America’s Cup: Ferrari und Luna Rossa – Wie sich die Teams bei der Formel 1 bedienen

Hilfe aus dem Motorsport

Luna Rossa Boss Patrizio Bertelli hat klar gemacht, dass er beim nächsten America’s Cup wieder dabei sein will. Er gibt schon wieder Gas. Ein neuer Partner aus der Formel eins könnte helfen.

Sirena, Bruni und Sibello präsentieren einen Reifen von Sponsor Pirelli. © LNR

Die Formel eins und der America’s Cup rücken immer enger zusammen. Diese Entwicklung hatte zuletzt insbesondere Ben Ainslie vorangetrieben. Für seinen ersten Angriff auf die Kanne 2017 machte er den ehemaligen McLaren-Chef Martin Whitmarsh zum CEO seines Teams Landrover BAR, beim aktuellen Cup half die Zusammenarbeit mit dem Rennsportteam Mercedes. Ainslie machte insbesondere die wundersame Transformation des AC75 vom langsamen Sorgenkind beim Christmas Cup zum Vorrunden-Sieger beim Prada-Cup auf die intensivierte Zusammenarbeit mit den Rennwagen-Spezialisten zurück.

“Sie haben uns geholfen, einige der Probleme zu analysieren, die wir in den letzten Monaten hatten”, sagte Ainslie. “Sie hatten einen wirklich großen Einfluss auf unser Team.”

Jim Ratcliffe (m.) gehört seit Ende 2020 ein Drittel des Mercedes Rennstalls. © Mercedes

Im März 2019 gegründete Mercedes-AMG Petronas Motorsport seine neue Geschäftseinheit Mercedes-Benz Applied Science (Video). Seit August 2019 besteht die Partnerschaft mit dem britische Cup Team. Mehr als 30 Spezialisten waren für das Segelprojekt abgestellt. Und der Brite deutete an, dass er diese Verbindung auf dem Weg zum nächsten America’s Cup noch besser nutzen will.

Das passt offenbar zu den Interessen des Team-Finanziers Jim Ratcliffe. Im Dezember 2020 kaufte der Inhaber des Chemie-Riesen INEOS ein Drittel des Mercedes GP Rennstalls und Daimler reduzierte seine Anteile von 60 Prozent auf ebenfalls ein Drittel.

Know How Transfer

Die Nähe zur Formel 1 will offenbar auch Luna Rossa intensivieren. Die italienische Tageszeitung La Gazzetta berichtet, dass Ferrari dem Bertelli Team beim nächsten America’s Cup helfen soll. Bisher sind es noch Spekulationen, aber der Auftritt von Luna Rossa in Neuseeland ist von vielen Italienern als großer Erfolg wahrgenommen worden und die Aufmerksamkeit für die Regatta ist im Land so massiv gestiegen, dass der Know-How-Transfer auch der sportlich schwächelnden Rennwagenmarke helfen könnte.

Verhandlungen über eine Partnerschaft zwischen Luna Rossa und Ferrari am Dienstag sollen schon weit fortgeschritten sein. Offenbar zeigt der aktuelle Ferrari-Chef John Elkann (45) großes persönliches Interesse. Der Enkel des legendären Gianni Agnelli führt die Geschäfte der Unternehmerfamilie und gilt als Segelenthusiast mit beträchtlicher Offshore-Erfahrung. Er hat schon die Rennen von Kapstadt-Rio und das Rolex Middle Sea Race gewonnen.

La Gazzetta schreibt, dass eine Verbindung zwischen den derzeitigen Hauptsponsoren von Luna Rossa, dem Modegiganten Prada und dem Reifenhersteller Pirelli, zusammen mit Ferrari viel Sinn machen würde, insbesondere weil “drei große, typisch italienische Marken zusammenkommen würden”. Pirelli liefert seit 2011 Einheitsreifen für die Formel 1 und bringt damit eine große Nähe zum Motorsport ein.
Da mit der Einführung der AC75-Klasse die technischen Anforderungen an die Aerodynamik weiter gestiegen sind, können beide Sportbereiche massiv voneinander profitieren.

Es wäre auch nicht das erste Mal, dass die Fahrzeugspezialisten von den Seglern profitieren. Etwa 2011 soll der Frontflügel mit einer Unterseitenbeschichtung aus dem America’s Cup für geringere Widerstandswerte gesorgt haben. Viel gebracht hat das offenbar nicht. Ferrari-Pilot Fernando Alonso wurde damals Vierter.

Neue Art von Disziplin

Die Nähe des America’s Cups zum Motorsport wird auch vom aktuellen American Magic Cup-Team dokumentiert, das ebenfalls beim nächsten Cup wieder antreten will. Eine der drei vermögenden Geldgeber ist Roger Penske (83), der sich als Rennstallbesitzer einen Namen gemacht hat und selber in der Formel eins gefahren ist. Im November 2019 kaufte er für eine geschätzte Milliarde US-Dollar die Rennstrecke Indianapolis Motor Speedway und die IndyCar-Rennserie gleich mit.

Penskes Business-Imperium firmiert als Transportdienstleistungsunternehmen, dessen Tochtergesellschaften im Automobilhandel, LKW-Leasing, Transportlogistik und professionellen Motorsport tätig sind. Die Penske Corporation erwirtschaftet aktuell einen Umsatz von mehr als 32 Milliarden US-Dollar und beschäftigt weltweit mehr als 56.000 Mitarbeiter.

“Er ist sehr aktiv”, sagt Skipper und Geschäftsführer Terry Hutchinson zu Penskes Rolle. “Er bringt eine andere Art von Disziplin in unser Team. Er stellt eine Menge Fragen. Und weil er kein Segler ist, bringt er neue Blickwinkel – allein weil er Roger Penske ist.” Wenn der Technik-Enthusiast seine Spezialisten aus dem Motorsport noch mehr bei American Magic einbringt, könnten das US-Team ebenfalls massiv von dieser Entwicklung profitieren.

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

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