America’s Cup: Das Spiel der Milliardäre – Wer hinter dem Team New Zealand steht

Der Mann im Hintergrund

Die Entwicklung konkurrenzfähiger AC75-Foiler für den 36. America’s Cup ist so teuer, dass nur drei Herausforderer mit schwerreichen Männern im Hintergrund dabei sein können. Nur die Neuseeländer brauchen niemanden? Von wegen.

Matteo de Nora, der eigentliche TNZ-Boss, feiert inmitten seines Teams. © ACE | Studio Borlenghi

Die für den America’s Cup ausgegebenen Summen sind längst nicht mehr vernünftig – wenn sie es denn je waren. Deutlich mehr als 100 Millionen Euro haben die aktuellen Teams in der Kriegskasse. Die Kosten sind mit der neuen Bootsklasse AC75 für den 36. Cup noch einmal deutlich gestiegen. Dabei steht das mediale Interesse in keinem Verhältnis. Ehrliches kostendeckendes Sponsoring ist nicht denkbar. Diese Regatta ist nur mit reichen Mäzenen zu bestehen.

Die Briten haben INEOS Chef Jim Ratcliffe, bei American Magic waren gleich mit Hap Fauth, Doug DeVos und Roger Penske gleich drei Millardäre am Start. Hinter Luna Rossa steckt Mode-Boss Patricio Bertelli mit seiner Frau Miuccia Prada – und nur das Team New Zealand benötigt kein Geld aus der Privat-Schatulle? Kann mit Steuergeldern und Sponsoren wie Emirates dagegenhalten? Bei den Kiwis ist auf den ersten Blick jedenfalls niemand mit geöffnetem Portemonnaie sichtbar.

Larry Ellison bei der America’s-Cup-Niederlage in Bermuda. © Daniel Forster

Dabei gilt diese Regatta schon immer als Spielfeld der Milliardäre. Der Amerikaner Harold Vanderbilt trat gegen den Tee-Fabrikant Thomas Lipton oder Flugzeug-Unternehmer Thomas Spowith an. Der französische Feuerzeug- und Kugelschreiber- Baron Marcel Bich warf erfolglos seine Millionen in den Ring. Millardär Alan Bond dominierte 1983 für Australien, Bill Koch gewann 1992 für die USA, Pharma-Mogul Ernesto Bertarelli holte mit seinem Alinghi Team die Kanne in die Schweiz und Larry Ellison butterte Abermillionen in den Wettlkampf, bis er mit seinem Oracle Team 2010 und 13 siegte.

Torbjörn Tornquist

Artemis Besitzer Torbjörn Tornquist kann lachen, obwohl er den Cup verloren hat. © ACEA / GILLES MARTIN-RAGET

Er konnte mit dem schwedischen Öl-Händler Trobjörn Tornquist einen der reichsten Schweden motivieren, zweimal mit seinem Artemis Team gegen ihn anzutreten. 2017 in Bermuda finanzierte dann auch Ellison-Kumpel Masayoshi Son der zweitreichste Japaner das Softbank Team mit Dean Barker als Steuermann.

Kiwis kommen auch ohne Geld aus?

Der America’s Cup scheint eine der wenigen Sporttrophäen zu sein, die man sich für Geld kaufen kann. Und nur die Neuseeländer sind so gut, dass sie auch ohne private Millionen im Hintergrund arbeiten können?

Bertarelli, America's Cup, Interview

Ernesto Bertarelli © nautical channel

Ganz so ist es nicht. Die Kiwis kommen zwar durchaus mit geringeren Budgets aus – weil sie über viele Jahre geldsparende Strukturen mit kurzen Wegen und viel Know How im Land aufbauen konnten und teilweise auch geringere Gehälter zahlen – aber ganz ohne Geld geht es auch bei ihnen nicht.

Das zeigte sich nach dem Sieg 2000, als die Finanzierung für die Cup-Verteidigung nicht stand und viele Verträge der wichtigsten Teammitglieder ausliefen. Ernesto Bertarelli hatte leichtes Spiel, das Herzstück des neuseeländischen Segelteams der “Fabulous Five” um Russell Coutts einzukaufen, mit Jochen Schümann zu verstärken, um schließlich überlegen den Cup zu gewinnen.

2003 schwappt bei starkem Wellengang Wasser in den Kiwi-Cupper. Ein Segler schöpft mit dem legendären blauen Eimer. Kurz danach bricht die Großbaum Nock.  © ETNZ

Diese Entwicklung war für Neuseeland eine nationale Katastrophe. Nicht nur, dass die besten Segler nun von vielen als “Landesverräter” gebrandmarkt wurden. Sie führten auch noch den ärgsten Konkurrenten zum Sieg. Das Heimteam blamierte sich schließlich massiv nach einer dramatischen Bruch-Serie bis zum Rigg-Kollaps ( Video ). Der blaue Plastik-Eimer, mit dem Wasser aus dem Schiff geschöpft wurde (Video), gilt im Land heute noch als Symbol für das damalige Versagen.

Sugar-Daddy der Kiwis

In dieser Situation kommt Dr. Matteo de Nora ins Spiel. Auch die Neuseeländer haben nämlich ihre Sugar Daddys. Viele Jahre blieb er im Hintergrund. Inzwischen lässt er sich auch offiziell als Teamchef führen.

Der 64-Jährige wurde in New York geboren und stammt aus einer der reichsten Familien Italiens, die ihr Vermögen in der Chemieindustrie gemacht hat. Er besitzt durch die Mutter einen Schweizer Pass, ist aber kanadischer Staatsbürger, lebt normalerweise in Monaco, nennt aber Neuseeland seine zweite Heimat. Er bezeichnet sich als Weltbürger aber sein Leben ist längst eng mit dem Team New Zealand verbunden.

2003 verfolgt er in Auckland den America’s Cup an Bord seiner Maxi-Segelyacht “Imagine”. Er hatte schon die Liquidierung des Teams verhindert, indem er zwei Schecks im Gesamtwert von 450.000 Euro ausstellte. Sie hielten das Team am Leben. Die desaströse Kampagne vor fast 20 Jahren schreckte ihn nicht ab. Sie war vielmehr Motivation, dabei zu helfen etwas Neues aufzubauen.

Viele Jahre lang blieb er bei der Jagd nach dem America’s Cup nahezu anonym. Nur der innere Kreis wusste über seine (auch finanziell) immer bedeutender werdende Rolle Bescheid. Erst als seine Unterstützung immer offensichtlicher wurde, lockerte er ein wenig die Zurückhaltung. Bei dieser Cup-Auflage steht er nun sogar offiziell als Team Principal in der Verantwortung.

Superyacht in Neuseeland gekauft

Seine Verbindung zu Neuseeland kam durch den anteiligen Kauf der in Neuseeland gebauten 33-Meter-Sloop “Imagine” zustande die 1993 bei Alloy Yachts für den Schweizer Bankier Bernard Sabrier vom Stapel lief. De Nora war ein enger Freund und wurde später alleiniger Eigentümer. Danach ließ er sich von Alloy Yachts die 44 Meter lange „Imagine II“ bauen, die 2011 mit einem Superyacht Award ausgezeichnet wurde.

Dabei war De Nora in den 1970er und 80er Jahren auf höchstem Niveau mit dem legendären belgischen Formel-1-Rennfahrer Jacky Ickx im Motorboot Offshore Rennsport involviert. Dieser gefährliche, laute Abschnitt seines Lebens ist ihm inzwischen peinlich, wie er dem australischen Ocean Magazin sagt.

Aber das Engagement passte zum Familienunternehmen, das er nach der Gründung des Vaters in den 1920er Jahren auf Geschäftsfelder in der ganzen Welt ausgedehnt hat. Unter anderem war die Firma indirekt an Ferrari beteiligt. Seine Batteriefabrik produzierte schließlich 2007 kleine, leichte Batteriepacks, die dem TNZ-Boot in Valencia einen Gewichtsvorteil verschafften.

Abstechecher in Arktis und Antarktis

Mit seiner Imagine entdeckt er die Faszination des Langstreckensegelns. Seine Welt sind weniger die Glamour-Spots wo sich die Kollegen seiner Gehaltsklasse tummeln. Er cruiste um die Welt. Und schon I”magine I” hat fünf Weltumsegelungen absolviert, seit sie in seinem Besitz ist, darunter Reisen in Arktis und Antarktis.

Als De Noras Interesse am Segeln und an Neuseeland wuchs, vergrößerte sich auch sein Interesse am America’s Cup. Nach und nach wurde er in die Unterstützung der Cup-Kampagnen von Peter Blake und schließlich Grant Dalton hineingezogen. Der sagt heute, ohne De Nora wäre das Team New Zealand 2003, 2007, 2013 nicht denkbar gewesen. Ganz besonders nicht der Erfolg 2017.

Er erklärt beim Ocean Magazin weiter, dass sein Interesse zum Teil durch den Außenseitercharakter der neuseeländischen Kampagnen geweckt wurde. Ein kleines Team, repräsentiert eine kleine Nation, kämpft gegen einige der technologischen Giganten der Welt mit riesigen Kriegskassen. Er vergleicht den Plot mit der märchenhaften Triumph-Geschichte der britischen Fußballmannschaft von Leicester City, die 2016 als Underdog mit Kleinstbudget die Premier League gewann.

Weitere schwerreiche Geldgeber

Aber De Nora ist längst nicht mehr alleine unter den privaten Geldspendern für das Team New Zealand. Seit dem Sieg 2013 passt auch sicher nicht mehr die Underdog-Rolle. Sir Stephen Tindall (69) wird als Chairman des Teams aufgeführt. Er ist der Gründer der neuseeländischen Kaufhaus-Kette The Warehouse und einer der reichsten Neuseeländer.

Dazu kommt Bob Field als Mitglied des Vorstandes. Er hielt als Toyota CEO in Neuseeland dem Team seit 1987 als Sponsor die Treue und ist nach seiner Pensionierung 2008 auch privat weiterhin dabei.

Aber TNZ CEO Grant Dalton gelingt es auch immer wieder, frisches Geld für sein Team aufzutreiben. Sein jüngster Zuwachs auf der Unterstützer-Liste ist Gabe Newell (58), ein 4,1 Milliarden Dollar schwerer Amerikaner, der sein Geld mit dem Unternehmen Valve im eSports macht. Unter anderem hat der die Spiele-Plattform Steam aufgebaut. Dalton sagt: “Er ist ein Freund des Teams.” Das dürfte ihn einige Dollars kosten.

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

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