America’s Cup: Eine plötzliche Protokoll-Anpassung richtet sich gegen die Neuseeländer

Alle gegen die Kiwis

Beim America’s Cup verhärten sich die Fronten gegen das Team New Zealand. Eine überraschende Regeländerung könnte durch die Angst vor den Fahrrad-Grindern motiviert sein.

Eigentlich sollte es den America’s Cup Teams verboten sein, mit ihren neuen Cuppern vor dem ersten offiziellen Rennen gegeneinander anzutreten. Das war im Protokoll festgelegt und beeinflusst maßgeblich die Strategie zum Beispiel vom Team New Zealand, erst kurz vor der Regatta von Auckland nach Bermuda umzuziehen.

Aber nun haben die Teams eine Protokoll-Änderung beschlossen, derzufolge auch die AC50 gegeneinander getestet werden können. Allein die Kiwis kommen nicht in den Genuss dieser Vergleichsfahrten, da sie auch aus finanziellen Gründen noch nicht auf dem America’s Cup Revier segeln.

“Das war bis jetzt verboten”, schreibt das Team New Zealand unter ein Video, das die Duell-Phase zwischen Oracle und BAR zeigt. “Arbeiten sie zusammen, um ihre Rahmenvereinbahrung für den nächsten Cup zu schützen?”

Kiwis im Abseits

Es scheint fast so. Die Neuseeländer haben sich massiv ins Abseits manövriert. Seitdem das America’s-Cup-Management ihnen mit dem Entzug der Qualifikationsregatten übel mitgespielt hat, gelang es nicht, mit den übrigen Herausforderern eine gemeinsame Front gegen den Verteidiger Oracle aufzubauen.

Oracle und BAR

Dial up beim Test-Rennen zwischen Oracle und BAR. Es sieht haarig aus.

Im Gegenteil, mit Luna Rossa ist der größte Kritiker und Konkurrent raus, und die übrigen Teams scheinen mit dem US-Team auf einer Linie zu liegen. Das ist normalerweise in diesem Spiel nicht so wichtig, weil Protokoll-Änderungen nur zwischen Verteidiger und Challenger of Record verhandelt werden, dem ersten Herausforderer.

Das waren für den 35. Cup zuerst die Australier, und nach deren Ausscheiden Luna Rossa. Patrizio Bertelli verzichtete aber zugunsten eines demokratischen Prozesses unter den Herausforderern auf das alleinige Bestimmungsrecht. Die Mehrheit sollte Entscheidungsgewalt besitzen. Dann stiegen die Italiener aus, und seitdem werden die Neuseeländer bei strittigen Diskussionen wie zum Beispiel zur Anpassung des Protokolls ständig überstimmt. Insbesonderes seitdem sie klar gemacht haben, dass sie im Falle eines Sieges wieder zu den ursprünglichen Regeln der Stiftungsurkunde zurückkommen wollen.

Tischtuch zerschnitten

Diese Aussicht gefährdet die Pläne der aktuell beteiligten Teams. Zwar sah es zuerst noch so aus, dass man den Kiwis mit der beschlossenen Segelpause im neuen Jahr entgegen kommen wollte, aber nun scheint das Tischtuch endgültig zerschnitten.

Das könnte an der hartnäckigen Weigerung liegen, die Rahmenvereinbarung zu unterstützen. BAR Martin Whitmarsh äußerte allerdings vor wenigen Wochen noch gegenüber SR die Hoffnung, Grant Dalton umstimmen zu können. Denn es ist schwer zu verstehen, warum er sich sträubt. Die Intention des “Framework-Agreements” besagt: “Mehrwert für Sponsoren”. Und das sollte gerade einem Team wie Neuseeland ohne große Milliardäre im Hintergrund entgegen kommen.

Aber nun stehen die Zeichen offenbar auf Sturm. Die Protokoll-Änderung scheint sich definitiv gegen das Team New Zealand zu richten. Und das kann auch darauf hindeuten, dass die Kiwis mit ihren Fahrrad-Grindern durchaus einen guten Job machen. Ansonsten könnte man auch entspannter reagieren und sich nicht den Unmut der Öffentlichkeit zuziehen.

AC50 in Aktion

Der Vorteil dieser Kontroverse für die Fans: Man kann die AC50 schon jetzt in Aktion sehen. Das erste Aufeinandertreffen von Oracle und BAR im Video oben hat es in sich. Haarsträubend, mit welchem Speed die Kontrahenten im Vorstart-Duell aufeinander zuhalten.

Das Ergebnis der ersten Rennen soll für die Briten noch nicht sehr ermutigend gewesen sein. Eines sollen die Amerikaner mit einem halben Schenkel Vorsprung gewonnen haben. James Spithill schreibt, dass auch ein zweiter Lauf gewonnen wurde.

Erstmals wurden auch die Franzosen auf dem Kurs in Bermuda gesichtet. Beobachter sprechen davon, dass sie noch große Probleme haben das Schiff auf Speed zu bringen geschweige denn eine Foiling-Wende zu zeigen.

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.
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