vor der ersten Tonne auf ihre Tragflächen und rauschen einfach vorbei. Bei 11 Knoten Wind hat es Artemis noch schwerer, auf seine Foils zu kommen. Das blaue Boot driftet geradezu durch die Halsen, es ist chancenlos.

Luna Rossa Artemis

Der Unterschied: An der ersten Tonne hebt sich Luna Rossa auf seine Tragfläche und rauscht an Artemis vorbei. © Luna Rossa

Die Frustration zeichnet sich im Gesicht von Steuermann Nathan Outteridge ab. Dieser Mann ist es gewohnt, zu gewinnen. Aber mit diesem Dampfer ist es nicht möglich. Luna Rossa lässt es ruhig angehen und verliert auf der zweite Kreuz eine Minute zum Gegner, der auf der linken Seite eine Winddrehung erwischt, gleicht aber fast das exakte Defizit auf dem Vorwindkurs wieder aus.

Es ist ein langeweiliges Rennen, das maximal einen kleinen Höhepunkt aufweist. Luna Rossa unterschneidet in einer Highspeed Halse, kommt aber nicht ernsthaft in Schwierigkeiten.

Nachteil wird sich nicht ändern

Coutts nimmt das freundschaftlich verbundene Artemis Team in Schutz und sagt, dass der große Unterschied besonders an den leichten Bedingungen gelegen habe. Dabei habe auch sein Team im Vergleich zu den Neuseeländern noch Probleme, verlässlich auf die Tragflächen zu kommen.

Luna Rossa Artemis

An der Luvtonne segelt Artemis noch auf einem Rumpf, Luna Rossa rutscht in Luv drüber. © ACEA/Abner Kingman

Der Nachteil von Artemis wird sich aber kaum ändern. Das machte Iain Percy in einem Interview klar. “Unsere Probleme entstehen aus einer Kombination aus Trainingsrückstand und Design. Das Schiff ist nicht für das Halsen und Beschleunigen auf Tragflächen ausgelegt. Das werden wir auch nicht mehr beheben können. Es ist ein grundätzliches Problem mit diesem Boot. Die Größe des Ruder-Flügels ist schwierig aber auch die Rumpfform.”

Das gesamte Artemis Design Programm war ursprünglich von Juan Kouyoumdjian war ursprünglich darauf ausgelegt, ohne Tragflächen zu segeln, wo wie es von den Regel-Verfassern gedacht war. Die Neuseeländer fanden aber eine Lücke im Regelwerk, die das Foilen erlaubte. Daraufhin mussten Artemis sein Programm vollständig umstellen und konnte offenbar selbst mit dem neuen Boot noch nicht angemessen auf die Entwicklung reagieren.

Percy sagt aber auch: “Es gibt keinen Grund, warum wir am Wind langsamer sein sollten.” Und es gebe noch ein paar Möglichkeiten, Halsen und Beschleunigung zu verbessern. Aber inzwischen kann man nicht mehr davon ausgehen, dass die Schweden den Italienern noch einmal gefährlich werden könnten. Im letzten Rennen war Luna Rossa im Durchschnitt fast ein Knoten schneller.

Die Leistungsdaten des zweiten Rennens

Das dritte Halbfinalrennen startet nach einem Ruhetag am Freitag, das vierte am Samstag. Sieger ist, wer zuerst vier Duelle gewonnen hat. Der Gewinner tritt am 17. August gegen das Team New Zealand an.

avatar

Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.
Spenden
http://blueocean.berlin/magicmarine-team-werden/

6 Kommentare zu „America’s Cup: Artemis chancenlos gegen Luna Rossa – Coutts kritisiert Italiener“

  1. avatar liebersegeln sagt:

    Wenn man sich die Kielwasser beider Schiffe beim Foilen anschaut sieht man, dass Artemis wesentlich mehr Gischt und Schaum produziert, das deutet auf einen höheren Widerstand bei den Schwertern hin. Bei Booten, die jeden zehntel Knoten Wind in Geschwindigkeit umsetzen ist das absolut tödlich. Mir scheint als wären die Profilschwerter, ein großes Problem, weniger der Rumpf.

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 6 Daumen runter 1

    • avatar Uwe sagt:

      Artemis scheint auch stärker zu krängen als Luna Rossa, die den Druck besser in Speed umsetzen können.

      Heisse Debatte. Was meinst du? Daumen hoch 4 Daumen runter 4

      • avatar Stefan sagt:

        was aber auch an den unterschiedlichen Flügelkonzepten liegen könnte. LR hat einen insgesamt schlankeren Flügel. Der von AR ist in der Mitte deutlich breiter.

        Heisse Debatte. Was meinst du? Daumen hoch 3 Daumen runter 5

      • avatar liebersegeln sagt:

        Wie viel und in welche Richtung der Flügel Auftrieb (Vortriebskraft und Querkraft) bringt hängt vom Trimm des Flügels und der Trimmklappen ab, denn der ist ja grundsätzlich symmetrisch und kann damit auch 0 Auftrieb erzeugen. Das sollte dann aber ein Handlingproblem sein und in den nächsten beiden Rennen besser werden. Ich werde mal drauf achten.

        Like or Dislike: Daumen hoch 0 Daumen runter 0

  2. avatar Wooling sagt:

    Am Samstag ist eh alles vorbei und Artemis kann den Kat nach einem 0:4 vorschrotten. Vermutlich eine der teuersten Niederlagen der Segelgeschichte. Ist mir völlig schleierhaft, warum sie sich den Neubau angetan haben.

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 8 Daumen runter 0

    • avatar coist sagt:

      Es ginbg und geht doch allein noch darum, das Ganze zu einem sauberen Ende zu führen. Nicht nur, aber vor allem nach der Kenterung. Aber ohne Pathos ist das wohl weniger zu erklären, von daher lass ich es 😉

      Dass Artemis eine einzige Enttäuschung ist steht auf einem anderen Blatt. Angefangen letztes Jahr vor Valencia, als sie den ersten Flügel zerstört haben, falsches Designkonzept, kaputter Beam vorm ersten Segeln, Hutchinsons Abgang, etc. IMHO verdient es aber Anerkennung, dass sie nach wie vor dabei sind. Zuhause sitzen und jammern kann jeder.

      Like or Dislike: Daumen hoch 5 Daumen runter 2

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Sicherheitsfrage (SPAM-Schutz): *