America’s Cup: Artemis ist raus nach strittigem Penalty – Tornquist will weitermachen

Der rote Mond startet durch

Artemis Racing ist endgültig aus dem Kampf um den America’s Cup ausgeschieden. Das Team des schwedischen Milliardärs Torbjörn Tornquist verlor auch das vierte Louis Vuitton Cup Halbfinalrennen gegen Luna Rossa.

Dabei wurde Artemis diesmal weniger Opfer seiner technischen Unterlegenheit als einer strittigen Schiedsrichter-Entscheidung. Im Vorstart schaffte es Artemis Steuermann Nathan Outteridge, mit einem agressiven Highspeed Manöver eine Leeüberlappung zum Gegner herzustellen und erarbeitete sich damit das Luvrecht.

Er drehte seinen Katamaran in den Wind und Chris Draper musste mit seinem Luna Rossa Team darauf antworten. Er drehte mit wenig Speed in die Wende und schien völlig geblockt. Aber Outteridge begnügte sich nicht damit und attackierte weiter, in dem er  selber in eine Wende steuerte. Wohl um den Gegner an einem Ausbruchversuch per Halse zu hindern.

Luna Rossa

Vollgas vor der Golden Gate Bridge. Luna Rossa steht jetzt im Louis Vuiiton Cup Finale. © Luna Rossa

Die Animation von der AC-Website zeigt, wie Luna Rossa aber überraschend zurückwendet. Das ist der kritische Moment. Durfte Draper in diesem Moment wenden? Regel 15 steht dagegen. Sobald ein Boot Wegerecht erhält, muss es dem anderen Boot die Möglichkeit zum Ausweichen geben. Hatte Artemis genug Platz?

Outteridge meint nicht und drückt auf den Protest-Knopf. Auf dem Übertragungsbildschirm erscheint ein Penalty für Luna Rossa. Der ist dann aber plötzlich weg und später wird eine Strafe für Artemis angezeigt.

In der Live Übertragung leuchtet kurz der Penalty für Luna Rossa auf, ist dann aber wieder verschwunden.

In der Live Übertragung leuchtet kurz der Penalty für Luna Rossa auf, ist dann aber wieder verschwunden.

Falsche Knöpfe gedrückt?

Die Schiedsrichter mögen dann doch davon überzeugt davon gewesen sein, dass vor der leichten Berührung Artemis nicht alles getan hat, um auszuweichen. Oder hat nur jemand falsche Knöpfe gedrückt?

Während sich Luna Rossa Skipper Max Sirena nach dem Penalty sehr überzeugt von der Richtigkeit der Strafe äußert hält sich Outteridge mit einem Statement zurück. “Wir waren sehr verwirrt. Lange Zeit wurde keine Strafe angezeigt. Das Licht leuchtete nicht vor der ersten Tonne. Unsere Rules Adviser versuchen noch herauszufinden, was da los war.”

Luna Rossa

Luna Skipper Max Sirena beglückwünscht Steuermann Chris Draper zum 4:0 Sieg. © Luna Rossa

Schwerwiegender als der Penalty an sich war für Artemis aber die Schwierigkeiten bei der Übermittlung. Im Sailing Anarchy Forum hat sich ein Leser zu Wort gemeldet, der offenbar den Funkverkehr mitbekommen hat. Demnach soll die Strafe exakt 25 Sekunden vor dem Start von den Schiedsrichtern entschieden worden sein, die an Land das Rennen an den Bildschirmen verfolgen.

Problem mit dem Strafanzeige-System

Danach soll aber jemand die falschen Buttons gedrückt haben. So sei erst die falsche von zwei Penalty Möglichkeiten (Boat to Boat statt VMG/Zeit) ausgewählt und bei der Berichtigung die Strafe gelöscht worden. Nach der Erkenntnis des Fehlers blinkte die blaue Straflampe auf dem Artemis Kat erst beim Erreichen der Zone an der ersten Tonne auf.

Artemis Besitzer Torbjörn Tornquist kann lachen, obwohl er verloren hat. © ACEA / GILLES MARTIN-RAGET

Artemis Besitzer Torbjörn Tornquist kann lachen, obwohl er verloren hat. © ACEA / GILLES MARTIN-RAGET

Das Team bemerkte es zu spät. Und mit der Dauer der Nichtbeachtung vergrößert sich die Strafe nach den neuen speziellen America’s Cup Regeln. Auf dem ersten Raumschenkel zu Tonne hätte Artemis nur zwei Bootslängen verloren, wenn die Strafe rechtzeitig ausgesprochen gewesen wäre. Dann hätte das Team immer noch mit zwei Längen an der ersten Tonne geführt.

So aber vergößerte sich die Stopp-Strafe von 44 auf 244 Meter, als das Artemis Team mit den komplizierten Halsen beschäftigt war, die sie immer besser beherrschten. Nach der Strafe war das Rennen verloren. Zweimal segelten Artemis noch ohne Not über die seitliche Spielfeldbegrenzung und erhielt weitere Strafen dafür. Die Konzentration war offenbar geschwunden.

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Carsten Kemmling

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9 Kommentare zu „America’s Cup: Artemis ist raus nach strittigem Penalty – Tornquist will weitermachen“

  1. avatar Markus sagt:

    trotz der menschlichen Tragödie waren/sind die Probleme von Artemis selbstgeschuldet. Wer hat das alles zu verantworten? In erster Linie ist das CEO Paul Cayard, the most overrated sailor worldwide. Er wurde fürstlich bezahlt für das Chaos, welches er angerichtet hat. Mich erinnert das an ehemalige Fussballer wie den Michael Preetz von Hertha BSC Berlin, die der festen Überzeugung sind, als Manager auch erfolgreich sein zu können. In der freien Wirtschaft wären diesen Typen nicht tragbar. Über 100 Millionen für 4 einzelne Wettfahrten, keine schlechte burn rate! Terry Hutchinson hatte gerade noch rechtzeitlg das Desaster erkannt. Er verzichtete auf viel Geld, aber er hat seinen Verstand walten lassen.

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    • avatar stefan sagt:

      …soso, Terry Hutchinson hat also etwas erkannt und hat gekündigt? Mannoman, das ist schon hart was man hier an Geschichtsverfälschung lesen darf. Aber jeder hat seine Wahrnehmung. 😉

      …warum sind eigentlich immer alle die etwas machen das jemandem wie dir nicht zusagt, dumm oder böse?
      Alle die im AC Erfolg haben oder hatten, haben mehrere Anläufe gebraucht um die nötige Erfahrung und ein stabiles Team aufzubauen (ausser vielleicht Alinghi, die sich aber ja ein neuseeländisches Erfolgsteam gekauft hatten).

      Heisse Debatte. Was meinst du? Daumen hoch 12 Daumen runter 16

  2. avatar Markus sagt:

    Stefan, Du hast einfach keine Ahnung

    Heisse Debatte. Was meinst du? Daumen hoch 13 Daumen runter 20

  3. avatar Backe sagt:

    Mir scheint, der AC verdirbt den Charakter … Nicht nur bei unmittelbar beteiligten Profis und Milliardären ;.)

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  4. avatar Ballbreaker sagt:

    Hysterischer Kommentator kreischt zum Start ins Mikro: ” This is UNBELIEVABLE ……”

    Ist es wirklich.

    Jetzt wäre vielleicht mal etwas entstanden, was entfernt an ein Match-Race bzw. Regattasegeln erinnert, aber dank virtueller Spielfeldbegrenzungen, blinkender oder nicht blinkender Lämpchen, Stopp-Strafen und Knöpfchenproblemen ist es dann auch wieder schnell erledigt.

    Was eine Farce.

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    • avatar Chris sagt:

      “der commentator” ist nicht hysterisch 🙂 im übrigen ist “der commentator” in diesem fall ken read … sollte ein begriff sein

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  5. avatar Wilfried sagt:

    diese Spekulationen um Personen sind doch völlig überflüssig.
    die Interpretation des Protestes würde mich vielmehr interessieren. Aus meiner Sicht gibt es doch nur zwei Möglichkeiten: 1.) Luna Rossas Manöver wird als Wende angesehen. Dann hätte die Wende abgeschlossen sein müssen und Artemis ab diesem Zeitpunkt noch genug Raum und Zeit für sein Ausweichmanöver gehabt haben müssen. Das sieht nach diesen Daten allerdings nicht danach aus.
    2.) Man interpretiert das Manöver von Luna Rossa als hartes Luven bis ind den Wind, als Leeboot grundsätzlich o.k. wenn Artemis hätte reagieren können. Die Wende war dann nur die Fortsetzung des Luvmanövers nach der Berührung. Dann könnte der Penalty o.k. sein.

    Gleich noch angehängt.” Ich bin kein Matchracer” bevor hier wieder der shitstorm der Besserwisser zu schlägt.

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    • avatar Wilfried sagt:

      noch kurz nachgeschoben. Nach mehrmaligem anschauen schliesst sich Nr.2) aus. Die Berührung war erst nach der Wende bei den Drehradien wohl trotzdem eine Fehlentscheidung der Jury.

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