America’s Cup: Ernesto Bertarelli schließt eine Rückkehr aus – “Nur mit Multihulls”

"Katamarane, verkleidet als Monohulls"

Ernesto Bertarelli segelt mit seinem Foiler-Katamaran stark gegen die Foiler-Profis und kokettierte immer wieder mit dem America’s Cup. Aber das Interesse scheint erloschen – oder seine Möglichkeiten geben es nicht her.

Luna Rossas Patrizio Bertelli, Challenger of Record beim nächsten America’s Cup, hatte noch in seinem jüngsten Interview damit kokettiert, dass Ernesto Bertarelli sehr an einer Teilnahme interessiert sei. Das soll ein Indiz dafür sein, dass die Planungen für die Regatta auf einem guten Weg sind.

Ernesto Bertarelli bei der Extreme Sailing Series. © Chris Schmidt/Alinghi

Und tatsächlich genießt es der Schweizer, wenn Alinghi immer noch im Umfeld des Cups gehandelt wird. Aber nun erteilt Bertarelli am Rande der GC32-Weltmeisterschaft am Gardasee – er belegte als Steuermann im Feld von 13 Foiling-Kats einen starken vierten Platz – dem Werben der Italiener und Neuseeländer eine Absage.

Ernesto Bertarelli

Ernesto Bertarelli am Steuer seines GC32 Foilers am Gardasee. © Pedro Martinez / GC32 World Championship

Unter anderem bei «marina.ch»  erklärt der zweimalige America’s Cup-Sieger: “Das Protokoll des nächsten Cups ist für mich kein Wettbewerb für Segler, sondern ein Wettbewerb für Designer. Ich investiere lieber Geld in junge Segler und in die Segelszene Schweiz.”

Schweizer Youngster Team mit einem Superstar

Als Bestätigung gilt der Sieg von Team Tilt bei der GC32-WM. Sébastien Schneiter, der im 49er für die Schweiz in Rio startete und beim Youth America’s Cup in Bermuda steuerte, gewann am Gardasee überlegen gegen starke Konkurrenz, die sich insbesondere aus der Extreme Sailing Series rekrutierte. Bertarelli hatte Tilt unter anderem beim Youth Cup und Bermuda unter die Arme gegriffen und war auch persönlich vor Ort.

Am Gardasee profitierten die Schweizer allerdings insbesondere von der Hilfe des absoluten Foiler-Stars Glenn Ashby. Der Australier gilt als Schlüsselfigur des Cup-Sieges mit dem Team New Zealand. Er feierte seinen 17. WM Titel und segelte aber schon 2016 für die Cup-Vorbereitung mit dem Tilt Team auf dem GC32.

 

Bertarelli machte bei der GC32 WM gegenüber der italienischen Tageszeitung La Stampa klar, dass er nur am America’s Cup interessiert gewesen wäre, wenn er mit Multihulls ausgesegelt wird. Wenn es so gelaufen wäre, wie es die fünf Teams im Vorfeld des Bermuda Finals beim sogenannten “Framework Agreement” ausgehandelt hätten, hätte es sofort sechs Teams “inklusive Alinghi” an der Startlinie gegeben und insgesamt bestimmt acht Teams, vermutet der 52-jährige Genfer.

“Sehr teures Boot”

Er sagt über die neuen AC75: “Das sind Katamarane, verkleidet als Monohulls. Sie werden langsamer sein, als die AC50, wenn man sie behalten und weiterentwickelt hätte. Sie werden wahrscheinlich schwerer manövrierbar und unsicherer sein. Ich weiß nicht, warum man bei jedem Cup ein neues Boot einbringen muss. Es wird nun wieder viel teurer. Man riskiert die Investition einer sehr hohen Summe in ein sehr teures Boot.”

 

Dabei verurteilt er insbesondere einen preismindernden Aspekt der neuen Regel, der vorsieht, Teile des Materials wie die ausladenden Foil-Arme vom Veranstalter gestellt zu bekommen. Betarelli hält es nicht für möglich, dass alle Teile wirklich identisch produziert werden können. Allerdings funktioniert dieses Prinzip beim aktuellen Volvo Ocean Race sehr gut, auch wenn Material-Bruch schon zu einzelnen Rennausfällen geführt hat.

Ganz schlüssig ist Bertarellis Negativ-Urteil zum Cup nicht. Wenn die fliegenden Monohulls ohnehin nur verkleidete Multihulls sind, dann müsste das eigentlich seine Sympathie wecken.

Stattdessen schwelgt er bei La Stampa weiterhin in der glorreichen Vergangenheit und preist die Errungenschaften bevor er von Larry Ellison vor den New York Supreme Court gezerrt wurde. Er sagt, er habe Fehler gemacht, aber diese bezieht er nicht auf den unsäglichen Sandkaste-Streit zwischen ihm und Ellison, der den Profi-Segelsport für eine lange Zeit quasi zum Stillstand gebracht hat. Vielmehr ärgert er sich über technische Fehler, die schließlich zum Verlust seiner Macht über den Cup geführt haben. So ernannte er einen spanischen Verein zum Challenger of Record, der vor Gericht nicht anerkannt wurde. Er wäre für Betarelli nicht mehr als ein Papiertieger gewesen, der es ihm erlaubt hätte, ohne Widerstände seine Pläne für den America’s Cup durchzudrücken.

Respekt der Segler genießen

Seine Vision hätte beinhaltet, dass er mitsegeln kann. “Ich mag es nicht, nur ein Passagier zu sein. Ich wollte auf das Boot und im Team involviert sein.” So war der Schweizer auch beim Cup-Sieg in Valencia auf dem Boot. Und er steuerte 2010 den 90 Fuß Kat im verlorenen ersten Rennen – manche meinen, er hätte es besser nicht tun sollen.

Er genieße es, wenn er bei der GC32-Serie einen Schulterklopfer von 20 Jahre jüngeren Athleten bekomme und als Sportler akzeptiert werde. Da würde eigentlich die TP52-Serie perfekt zu ihm passen, aber das passt dann wieder nicht, weil der Doppelrumpf fehlt.

Irgendwas ist immer. Oder geben seine Möglichkeiten es nicht her? Eigentlich sollte er sich den Spaß durchaus leisten können. Sein Vermögen wird von Forbes immer noch mit umgerechnet 7,4 Millionen Euro beziffert. 2007 hatte er sein Biotech-Unternehmen für 13 Milliarden Euro an Merck verkauft.

So richtig kann man Bertarelli das Interesse am großen Profi-Sport nicht mehr abnehmen. Deshalb ist es gut, dass nun diese Spekulationen mit dem immer noch sehr klangvollen Namen Alinghi in Bezug auf den America’s Cup endlich mal ein Ende haben.

 

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Carsten Kemmling

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