America’s Cup: Der Moment, als das Rigg von oben kam – Kiwis fliegen mit Neubau

"Positiver Impuls"

Es ist bemerkenswert, wie offen das Luna Rossa Team mit seinem vermeintlichen Rückschlag, dem Riggverlust, umgeht. Nun liefern die Italiener sogar Bilder von dem Schock-Moment und eine Erklärung nach.

Als das Rigg umstürzte in voller Fahrt. © LRPP Carlo Borlenghi

© LRPP Carlo Borlenghi

© LRPP Carlo Borlenghi

Luna Rossa Teamchef Max Sirena äußert sich kurz und knapp zu den Vorfall beim Training, das bei stärker werdendem Mistral im oberen Bereich des zu erwartenden Windlimits erfolgte: “Die Reaktion des Teams war beeindruckend. Denn es war keine leichte Aufgabe, das Rigg zum 20 Meilen entfernten Stützpunkt zurückzubringen.
Der Anblick des noch am Mast befestigten Großsegels, alles in einem Stück, war definitiv ein positiver Impuls”. Das Profil scheint den Sturz einigermaßen unbeschadet überstanden zu haben.

Luna Rossa Krisensitzung nach dem Rig-Verlust© LRPP Carlo Borlenghi

Die relative Entspanntheit des CEO hat auch damit zu tun, dass es offenbar kein generelles Konstruktionsproblem gibt. Unabhängige Meldungen sprechen davon, dass das Vorstag gebrochen ist, nachem ein Beschlag nicht gehalten hat.

Die profilierte Want AEROrazr ist bei allen AC75 im Einsatz wie auch bei den TP52 der SuperSeries. © Future Fibre

So ist das D-förmige Mastprofil mit den zwei Nuten für das doppellagige Großsegel offenbar noch intakt, nachdem es ohne den Halt von vorne nach hinten zur Seite ins Wasser gekippt war.

Geheimnisse können die Bilder auch nicht verraten, da es sich beim Mast und dem Stehenden Gut um einheitliches Material handelt, das alle Teams benutzen müssen. Das Wanten-Material AEROrazr wird von Future Fibres in Valencia produziert, dem Weltmarkt-Führer beim Komposit-Rigging, der seit 2014 zum Masthersteller Southern Spars gehört und Teil der North Technology Group ist.

Der einheitliche Mast mit dem schon vorgestellten Prinzip der zwei Segel-Nuten am Profil wird von Southern Spars geliefert. Nur die Ausführung der Segel obliegt den Teams. Der Bruch wird also in keine dramatische Technologie-Sackgasse geführt haben. Allenfalls der Trainingszeitverlust durch die Reparatur dürfte von Bedeutung sein. Alle beteiligten Teile müssen gecheckt werden, ob sie bei dem Bruch Schäden erlitten haben. Sonst können daraus noch schwerwiegendere Unfälle erfolgen.

Spielzeug für die Kiwis

Derweil werden die Neuseeländer die Vorgänge in Italien aufmerksam beobachten. Sie sind allerdings schwer beschäftigt damit, ihren AC75 Cupper reisefertig zu machen für den Transport nach Cagliari. Eine Tour soll jeweils gut 60 Tage dauern. Kein Wunder, dass sie sich ein neues kleineres Spielzeug zugelegt haben.

Das erste Video des Teams soll zeigen, wie sich der mit 38 Fuß knapp halb so große “Falke” auf Anhieb scheinbar mühelos über die Wellen erhebt. Beobachter vor Ort haben aber auch schon einige sogenannte Splash-Downs dokumentiert. Wie relevant die Lernprozesse mit dem kleineren Boot tatsächlich sind, wird sich erst später zeigen.

Peter Burling und Blair Tuke werden in den nächsten Wochen ohnehin wieder mehr mit dem 49er-Segeln beschäftigt sein, weil sie Mitte Februar in Geelong bei Melbourne ihren gerade erst gewonnenen WM-Titel verteidigen und die Olympia-Qualifikation abschließen müssen. Das Gleiche gilt für den frisch gebackenen Finn-Weltmeister und Team New Zealand Mitglied Josh Junior, der Mitte Mai mit seinem Grinder-Kollegen Andy Maloney bei der nächsten Finn-WM antreten will.

 

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

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