America’s Cup dock out show: Nah dran an den Segel Gladiatoren

Segel Hooligans und Helden

Meine Güte, was sind das für Typen diese Kiwis. Jeden Morgen vor den Rennen laufen die Teams im America’s Cup Park bei der dock out show durch das Spalier der Zuschauer Richtung Tribüne.

Dean Barker bei der dock out show immer begleitet von einer Emirates Mitarbeiterin. Das macht offensichtlich gute Laune. ©ACEA/PHOTO BALAZS GARDI

Dean Barker bei der dock out show immer begleitet von einer Emirates Mitarbeiterin. Das macht offensichtlich gute Laune. ©ACEA/PHOTO BALAZS GARDI

Dröhnende Musik, jubelnde Fans, Gänsehaut-Feeling. Zwei drei Fragen vom britischen ex Match Racer und America’s Kommentator Andy Green nach dem Wetter und dem werten Befinden, dann steigen die Gladiatoren aufs Motorboot und werden unter Hard Rock-Klängen zu ihrem wartenden Kat gebracht.

Erst kommen die Kiwis (SR Vid). Barker, Ashby, Davies und Dalton mögen mit schlauen Entscheidungen imponieren. Aber imposant sind diese Grinder. Stiernackige zwei Meter Typen mit fiesem Blick. Chris Ward sieht besonders gemein aus, Rob Waddell dürfte auch zupacken können. Er war 2000 Olympiasieger im Rudern und zweimal Weltmeister.

Auch Chris Mcasey war ein erstklassiger Ruderer. Er steht mit seinem Chef Grant Dalton an der Kurbel. Wie kann das nur funktionieren? Der kleine Mann verschwindet mit seinem Salzbuckel fast vollständig hinter dem breiten Kreuz von Chris Mcasey. Wie kann Dalton nur dessen Grinder Speed halten? Man kann Angst vor der Erscheinung dieser  eindrucksvollen Athleten bekommen.

US-Aufschneider Stil

Die Neuseeländer jubeln ihren Heroen zu. Es scheinen immer mehr Menschen von der kleinen Insel nach San Francisco zu strömen. Von Understatement ist dabei keine Spur. Sie kommen auch schon mal im besten US-Aufschneider-Stil mit dem Mega-Wohnmobil und angehängtem PKW zum Segelevent.

Kiwi Fans

Kiwi Fans mit Mobile Home und angehängtem Mobile Home in Sausalito. © SegelReporter

Sie spüren den historischen Moment. Was wäre das für eine Geschichte, wenn ihre Segel-Helden die Kanne aus den USA entführen könnten?

Die Bürger sind ganz nah dran an diesem Cup. Auch weil sie sogar mit gut 20 Millionen Euro Steuergeldern am Team New Zealand Budget beteiligt sind. Man muss sich das mal in Deutschland vorstellen. Finanzminister Schäuble schlägt eine Unterstützung des deutsche America’s Cup Teams durch den Steuerzahler vor 🙂

Dann marschiert auch das Heimteam durchs Spalier (SR Vid) Oracle hat seinen eindrucksvollsten starken Mann nach vorne geschickt. Shannon Falcone von den Virgin Islands, der das Volvo Ocean Race auf Puma segelte und auch schon mal eine Wally 100 über den Teich puscht. Eine sympathische Erscheinung.

Kiwi-Fans in der Übermacht

Er scherzt mit ein paar kleinen Mädchen, schenkt ihnen Oracle Käppies. Ein Kollege verteilt Münzen, dann stapfen die elf Männer Richtung Bühne. Der Jubel ist leiser. Von einem Heimvorteil ist wenig zu spüren. Die Kiwi-Fans sind zumindest stimmlich in der Übermacht.

Oracle Grinder und ex Puma Volvo Segler Shannon Falcone von den Virgin Islands läuft der Oracle Polonaise beim dock out voraus und gibt dem Heimteam ein sympathisches Gesicht.   ©ACEA/PHOTO BALAZS GARDI

Oracle Grinder und ex Puma Volvo Segler Shannon Falcone von den Virgin Islands läuft der Oracle Polonaise beim dock out voraus und gibt dem Heimteam ein sympathisches Gesicht. ©ACEA/PHOTO BALAZS GARDI

Aber auch die Oracle-Söldner-Truppe bestehend aus den besten Seglern der Welt bekommt den Respekt des segelfachverständigen downunder Publikums. Immerhin schlurft da in der Gestalt von Sir Ben Ainslie der größte Olympiasegler aller Zeiten dem Ende der Oracle Polonaise hinterher.

Seit dem Ende seiner Olympiakarriere geht er etwas schief nach links hängend. Die Kraftraum-Schinderei für die Finn-Dinghy-Goldmedaille hat Spuren an seinem Körper hinterlassen. Aber er grinst selbstbewusst und glücklich.

Ben Ainslie Kartoon

Ainslie bringt ein wenig zusätzlichen goldenen Glanz auf das Oracle Boot. © oBrian/ www.monstacartoons.com

Nie konnte er damit rechnen, bei diesem Cup in vorderster Reihe antreten zu dürfen. Seine Cup-Historie ist bis jetzt sehr unglücklich verlaufen. Angefangen und abgebrochen für die 2003 Kampagne des US-Teams One World. B-Boot Steuermann beim Team New Zealand für 2007. 2010 aufgelöste britische Kampagne mit dem Team Origin. Nun steht er unerwartet in vorderster Front. Für diese Momente lohnt sich das Profi-Segler-Dasein. Kann er das Ruder noch herumwerfen. Ein wenig Glanz seiner vier Goldmedaillen konnte er schon versprühen.

Segel-Hooligans

Die Kiwi-Fans sind dennoch überzeugt, dass es nicht ausreicht. Ihre starken Männer werden den Unterschied ausmachen. Dazu die Unterstützung aus der Heimat, wo Psychologen erklären, dass es gut für die Produktivität ist, wenn Arbeitgeber ihren Angestellten erlauben, am Arbeitsplatz die Rennen zu verfolgen.

Aber auch vor Ort in San Francisco sind die Unterstützer nicht untätig. Unbekannte dekorierten ein Haus von Larry Ellison in San Francisco mit neuseeländischen Flaggen und drehten ein Video. Ellison’s Sohn soll den Spaß beendet und die Fahnen abgehängt haben.

Es ist aber noch Geduld nötig, bis der mögliche Kiwi-Sieg in trockenen Tüchern ist. An diesem Tag weht der Wind zu stark. Die Katamarane laufen zwar aus zum Rennkurs, aber die Wettfahrtleitung sagt die Rennen ab. Das Windlimit wird knapp überschritten. Bis dahin haben sich auch die Segel-Hooligans wieder eingekriegt.

America's Cup Fans

Segel-Fan-Verbrüderung in San Francisco. © M.Simon

 

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.
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http://blueocean.berlin/magicmarine-team-werden/

7 Kommentare zu „America’s Cup dock out show: Nah dran an den Segel Gladiatoren“

  1. avatar Finnbollo sagt:

    Ben Ainsle war schon immer “schief”, seine Finns sind daher alle asymetrisch ausgebaut. Hat also nix mit “Kraftschinderei” zu tuen, sondern eher mit einer Fehlhaltung von Geburt an

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  2. avatar Seven sagt:

    Auf der Zeichnung kann man jetzt auch sehen wie Oracle das Gewicht weiter nach hinten bekommen hat und somit die Performance hochschrauben konnte….das Geheimnis ist :Sir Ben hat seine 5 Olympiamedaillen bei Segeln dabei…..

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 10 Daumen runter 0

  3. avatar Drahtzieher sagt:

    Schäuble unterstützt so manches mit unseren Steuergeldern was einfach nur sprachlos macht. Wir brauchen eine “AC Kampagne Deutschland”! Wäre auch ein toller Spielplatz für gewisse deutsche Industrieunternehmen wie z.B. SGL Carbon/BMW, oder von mir aus auch SAP. Man könnte also Sport- und maßlose Industrieförderung kombinieren.

    Heisse Debatte. Was meinst du? Daumen hoch 4 Daumen runter 4

  4. avatar Super-Spät-Segler sagt:

    Wenn das “Sailing Team Germany” den Finanzminister berät, wird es ganz sicher keine deutsche AC-Kampagne geben…

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 29 Daumen runter 1

  5. avatar <°((( ~~< sagt:

    “Wenn das “Sailing Team Germany” den Finanzminister berät, wird es ganz sicher keine deutsche AC-Kampagne geben…”

    Aber teuer könnte es trotzdem werden…”

    … Ihr beide bringt den Stand der geförderten deutschen Segelei ziemlich auf den Punkt. Aber es muss nicht heißen “könnte” sondern “wird”.

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 8 Daumen runter 0

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