America’s Cup: Ben Ainslie erklärt die Niederlage – Den frühen Rückstand nicht aufgeholt

"We will be back"

Ben Ainslie blickt auf die Niederlage gegen Luna Rossa und die Kampagne zurück. Wie es mit dem INEOS Team UK weiter geht. Hat Milliardär Jim Ratcliffe noch Spaß an einer weiteren Kampagne?

“Die letzten paar Tage haben nicht viel Spaß gemacht”, erklärt Ben Ainslie in seiner regelmäßigen Kolumne beim Telegraph. “Es wird eine Weile dauern, das zu verarbeiten, aber so ist der Sport. Wenn man auf höchstem Niveau konkurrieren will, muss man das Risiko akzeptieren, dass man vielleicht nicht gewinnt, und wenn man es nicht tut, wird es richtig weh tun.”

Das INEOS Team UK scheint einigermaßen glimpflich über die Niederlage gegen Luna Rossa im Prada Cup hinwegzukommen. Die heimische Boulevard-Presse ist nicht wie befürchtet über die Segler hergefallen, die mit dem Slogan “we bring the cup back home” den Mund ziemlich voll genommen hatte.

Diese Herausforderung ist schließlich eine ziemlich nationale Kampagne geworden. Sie hat sogar das Wohlwollen des Königshauses gewonnen. Prinzessin Kate begann mit ihrer Unterstützung schon 2016 und zeigte sich regelmäßig auf der Team-Basis in Portsmouth. Zuletzt schickte sie ihre besten Wünsche für das Team im Dezember.

Das INEOS Team UK. Viele Menschen arbeiten für den Englands Cup-Sieg. 86 durften nach Neuseeland. © INEOS Team UK

Das 1:7 gegen die Italiener ist allerdings eine Enttäuschung. Nach dem größten Cup-Sponsor-Deal aller Zeiten mit INEOS-Boss Jim Ratcliffe (68) hätte mehr drin sein sollen in dieser Kampagne. Der Einstieg des 18,6 Milliarden Dollar schweren Chemie-Unternehmers schien alle Möglichkeiten einer erfolgreichen Kampagne zu liefern.

Zumal das Team nach dem ersten Versuch 2017 in Bermuda größtenteils zusammengeblieben war. Ainslie sagte damals im SR-Interview vor Ort : “Wir wollten wirklich den Cup nachhause bringen und ich werde jetzt nicht sagen, dass wir eigentlich nur lernen wollten. Wir sind bitter enttäuscht, dass wir bei diesem Cup nicht weitergekommen sind und werden genau analysieren, was falsch gelaufen ist.” Die Neuseeländer hatten ihn im Herausforderer-Halbfinale mit 5:2 besiegt. Die Briten waren nicht schnell genug.

Nicht genug Zeit

Seine wichtigste Erkenntnis: “Die Design-Strategie müsse von Anfang an genau passen.” In der Vergangenheit habe man auf dem Weg zu den wichtigen Rennen noch viel an Kiel oder Segeln ändern können. “Diesmal sind wir gezwungen worden, wichtige strategische Entscheidungen unter großem Zeitdruck zu fällen.” Das sei durch den Rückstand von einem halben Jahr zu den starken Syndikaten und mit der neu formierten Mannschaft nicht so gut gelungen. “Wir haben uns dafür nicht genug Zeit genommen.”

Eigentlich war es diesmal genauso. Immerhin konnten die Briten von Anfang an Gas geben. Denn Land Rover und das Netzwerk vermögender Geldgeber um Keith Mills und Charles Dunstone hatten früh grünes Licht für eine weitere Kampagne gegeben.

Grant Simmer (r.) gewann mit Ernesto Bertarelli und Brad Butterworth (l.) zweimal den America’s Cup für Alinghi. © Guido Trombetta/Team Alinghi

Mit dieser Perspektive konnten wichtige Personalentscheidungen schnell getroffen werden. An der Spitze des Design-Teams folgte auf den Briten Andy Claughton der Neuseeländer Nick Holroyd, der 18 Jahre lang für das Team New Zealand gearbeitet hatte. Er gilt als genialer Erfinder des Foilings im America’s Cup und war für 2017 von Dean Barker zum japanischen Team geholt worden.

Auch für die Schlüsselposition des CEO gelang mit dem Cup Veteran Grant Simmer vom Oracle Team USA eine starke Rekrutierung. Der 64-jährige Australier war in zehn America’s Cups involviert und zog die Fäden bei den jeweiligen beiden Alinghi- und Oracle-Siegen.

Bei den vergangenen Cup-Zyklen arbeitete Simmer zusammen mit James Spithill für das Oracle-Team. © BMW / Carlo Borlenghi

Aber schließlich hat sich auch diese Personalie noch nicht als der erhoffte großer Coup herausgestellt. So überraschte Simmer schon vor dem Stapellauf des zweiten AC75 mit der Aussage, dass er mit der Radikalität des neuen Designs ein wenig Bauschmerzen habe.

Mehrere Monate Rückstand

Offensichtlich sind die Herausforderer beim Konstruktionswettkampf früh ins Hintertreffen geraten. Das zeigte sich schon bei den Unterschieden der ersten AC75-Versionen. Die Boote der Herausforderer von American Magic wie auch INEOS wiesen nicht den signifikanten “Buckel” unter dem Rumpf auf, der den Luftaustausch zwischen Wasser und Boot verringert. Das war nicht, wie anfangs vermutet, einfach eine andere Interpretation der neuen Box Rule, sondern einfach das Ergebnis von weniger Zeit, Daten durch die Rechner zu jagen.

Der Verteidiger Team New Zealand hatte schließlich zusammen mit dem ersten Herausforderer (COR) Luna Rossa die neue Bootsklasse entwickelt. Und bevor die Eckdaten den potenziellen Challengern bekannt waren, konnten sie schon mehrere Monate an der Konstruktion tüfteln.

Besonders gut erkennbar ist diese Situation beim Stapellauf von Luna Rossa 2.0. Das Schiff unterscheidet sich auf den ersten Blick kaum von seinem Vorgänger. Was anfangs wie eine Schwäche erschien – ist dem deutschen Chef-Designer Martin Fischer nichts neues eingefallen? – hat sich nun als Stärke herausgestellt. Die Italiener waren offenbar überzeugt, dass der erste Rumpf dem Optimum schon sehr nahe war. Ein Vorteil: Gesammelte Daten vom ersten Boot hatten eine größere Validität als bei den gegnerischen Herausforderern.

Der Wow-Faktor

Ben Ainslie fasst die Situation zusammen: “Man kann in gewisser Weise nicht überrascht sein, dass der Challenger of Record weiter ist. Mit ihrem Verständnis von dem Design- Konzept waren sie besser darauf vorbereitet, ein schnelleres Paket über den gesamten Windbereich zu entwickeln.

Radikaler Wulst unter dem neuen britischen Cupper. © INEOS Team UK

Wir selbst und auch American Magic haben mit unseren zweiten Rennbooten beträchtlich zugelegt, aber es fühlte sich immer so an, als müssten wir einen Rückstand aufholen. Deshalb haben wir uns auch für ein aggressives Design entschieden und sind ein hohes Risiko eingegangen. Vielleicht hat uns das am Ende ein besseres Ergebnis gekostet.”

Ainslie hadert nicht mit der Situation. Er hat sich schon zuvor ehrlich begeistert von der neuen Klasse gezeigt und keinen Hehl draus gemacht, dass er sie gerne beibehalten würde. “Ich muss dem Team New Zealand und Luna Rossa ein Lob aussprechen. Der AC75 war ihre Kreation, und sie hat sich meiner Meinung nach als perfekte Verkörperung dessen erwiesen, worum es beim Cup gehen sollte: Technologie, Kraft, Anmut, Geschwindigkeit und, was am wichtigsten ist, sie hat den “Wow”-Faktor.”

Leichtwind-Schwäche verschleiert

Er kündigt an, gestärkt zurückzukommen. “Das mag wie ein Klischee klingen, aber ich glaube fest daran. Verglichen mit unserem Stand vor vier Jahren nach Bermuda haben wir uns gewaltig entwickelt.

Natürlich war das Finale des Prada Cups sehr einseitig. Davor können wir uns nicht verstecken. Unsere Leistung bei leichtem Wind war nicht gut genug. Die Verbesserungen nach Weihnachten und die Ergebnisse in den Round-Robins haben die Schwäche von ‘Britannia’ verschleiert. Mit der taktischen Leistung des Teams in den Rennen sei er aber sehr zufrieden. Die seglerische Leistung sei eine gute Basis für einen erneuten Wettkampf um die Kanne.

Ainslie, America's Cup

Ainslie und Jim Ratcliffe beim ersten offiziellen Handschlag 2018. © Ineos Team GB

Es gelte zwar ersteinmal abzuwarten, wer schließlich gewinnt und ob das eine grundlegende Änderung für den nächsten Cup-Zyklus bedeutet etwa “wenn wir den Cup plötzlich aus italienischer Sicht betrachten”. Aber es deutet sich an, dass die Briten neuer Challenger of Record werden, wenn die Kiwis den Cup verteidigen.

Team-Besitzer Jim Ratcliffe scheint jedenfalls nicht den Spaß verloren zu haben. “Er hat das Team absolut fantastisch unterstützt”, sagt Ainslie. “Jim war der erste Mann auf dem Boot, um mit uns zu trauern. Er ist im Herzen ein echter Sportler und versteht die Herausforderungen, die mit einem Wettkampf auf diesem Niveau einhergehen.”

Umso besser, dass Ratcliffe auch noch ein wenig Geld auf der hohen Kante hat. “Wir werden wiederkommen”, ist Ainslie überzeugt.

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

Ein Kommentar „America’s Cup: Ben Ainslie erklärt die Niederlage – Den frühen Rückstand nicht aufgeholt“

  1. avatar thorsten sagt:

    Extrem schlecht geschrieben

    Like or Dislike: Daumen hoch 0 Daumen runter 0

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