America’s Cup: Die neue Rennstrecke in Bermuda – 77 Millionen Dollar Paket

Cup in der Steueroase

2015 starten die America’s Cup Vorregatten mit den ersten Rennen der AC45 auf Tragflächen. Wie es zur Vergabe der Hauptveranstaltung nach Bermuda gekommen ist. Eine Zusammenfassung.

Ainslie BAR

Das BAR Team beim Foiling Training im November vor England. © BAR

Viele halten es für das größte Comeback in der Sportgeschichte. 2013 lag das Oracle Team USA bei den America’s Cup Rennen in San Francisco mit 1:8  gegen Neuseeland zurück und gewann doch noch 9:8. Spektakulärer ging es nicht. Auch weil der Wettkampf erstmals mit Hochgeschwindigkeit-Sportgeräten ausgetragen wurde, die auf Tragflächen über das Wasser jagen. Noch nie hat der Segelsport eine solche Aufmerksamkeit in der Welt erlebt.

Der knappe Sieg von US-Milliardär Larry Ellison war die Basis dafür, dass er seine Vision vom Segelwettkampf auf Augenhöhe mit den größten Sportveranstaltungen der Welt weiter verfolgen darf. Seit 163 Jahren entscheidet der Verteidiger bei der Regatta um die älteste Sporttrophäe der Welt entsprechend der Vorgaben einer Stiftungsurkunde, wie, wann und wo er zur nächsten Regatta herausgefordert werden will.

Fünf Herausforderer

Zeitpunkt und Regeln legte das Oracle Team relativ schnell fest. Im Sommer 2017 wird mit dem AC62, einer um zehn Fuß verkürzten aber ebenso schnellen Version der fliegenden Katamarane, um die berühmte Kanne gesegelt. Fünf ernsthafte Herausforderer aus England, Schweden, Italien, Frankreich und Neuseeland haben sich angemeldet. Weniger als erhofft, mehr als befürchtet. Ellison hielt das Versprechen nicht, die Kosten deutlich zu senken. Das notwendige Budget für eine konkurrenzfähige Herausforderung wird auf 100 Millionen Euro geschätzt.

SPON Bermuda

Das America’s Cup Revier vor Bermuda. © SPON

Dabei sollte das Meldegeld überwiesen werden, bevor der Austragungsort feststand. Ein erstaunlicher Vorgang, aber Larry Ellison bestand auf einem Ausschreibungsverfahren. Er wollte den America’s Cup unabhängiger von seiner Privatschatulle machen. So folgte ein zäher Bieter-Wettstreit der potenziellen Austragungs-Stätten.

Dabei war San Francisco schnell aus dem Rennen. Das spektakuläre Starkwind-Revier war extrem wichtig für den Erfolg des Cups, aber die finanziellen Zugeständnisse reichten nicht aus. Auch Chicago und San Diego blieben auf der Strecke. Die Cup-Verteidiger entschieden sich für das Britische Überseegebiet Bermuda.

77 Millionen Dollar Paket

Zuvor war es unvorstellbar, dass ein US-Team die Trophäe nicht im eigenen Land verteidigen würde, so wie es schon 29 Mal geschehen ist. Aber seit Milliardär Larry Ellison als zweifacher Sieger die Regeln bestimmt, sind die Traditionen der 163 Jahre alten Regatta nicht mehr so wichtig. Der Standort als Steueroase und ein 77 Millionen Dollar Paket für Investitionen rund um die Regatta haben geholfen.

Bermuda, America's Cup

AC Austragungsort © Bermuda Tourism

Offiziell werden allerdings zwei andere Kriterien genannt: Der Platz für eine zentrale Basis, wo alle Teams nebeneinander residieren wie in einer Art Boxengasse. Und die TV-freundliche Zeitzone. Bermuda liegt im Sommer vier Stunden hinter Europa zurück, und das funktioniere für die Mehrzahl der wichtigen TV-Anstalten besser als die neun Stunden von San Diego oder San Francisco.

Besonders wichtig ist die Windstatistik. In Bermuda sollen keine Rennen ausfallen wie 2007 in Valencia als sich ARD und ZDF die Rechte für Live-Übertragungen gesichert hatten. Auch in San Francisco gab es Verschiebungen. Das nach dem tödlichen Kenter-Unfall eingeführte obere Windlimit bereitete Probleme.

12 Knoten Durchschnitt

Aber Bermuda weist im relevanten Zeitraum vom 20. Juni bis 23. Juli eine durchschnittliche Windstärke von 12 Knoten / vier Windstärken auf. Die Insellage hilft. Über dem Wasser wird die Luftbewegung wegen der geringeren Reibung weniger abgebremst als über großen Landflächen. Oracle Skipper James Spithill hebt auch die Variabilität der Windrichtung hervor. Das erzeuge „viele Überholspuren“ und viel Spannung. Bei drehendem Wind kann eine schlaue Crew selbst mit einem langsameren Boot Rennen gewinnen.

Viel ist über das Rennstrecke noch nicht bekannt, obwohl dort alljährlich der Bermuda Gold Cup, das renommierteste Match Race der Welt, stattfindet. Die Wetterstrategen der Teams werden sich ab sofort intensiv damit beschäftigen. Die Daten sind wichtig für die Konstrukteure der Teams, die längst an den neuen Designs tüfteln.

Die 65.000 Einwohner Bermudas haben den Zuschlag für ihr Revier Tage lang gefeiert. Im Triumphzug wurde die Silberkanne durch die Straßen von Hamilton getragen. Die Untertanen der britischen Königin Elisabeth II. müssen allerdings bis zum Oktober 2015 warten, dass der America’s Cup Tross ihre Insel ansteuert.

Dann kommen auch erst die kleineren einheitlichen AC45 Flug-Katamarane zum Einsatz. 2015 sind vier Vorregatten in England, Schweden, Bermuda und einem noch nicht benannten Ort geplant. Erst 2017 werden die großen Sportgeräte im Wettkampf auf der Insel segeln. Dann will der America’s Cup endgültig seinen Platz unter den unterhaltsamsten Sportveranstaltungen der Welt gefunden haben. Eine Comeback-Geschichte wie 2013 soll dann für den großen Hype nicht mehr nötig sein.

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.
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