America’s Cup: Carolijn Brouwer steuert Dutchsail-Cupper – 2020 in Scheveningen

Frau am Steuer

Das niederländische America’s Cup Team Dutchsail hat Carolijn Brouwer als Steuerfrau für seinen Cupper 2021 bestimmt. Außerdem bestätigen sie die Zusage, 2020 eine Regatta vor der Küste von Scheveningen abhalten zu dürfen.

Carolijn Brouwer (45) ist ohne Frage eine der besten Seglerinnen der Welt. Sie war schon Weltseglerin des Jahres, zweimalige Weltmeisterin in der damals olympischen Europe-Jolle und noch vor Einführung der Mixed-Olympia-Klassen als Steuerfrau Vize-Weltmeisterin im Tornado. Dreimal nahm sie in drei verschiedenen Klassen (Europe, 470er, Tornado) an Olympischen Spielen teil, kam aber jeweils nicht unter die Top Ten. Dennoch wurde sie das Gesicht des internationalen Frauen-Segelsports, und das lag insbesondere an ihren Hochsee-Auftritten.

carolijn brouwer

Carolijn Boruwer, die erste Frau, die beim dritten Anlauf das Volvo Ocean Race gewinnt © Ainhoa Sanchez/Volvo Ocean Race

2002 ergatterte sie einen Platz auf dem chancenlosen Jugendboot “Amer Sports Too”, 2014 skipperte sie das Frauenboot “SCA” und 2017/18 war sie eine der wichtigsten Erfolgsfaktoren für den Sieg von Dongfeng beim Volvo Ocean Race.

Ihr Erfolg vor heimischer Kulisse wurde in der holländischen Heimat bejubelt, und die große Resonanz mag einer der wichtigsten Faktoren gewesen sein, die zur überraschenden Meldung beim America’s Cup geführt haben. Insofern ist es keine große Überraschung, dass Brouwer eine führende Position im Team einnehmen wird.

Brouwer am Steuer

Aber nun soll die Frau des australischen Meister-Seglers Darren Bundock, die zusammen einen achtjährigen Sohn haben, sogar den 75 Fuß langen Spezial-Foiler steuern. Das gab Dutchsailing bei der Teamvorstellung und Eröffnung der Traingsbasis in Scheveningen bekannt.

Volvo Ocean Race

Carolijn Brouwer beim Flautensegeln. © Martin Keruzore/Volvo Ocean Race

Ein PR-Coup? Brouwer wäre die zweite Frau, die einen America’s Cupper steuert, nachdem die Amerikanerin Leslie Egnot 1995 mit einem reinen Frauenteam die Mighty Mary Kampagne 1995 zum Erfolg führen sollte, aber die US-Trial nicht überstand. Aufmerksameit ist der Holländerin also gewiss. Aber ist sie sportlich dafür gerüstet?

Die gegnerischen Teams haben bisher auf der Position des Steuermanns die besten Spezialisten rekrutiert. Es gibt nicht viele. Cup-Erfahrung mit den AC 50 Katamaran Foilern in Bermuda mag helfen und so sind Peter Burling (TNZ), James Spithill (Luna Rossa), Dean Barker (American Magic) und Ben Ainslie (INEOS Team UK) und Iain Percy (Malta Challenge) auf den gegnerischen Booten im Einsatz.

Carolijn Brouwer. Eben noch mit dem SCA Team um die Welt, nun für Belgien bei der WM. © Laurens Morel

Carolijn Brouwer hat zwar durch viele Einsätze beim Katamaran-Segeln, Erfahrung mit dem Speedsegeln, aber ihre Zeit im Tornado liegt schon mehr als zehn Jahre zurück. Und zwei Top-Ten-Plätze bei Formula 18 WMs stellen dann auch nicht die erste Liga dar. Ebenso fehlen die Erfolge im Match Race.

PR für das Budget

Ohne die Frauen-Quote wäre sie nicht im Dongfeng-Team berücksichtigt worden. Und so dürfte es schwierig für sie werden, wenn sie am Steuer in der ihr fremden America’s Cup-Disziplin gegen die besten Männer der Welt bestehen wollte.

Insofern scheint die Bekanntmachung der ersten Steuerfrau eher eine PR-Maßnahme zu sein, um an der Geldbeschaffungsfront zu bestehen. Denn in den Niederlanden gibt es wahrlich gute Segler, die in der Lage wären den AC75-Cupper auf höchstem Niveau zu steuern. Schließlich waren die Holländer die erfolgreichste Nation bei den jüngsten Weltmeisterschaften der Olympiaklassen in Aarhus mit insgesamt sechs Medaillen, davon dreimal Gold. Und dabei punkteten Nicholas Heiner nicht einmal, der akutell vielleicht beste Skipper als Laser-Weltmeister und Finn-Vize-Weltmeister sowie Weltranglisten Erste.

Aber Dutchsail ist noch jung, und es geht erst einmal darum, im Land eine America’s Euphorie zu entfachen. Und das klappt mit einer Carolijn Brouwer vermutlich besser als mit Simeon Tienpont an der Spitze, dem zweifachen Gewinner des Cups mit Team Oracle USA, der allerdings schon eine Sperre abzusitzen hatte. Im Windschatten von Brouwer kann er wohl noch besser daran arbeiten, sein Profil aufzupolieren wie beim vergangenen Volvo Ocean Race als Akzo Nobel Skipper .

Dutchsail

Branding des holländischen Cuppers. © Dutchsail

Für internationalen Glanz und Qualität sorgt Dirk Kramers, der als führender Designer des Teams vorgestellt wurde. Er blickt auf inzwischen schon auf sage und schreibe elf America’s Cup-Kampagnen zurück. Besonders erfolgreich waren seine Bemühungen für Alinghi.

Bei den Schweizern feierte auch Peter van Niekerk als zweimaliger America’s Cup-Sieger seine größten Erfolge. Der 47-Jährige, der auch schon an zwei Olympischen Spielen teilnahm, ist neuer Teammanager. Er soll zusammen mit Carolijn Brouwer die Mannschaft entwickeln. Sie wollen die besten Segler aus dem großen Olympiapool rekrutieren.

Vorregatta an der holländischen Küste

Für deutsche Fans ist insbesondere die Ankündigung der Holländer interessant, dass 2020 eine Vorregatta der America’s Cup World Series vor Scheveningen abgehalten werden soll. Es wurde vermutet, dass Dutchsail dieses Rennen als Bedingung für die eigene Teilnahme gemacht hat.

Im Video oben kündigen das Syndikat die Veranstltung dieser Regatta als Fakt an. Von offizieller Seite ist aber noch keine Bestätigung erfolgt. Die Neuseeländer stehen dem Vorhaben wohl positiv gegenüber, Luna Rossa muss es aber noch abnicken.

 

Das Leben von Carolijn Brouwer

Brouwer wurde 1973 in Leiden geboren. Sie wuchs in Brasilien und Zaire auf. Im Alter von zehn Jahren startete sie mit dem  Optimisten-Segeln. Mit vierzehn Jahren kehrte die Familie in die Niederlande zurück und Brouwer begann sie mit dem Regattasegeln. Ihre ersten Erfolge erzielte sie in der Klasse Laser Radial, wo sie 1991 Jugend-Weltmeisterin wurde und 1993 Weltmeisterin bei den Senioren.

Carolijn Brouwer mit ihrem Sohn. © Rick Tomlinson/Team SCA

Da die Laser-Radialklasse damals keine Olympiaklasse war, wechselte sie in die Europe-Klasse. Sie gewann 1996 und 1998 den Weltmeistertitel. 1998 wurde Carolijn auch Zweiter in der Laser Radial Klasse und gewann die Kieler Woche in der Europe. Diese Erfolge brachten ihr 1998 den Titel ISAF World Sailor of the Year ein.

Dabei hatte sie zuvor die Qualifikation für die Olympischen Spiele 1996 gegen die Weltmeisterin und spätere zweimalige Olympia-Silber-Gewinnerin Margriet Matthijsse verloren. Als 2000 das selbe Schicksal drohte wechselte Brouwer in den 470er und qualifizierte sich für Sydney wo sie zusammen mit Alexandra Verbeek auf Platz elf segelte.

2001-2002 absolvierte die Niederländerin ihr erstes Volvo Ocean Race als Steuerfrau von “Amer Sports Too”. 2004 gelang ihr schließlich doch die Olympia-Qualifikation in der Europe, aber sie erreichte nur Rang 19. Trainerprobleme sollen eine große Role gespielt haben. 

Danach wechselte sie mit ihrem damaligen belgischen Freund Sébastein Godefroid in die Tornado-Klasse und nahm für die Olympischen Qualifikation die belgische Staatsbürgerschaft an. Mehr als Platz 12. war für das einzige Mixed-Team aber nicht möglich.

2014 und 2015 startet Brouwer mit dem Team SCA bei ihrem zweiten Volvo Ocean Race. 2017-2018 siegte sie schließlich mit Dongfeng. 2018 wurde sie erneut World Sailor of the Year.

Brouwer hat ist mit der australischen Katamarn-Legende Darren Bundock, dem zweimaligen Olympia-Silber-Gewinner im Tornado, verheiratet. Zusammen haben sie einen achtjährigen Sohn.

 

 

avatar

Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.
Spenden

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Sicherheitsfrage (SPAM-Schutz): *