America’s Cup: Ben Ainslie hebt ab – Was der Brite aus der Bermuda-Niderlage gelernt hat

"Wir waren eine Lachnummer"

Das INEOS Team UK im Flugmodus. © INEOS Team UK

Die ersten Flug-Bilder des radikalen britischen America’s Cuppers bestätigen die Optik der Sportgeräte wie von einem anderen Stern. Der extreme INEOS Team UK Cupper in Aktion.

Der America’s Cup sollte wieder näher zu seinen Wurzeln, zu seinen Fans zurückkommen. Das war jedenfalls der ausdrückliche Wunsch von Patrizio Bertelli, dem Besitzer des Luna Rossa Rennstalls, ohne dessen Unterstützung Team New Zealand nicht den America’s Cup gewonnen hätte. Die Sportgeräte sollten wieder mehr wie Segelyachten aussehen. Mit richtigen Segeln und klassischen Rümpfen.

Bertelli ließ sich überrumpeln von der Zusage der Neuseeländer, es werde wieder mit Monohulls gesegelt. Dass sie aber beim Segeln so futuristisch aussehen würden, wie die jüngsten Bilder zeigen, hätte er nicht für möglich gehalten. Sonst wäre sein Veto gewiss gewesen. Das hat er längst zugegeben.

Aber nun gewöhnt man sich an die irre Optik der AC75. Auch wenn die aktuellen Bilder vom britischen INEOS Team UK noch einmal die neue Dimension zeigen, die der Segelsport beim 36. America’s Cup erreicht. Die Schiffe sehen beim Fliegen aus wie von einem anderen Stern.

Die Briten mit angeschlagenem Code Zero. © INEOS Team UK

Die britische Konstruktion hat im Vergleich mit der Konkurrenz noch am wenigsten mit einer üblichen Yacht zu tun. Der Kohlefaser-Kasten ist rein auf aerodynamische Effizienz getrimmt.

Historische Chance für die Briten

Für Ben Ainslie spielt die Ästhetik bei diesem Cup aber eine untergeordnete Rolle. Nie gab es eine bessere Chance, dass die Briten den Cup gewinnen können. Noch nie hatten sie so viel Geld, noch nie waren sie so früh dran.

Aber er wird das nicht mehr hören können. Denn 2017 war es genau so. Er wurde mit Vorschusslorbeeren überhäuft und dann erlebte auf den Bermudas doch einige der schwärzesten Stunden seiner Karriere. Schon drei Monate vor dem Cup, als er mit der neuen Konstruktion die ersten Meilen auf dem Cup-Revier absolvierte, habe er gewusst, dass er keine Chance habe, sagt er dem Magazin Standard Sports.

“Wir befanden uns in einer sehr schwierigen Lage und schafften es kaum, mit dem Boot den Kurs zu absolvieren. Und wir waren viel langsamer als die Konkurrenz. Es ist mir peinlich, aber wir waren wirklich eine Lachnummer.”

“Brutale Entscheidungen”

Nach einigen radikalen Änderungen habe man noch “ein akzeptables Niveau” erreichen und sogar können das Emirates Team New Zealand besiegen können, aber die Halbfinal-Niederlage gegen Artemis sei nicht abzuwenden gewesen.

Danach habe er ein paar “brutale Entscheidungen” treffen müssen wie das Beenden der Beziehung zum treuen Hauptsponsor Land Rover als sich die Chance zur Zusammenarbeit mit dem Milliardär Jim Ratcliffe ergab.

INEOS Team UK

Der aerodynamisch optimierte flache Rumpf des britischen INEOS Teams. © INEOS Team UK

“Das ist hart, aber der Grund dafür war schließlich, mit aller Kraft den Cup gewinnen zu wollen. An etwas anderem bin ich nicht interessiert. Man muss solche harte Entscheidungen treffen, und man verliert dabei Freunde, aber so etwas passiert beim Segeln.”

Der erfolgreichste Olympia-Segler der Welt wähnt sich auf einem guten Weg. “Das Design wird der entscheidende Faktor sein, auch wenn wir natürlich gut segeln müssen. Aber wir haben eine Menge aus der letzten Kampagne gelernt. Und wir haben jetzt Grant Simmer und Nick Holroyd an unserer Seite. Die Kiwis werden zwar auf heimischen Gewässern schwer zu schlagen sein. Aber wird sind wirklich begeistert, das Boot nun endlich im Wasser zu haben und wir sind bisher ziemlich zufrieden mit seiner Leistung.”

 

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

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