America’s Cup: Das WIND Drehbuch von Larry Ellison

Skript zum Sieg

Der Kino Schocker WIND mit Dirty Dancing Star Jennifer Grey hat 1992 gezeigt, wie America’s Cup Kampagnen wirklich funktionieren. Larry Ellison hat sich bei seinem Drehbuch für den 34. America’s Auflage eng an diese Vorgabe gehalten. Maike Christiansen hatte Einblicke in das Skript.

Das Oracle Team jubelt. Der Whomper hat den Sieg gebracht. © Jens Hoyer

Das Oracle Team jubelt. Der Whomper hat den Sieg gebracht. © Jens Hoyer

Der America‘s Cup 2013 – was wirklich passiert ist (Achtung: in dieser Version hat Jimmy Spithill keine Frau; die Erklärungen für den plötzlichen Geschwindigkeitsvorteil sind absolut simpel und nicht fachkundig, damit auch der Laie das verstehen kann)

Szene 1

Skipper Jimmy sitzt abends deprimiert in einer Bar in San Francisco. Das gegnerische Team hat heute den Vorsprung auf 8:1 erhöht – jetzt kann nur noch ein Wunder helfen, um doch noch die begehrteste Segeltrophäe der Welt in den Händen zu halten.

Jimmy glaubt nicht an Wunder. Und deshalb ist er froh, dass sich nur wenig Amerikaner für den America‘s Cup interessieren – so hat er wenigstens hier an der Bar seine Ruhe. Ruhe, die er braucht, bevor er morgen endgültig verliert.

Er spürt, wie sich jemand neben ihn setzt. Er dreht sich um, öffnet den Mund, um die Person, die ihn stören will, zu verscheuchen, und schließt ihn gleich wieder, als er die Frau neben sich sieht. Boah. Bei den vielen Männern, mit denen er sich seit Beginn des Projekts umgibt, hatte er schon fast vergessen, wie gut Frauen aussehen können.

„Nicht so gut drauf?“ fragt sie.

„Nee“ brummt Jimmy.

„Was ist los?“ fragt sie

„Also eigentlich…“ Ehe er sich versieht, hat er ihr sein ganzes Herz ausgeschüttet.

„Das Problem ist, dass wir einfach zu langsam sind, wir kommen nicht schnell genug aus dem Wasser.“

Die Frau hat aufmerksam zugehört. Sie runzelt die Stirn und sagt: „Ihr müsst den Whomper-Flügel einsetzen, er ist eure einzige Chance!“

„Den was???“

„Den Whomper!“

Jimmy überlegt. Gar nicht dumm, was die Frau sagt. Doch wie kann man das realisieren?

In Gedanken versunken merkt er gar nicht, wie die Frau aufsteht. Erst, als sie den Stuhl laut quietschend an den Tisch schiebt, schreckt er auf. „Du willst schon gehen? Bleib doch noch hier, ich hab mich schon seit Ewigkeiten nicht mehr mit einer Frau unterhalten, weil in meinem Team nur Männer sind!“

„Ich komme vielleicht mal zum Zugucken vorbei“ antwortet die Frau und verschwindet.

Einen Moment lang schaut Jimmy ihr hinterher. Dann greift er zu seinem Mobiltelefon und ruft den Chefkonstrukteur an.

Szene 2

Nächster Tag. Jimmy kommt freudestrahlend zum Team. „Wir können nur noch verlieren, also lasst uns dort rausfahren und denen zeigen, dass wir auch gewinnen können!“ Bereits beim Rausfahren merken sie einen Unterschied in der Beschleunigung und im Speed. Die Konstrukteure haben eine Nachtschicht eingelegt, um den Kat zu modifizieren.

Szene 3

OTUSA gewinnt Rennen nach Rennen. Nach jedem Sieg fährt Jimmy extra nah zu der Menschenmasse, um irgendwo im Publikum die Frau zu entdecken. Vergeblich. Mit der Zeit schwindet seine Hoffnung, sie noch mal wiederzusehen.

Szene 4

Showdown. Jimmy ist nervös. Alle sind nervös. Wenn sie heute gewinnen, wird der Sieg als das größte Comeback der Sportgeschichte bekannt werden, falls nicht, dann… ja, was dann. ETNZ ist stark, das weiß Jimmy. Sie mögen die letzten sieben Rennen verloren haben. Doch sie sind auch nicht zu unterschätzen. Dean Barker und Ray Davies haben gezeigt, was sie können. Was, wenn die Glückssträhne von Oracle nun vorbei ist?

Jimmy tritt vor sein Team. Er weiß nicht was er sagen soll, deshalb sagt er lieber nichts.

Schweigend geht es zum Boot, schweigend legen sie ab. Mehr aus Gewohnheit als aus dem Glauben heraus, sie tatsächlich zu sehen, lässt er den Blick über die Menge schweifen. Und doch – da entdeckt er sie, mit einer großen USA-Flagge in erster Reihe und ihn unverwandt anguckend.

Und plötzlich glaubt Jimmy doch an Wunder. Zuversichtlich wendet er sich an seine Crew: „Jungs – wenn nicht jetzt, wann dann? Geronimoooooo!“

Den Start verlieren sie, doch noch sind sie nah an den Kiwis dran. Auf dem zweiten Schenkel versuchen sie sich freizusegeln, doch Neuseeland geht mit und verteidigt den Vorsprung bis zum Gate. Dort ein Split – die Kiwis fahren nach rechts, Jimmy und Team auf die linke Bahnseite.

Jetzt oder nie, denkt sich Jimmy. Eine Haarsträhne unter seinem Helm bewegt sich im frischer werdenden Wind auf der linken Seite. Laut ruft er: „Wir müssen abfallen, dann sind wir schneller!“ Die Grinder sind bereit, Jimmy dreht das Steuerrad um einige Grad nach links. Der Kat beschleunigt und hebt aus dem Wasser. Lässig ziehen sie an den Kiwis vorbei, mit 44 Sekunden Vorsprung überqueren sie die Ziellinie.

*dramatische Musik, Zeitlupe*

Lauter lachende Gesichter, Team Oracle feiert auf dem Kat, legt schließlich an und nimmt ein Bad in der Menge und im Wasser. Champagnerdusche, der Pokal wird in die Luft gestemmt.

Schlussszene

Jimmy und die Frau sitzen allein auf dem Steg. Er nimmt ihre Hand in seine, sie lächelt ihn an. Ausblenden. Schluss.

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11 Kommentare zu „America’s Cup: Das WIND Drehbuch von Larry Ellison“

  1. avatar Olli sagt:

    Tolles Skript, aber Wind wahr deutlich vor 2000. Muß Anfang der 90er gewesen sein. 1991?

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  2. avatar Micha sagt:

    Korrekt, der Streifen ist von 1993! Bei Amazone gibt es ihn gebraucht derzeit zwischen 69 und 75 Euro …

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  3. avatar Stefan sagt:

    …und mal ehrlich, so toll die Segelaufnahmen auch waren, aber dem Hollywood geschuldeten “whomper” gibt es hoffentlich nicht nochmal. Ein Topspinnaker auf nem 12er ist soetwas von “unkorrekt”!

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    • avatar klaus sagt:

      Guten Morgen!
      Dann bitte mal nachlesen, dann hier nochmal posten.

      Jack Neville spearing the “Whomper” was taken from the Defender Semifinal’s, when Australia IV introduced a new sail they called the ‘genniker’, an enormous asymmetrical hybrid that pulled Australia IV even with the leading Kookaburra II. As the Bond team came up, Peter Gilmour luffed hard, spearing Australia IV’s genniker and splitting it in two.

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      • avatar Stefan sagt:

        Guten Abend!

        …vielleicht solltest du dir den Film erstmal anschauen, bevor du dich hier aus dem Fenster hängst.

        …im Film ist der whomper ein übergroßer Topspinnaker, der zum einen auf Meter-Yachten so nicht erlaubt ist und daher auch schon gar nicht in die Vermessung passt.

        …aber wie ich schon sagte, Hollywood ist dirty dancing und nichts anderes will das Publikum sehen. Und in dem Kontext funktioniert die Geschichte. Auch wenn es dem kundigen Segler dabei ein Kopfschütteln abverlangt.

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  4. avatar Skiffy sagt:

    Herrlischer Artikel! ROFL 🙂

    Heisse Debatte. Was meinst du? Daumen hoch 6 Daumen runter 5

  5. avatar Sven sagt:

    Klasse! So ists gewesen!

    Heisse Debatte. Was meinst du? Daumen hoch 5 Daumen runter 5

  6. avatar segelsusi sagt:

    Super gut und lustig gemacht!
    Aber schade, dass einige zum Lachen in den Keller gehen müssen

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 7 Daumen runter 3

  7. avatar <°((( ~~< sagt:

    Da fehlt Szene 1,5: Die Rückblende wo die Frau ihre zwei Whomper-Flügel auf den Schutern tragend zum Wagen schafft. Die hat sie in der Wüste von Nevada selbst entwickelt und in ihrer Garage selbst gebaut. Dann kommt eine einzige lange Einstellung wo die zwei lachend versuchen, die monströsen unzerlegbaren Teile aus dem VW-Käfer zu zerren, mit dem sie die Frau aus Nevada hergefahren hat, eigentlich um sie einer Yachtwerft vorzustellen.

    Nach dem Abspann noch eine Texteinblendung: “Die Yachtwerft hat abgelehnt, weil T-förmige Foils an Einrumpfyachten mit Küche und Bad angeblich wenig Sinn machen. Das sollten sie sich noch einmal überlegen – denn man kann damit den Americas Cup gewinnen!”

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 7 Daumen runter 0

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