America’s Cup: Ausstieg der Australier – Herausforderer stehen Coutts bei

+++ "Freundlicher Wettstreit" +++

Nach der überraschenden Absage des australischen Challenger of Records für den 35. America’s Cup ist die Regatta schwer unter Druck geraten. Vier Herausforderer haben nun ihre öffentliche Unterstützung bekannt gegeben.

AC Luna Rossa

Luna Rossa in San Francisco. Der neue Challenger of Record? © ACEA / PHOTO ABNER KINGMAN

In ihrer Erklärung heißt es: “Luna Rossa Challenge, Artemis Racing, Ben Ainslie Racing und Team France bestätigen ihre vollste Unterstützung der Regatta unabhängig vom Veranstaltungsort.”

Man befinde sich in einem fortlaufenden Dialog mit dem Verteidiger Oracle Team USA und möchte das Prinzip des “freundlichen Wettstreits zwischen ausländischen Nationen” bewahren. Es gebe eine aktive Kooperation, um die Regeln des America’s Cups und der World Series sowie der Herausforderer Qualifikation anzupassen.

Ben Ainslie sagt: “Wir alle wollen dabei helfen einen erfolgreichen und nachhaltigen America’s Cup für die Zukunft aufzubauen.” Und Franck Cammas sagt für die Franzosen: “Dieser Cup wird ein freundlicher aber leidenschaftlicher Wettkampf unter den besten Seglern mit den spektakulärsten Rennmaschinen, die jemals beim America’s Cup gesehen wurden. Es wird eine neue Ära im Segeln gestartet aber auch für den Sport insgesamt. Team France ist stolz, ein Teil davon sein zu dürfen.”

Der Schulterschluss ist bemerkenswert und dürfte in dieser Art noch nicht vorgekommen sein. Offenbar haben alle beteiligten Angst, das positive Momentum nach der vergangenen Veranstaltung zu verlieren. Die Entwicklung zeigt allerdings auch, dass die Absage der Aussies tatsächlich ein schwerer Schlag für die Veranstaltung ist. Dem Oracle Team ist es definitiv nicht gelungen, die Voraussetzungen zu schaffen, auch mit einem geringeren Budget beim America’s Cup teilzunehmen.

[ds_preview] (Ab hier ausführlicher Text für SR Clubmitglieder)

Bob Oatley vom australischen Herausforderer hatte gesagt: “Dieses Projekt war von uns gestartet worden, um ein Format zu verhandeln, das erschwinglich ist und den Schwerpunkt auf die seglerischen Fähigkeiten legt.  Schließlich lag die Berechnung der Kosten aber weit über unseren Erwartungen. Wir sind bitter enttäuscht, dass dieses aufsteigende Team junger Australier nicht in der Lage sein wird unter unserem Banner am nächsten America’s Cup teilzunehmen.”

Nach wie vor geht offenbar nichts unter 100 Millionen Euro. Das bestätigt jedenfalls Ben Ainslie. Er hat aber offenbar das Geld einigermaßen beisammen. So ist es auch bei Artemis und Luna Rossa, die von ihren Milliardären gestützt werden. Überraschend ist dagegen, dass die Franzosen sich in dieser Weise outen. Sie waren bisher nicht vielmehr als ein Wackelkandidat, dem ein solches Budget nicht zugetraut worden war.

Die Neuseeländer allerdings bleiben offenbar bewusst außen vor. Sie scheinen nicht den Steigbügelhalter für Coutts machen zu wollen. Laut Daltons jüngster Aussagen soll sein Team aber ebenfalls auf dem besten Weg sein, die notwendigen Ressourcen zusammen zu bekommen und willens sein, die Herausforderung auszusprechen.

Unfair empfinden die Teams das Protokoll schon längst nicht mehr. Das wird auch mit der gemeinsamen Presseerklärung deutlich zu werden. Die ersten Kritikpunkte, wie die zwei-Boote-Regel für den Verteidiger, sind kein Problem.

Schwierig ist nur noch die Tatsache, dass die Herausforderer einen AC62 Kat bauen müssen, der in zwei verschiedenen Orten schnell sein soll, dem Quali- und dem Final-Revier. Die Designs werden von den Konstrukteuren genau den zu erwartenden Bedingungen angepasst. Vielleicht zeichnet sich aber auch auf dieser Ebene ein Einlenken von Oracle ab.

Problematisch ist, dass Coutts den neuen mit aller Gewalt ökonomisch tragfähig machen will. Das Pokerspiel um den Austragungsort hat mehr mit den Finanzen  zu tun, als mit den sportlichen Bedingungen. Man schielt offenbar zu den Olympia- und FIFA-Strukturen, die das meiste Geld vom Veranstalter erwirtschaften. Ob es allerdings auf diese Weise in kürzester Zeit gelingt, genug Geld aus der Veranstaltung zu pressen scheint fraglich.

Ellison und Coutts wären wohl gut beraten, den Erfolg nicht alleine auf die Veranstaltungskarte zu setzen. Aber die Erklärung der potenziellen Herausforderer scheint darauf hinzuweisen, dass hinter den Kulissen zurzeit mehr auf Konsens als Dissens gedrängt wird.

Die Anmeldefrist läuft am 8. August ab. Bis dahin wird sich zeigen, wer tatsächlich Nägel mit Köpfen macht. Wenn keine vier Herausforderer melden, muss das Protokoll neu verhandelt werden. Das ist ein hübsches Druckmittel gegenüber dem Verteidiger. Offen ist auch, wer der neue Challenger of Record wird. Zurzeit deutet viel darauf hin, dass es Luna Rossa sein könnte.

 

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Carsten Kemmling

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