America’s Cup: Schlüsselmomente des finalen Rennens – Luna Rossa will noch einmal antreten

Feierstunde

Team New Zealand hat den Sack zugemacht und den America’s Cup mit 7:3 gewonnen. Das Rennen stand bis zur Entscheidung am ersten Leetor auf Messers Schneide.

“Sie haben uns ziemlich überrascht. Das muss ich ehrlich zugeben”, sagt Grant Dalton über den harten Gegner. Es habe etwas gedauert, bis man verstanden habe, wie man gegen Luna Rossa segeln muss. Aber schließlich passt es. Team New Zealand hat den 36. America’s Cup verteidigt.

Es war härter als zuvor gedacht. Die Neuseeländer schienen ein Boot entwickelt zu haben, das durch puren Speed dem Gegner einfach davon segeln könnte. Das Cup-Finale drohte ziemlich langweilig zu werden.

Aber das Gegenteil war der Fall. Nach drei Tagen stand es 3:3. Die Italiener zeigten, dass sie Rennen gewinnen können. Die Kiwis waren bei Rennen am unteren Ende des Windlimits von 6,5 Knoten zwar durchaus schneller, aber erstmals in der Geschichte des America’s Cups schien nicht alleine höherer Speed für den Sieg auszureichen.

Peter Burling macht den Entertainer mit der Champagner-Flasche. © ACE | Studio Borlenghi

Die Italiener zeigten mit ihren größeren Foils bessere Manövrierbarkeit im Vorstart. Sie gewannen die Mehrzahl der Starts und konnten den Vorsprung dann insbesondere durch mehr Höhe am Wind verteidigen. Doch dieses Muster wurde von den Neuseeländern am siebten Renntag durchbrochen. Zweimal siegten sie trotz Rückstand. Drehenderer Wind nach dem Umzug auf Kurs E sorgte für Überholspuren und Spannung. So fiel schließlich die Entscheidung für das Heimteam.

Realistische Hoffnung für Luna Rossa

Dennoch mochte man Luna Rossa zutrauen, noch eine Siegesserie hinlegen zu können. Zumal James Spithill den Vorteil in der Startbox immer deutlicher herausarbeiten konnte. Die Italiener dürfen sich auch beim zehnten Rennen realistische Hoffnungen auf das Comeback machen.

Der Wind weht wieder relativ leicht um 10 Knoten und Wettfahrtleiter Iain Murray muss wieder auf einen Außenkurs wechseln, um die Chance zu vergrößern, dass ein Rennen über die Bühne geht. Die Thermik auf Kurs C entwickelt sich etwas verspätet. Das Match-Point-Rennen startet nicht pünktlich. Aber schließlich entwickelt sich ein stabiler Wind mit wenigen Windschwankungen. Der Druck vergrößert sich, den Start gewinnen zu müssen.

Die entscheidende Wende von TNZ nach dem Start und LNR lässt den Gegner frei nach rechts segeln. © ACE | Studio Borlenghi

Burling gerät im Vorstart mächtig unter Druck, weil Spithill es wieder schafft eine enge Leeposition herzustellen. Aber die Neuseeländer versuchen gar nicht erst, sich in Luv vom Gegner zu halten und drehen sofort nach dem Schuss in eine Wende.

Bei einem Match Race ist das oft ein Zeichen für einen frühen Rückstand – wenn denn der Gegner die Wende kopiert und engen Kontakt hält. Aber die Italiener entscheiden sich, die linke Seite anzusteuern und sich vor dem ersten Cross eine Wende zu sparen. Fürchten sie den engen Zweikampf? Bisher war das eigentlich ihre Stärke. So vertrauen sie auf die linke Seite – und liegen beim ersten Cross deutlich hinten.

Die Spannung fällt ab. Bisher ist Luna Rossa nach einem frühen Rückstand noch kein Sieg gelungen. Aber es bleibt eng. Überraschenderweise bekommen die Italiener noch zwei Möglichkeiten, das Schicksal zu wenden. Nach einer Runde und einem verpatzten Manöver steht die Niederlage aber endgültig fest.

Beide Teams wollen die rechte Seite des Starts, NZL lauert in Luv…

…NZL beschleunigt und LNR muss den Speed aufnehmen, um einen drohenden Hook zu vermeiden…

…So muss LNR die Türe zur rechten Startmarke etwas öffnen…

…hält beim Start aber eine starke enge Leeposition. TNZ TNZ könnte die enge Luvposition nicht lange halten ist aber zwei Knoten schneller..

… und setzt den höheren Speed in eine sofortige Wende um. LNR könnte mit einem simultanen Manöver reagieren und seinen leichten Startvorteil behalten. Es kommt aber zum großen Split…

…TNZ kann auf der rechten Seite frei seinen Speed ausspielen und eine vorteilhafte Winddrehung zum Vorsprung nutzen. Das Rennen scheint gelaufen…

…Aber LNR liegt kurz vor dem nächsten Aufeinandertreffen von Links plötzlich vorne…

…muss aber abfallen und knapp hinter TNZ passieren…

…Der Rückstand in Luv beträgt nur sieben Sekunden…

…Nach einer gesparten Halse hängt LNR in Lee immer noch knapp am Heck von TNZ, patzt aber bei der Rundung mit einer zu frühen Halse im Windschatten und trifft dadurch die Anliegelinie nicht richtig…

…Nach der schlechten Rundung liegt LNR aussichtslos zurück…

Team New Zealand hat den America’s Cup verdient verteidigt. Es hat für seine Segler das bessere Gesamtpakt entwickelt. Bei stärkerem Wind wäre der Sieg wohl noch deutlicher ausgefallen. Aber die Rennen waren spannender als erwartet. Die neue Bootsklasse hat viele Zweifler überzeugt. So könnte tatsächlich die Zukunft des Segelsports aussehen.

Wie geht es weiter? Man kann wohl davon ausgehen, dass die Neuseeländer keine neue Klasse wollen. INEOS Team UK, der vermutliche Challenger of Record aus England, hat schon seine Sympathie für den AC75 bestätigt. Auch Luna Rossa will offenbar weitermachen. Max Sirena bestätigt, dass Patrizio Bertelli noch einen weiteren Zyklus bestreitet. Von den Amerikanern ist zu diesem Thema bisher noch nichts zu hören gewesen.

Die Zukunft des America’s Cups hängt aber davon ab, ob es gelingt, neuen Herausforderern die Teilnahme erschwinglich und schmackhaft zu machen. So teuer wie aktuell war eine erfolgreiche Teilnahme an dieser Regatta wohl noch nie. Es funktioniert wohl nur, wenn merh Onedesign-Elemente vorgeschrieben werden und Team New Zealand einen größeren Teil seines Know Hows offen legt. Ein mit einem solchen Schritt tun sich die Verteidiger in der Geschichte des America’s Cups aber generell sehr schwer.

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

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