America’s Cup: Frankreich ist raus – Artemis schlägt Oracle – Kiwis liegen vorne

Comeback der Favoriten

Ein Tag vor dem Ende der America’s Cup Qualifiers ist die wichtigste Entscheidung schon gefallen. Die Franzosen sind raus. Bei stärkerem Wind schrieben andere die überraschenden Geschichten.

Nathan Outteridge muss dieser Tage heftige Gefühlsschwankungen durchmachen. Erst wurde der Australier mit seinem Artemis Team nach den Trainings in eine klare Favoritenstellung erhoben. Dann gewann er folgerichtig gegen Japan, verlor aber gegen Ainslie.

Am zweiten Tag ließ er eine Niederlage gegen die schwachen Franzosen folgen, gewann aber gegen Oracle. Es folgten zwei Niederlagen gegen die Kiwis, und plötzlich schien sogar ein Ausscheiden möglich, wenn die Franzosen noch einen Sieg aus dem Hut zaubern würden.

America's Cup, Oracle

Oracle knallt im Vorstart ins Wasser und verliert den Start. © ACEA 2017 / Photo Gilles Martin-Raget

America's Cup, Oracle

Die Szene von oben. “Das hat uns den Start gekostet”, sagt Spithill. © ACEA 2017 / Photo Ricardo Pinto

Deshalb ist das Rückspiel gegen Oracle von besonderer Brisanz. Die Schweden stehen schon mit dem Rücken zur Wand, und Oracle wird alles andere tun, als abzuschenken. Denn die Punktvergabe lässt das nicht sinnvoll erscheinen. Wenn der Cup-Verteidiger die Qualifier-Runde gewinnt, darf er den Bonuspunkt für einen Sieg in das America’s Cup Finale mitnehmen. Und der kann das Zünglein an der Waage sein. Die bisherigen Rennen haben gezeigt, dass der Verteidiger keinen einfachen Durchmarsch zu erwarten hat.

Ruder gebrochen

So spitzt sich der Druck für dieses Duell gegen Artemis zu. Und dann bricht den Amerikanern kurz vor dem Start bei einem Trainingsschlag  das T-Foil vom Backbord-Ruder ab. Der Grund dafür ist nicht klar, aber das Rennen scheint gelaufen.

“Ich hätte nie gedacht, dass wir einen Wechsel schaffen und noch rechtzeitig zum Start kommen.” Aber der Katamaran wird zur Basis gebracht, aus dem Wasser gekrant, das Ersatzruder eingesetzt, und gerade noch rechtzeitig kommt das Team zum Start.

Oracle baut das neue Ruder an. © OTUSA

Es ehrt Spithill, dass er den folgenden vermurksten Start nicht auf dieses Malheur schiebt. “Nein, das hat uns nicht das Rennen gekostet. Das Shoreteam hat uns in die Lage versetzt, gewinnen zu können.” Vielmehr sei es der Platscher in der Vorstartphase gewesen.

Spithill rast mit 39 Knoten von Luv auf den Gegner zu, der nimmt den Speed auf und verteidigt die Leeposition. Oracle dreht dann hoch, um Druck von Luv aufzubauen. Aber in diesem Moment klatscht der Katamaran heftig mit beiden Rümpfen ins Wasser und stoppt auf 15 Knoten ab. Das Timing zur Linie ist dahin, Artemis luvt hoch, setzt sich vor den Gegner, startet mit hohem Speed und liegt an der ersten Tonne zwölf Sekunden vorne. Das sind Welten.

America's Cup, Artemis

Artemis besiegt zum zweiten Mal Oracle. © ACEA 2017 / Photo Ricardo Pinto

“Wir müssen analysieren, was da passiert ist”, sagt Spithill. Danach sei auf dem Kurs nicht mehr viel möglich gewesen. Tatsächlich dreht der Wind so weit nach rechts, dass es ein zu großer Umweg wäre, die rechte Vorwind-Marke zu runden. Allerdings ist auch festzustellen, dass der reine Bootspeed bei Oracle nicht ausreicht, um überhaupt in Schlagdistanz zu Artemis zu kommen.

Artemis meldet sich zurück

Mit diesem Rennen melden sich die Schweden wieder im Favoritenkreis zurück. Trotz einiger Schwächephaasen haben sie als einziges Team Oracle bisher besiegen können, und das gleich zweimal. Ihr Designpaket scheint für diesen Windbereich um 16 Knoten bestens geeignet.

America's Cup, Softbank

Dean Barker verliert nach zwei schwachen Starts. © ACEA 2017 / Photo Ricardo Pinto

Das zeigt sich auch im zweiten Tagesduell der Schweden. Outteridge muss gegen Dean Barker ran, der bisher 6 von 7 Starts gewonnen hat. Aber der 49er-Champ erwischt den erfahrenen Match-Racer gut 10 Sekunden vor dem Start noch mit einer späten Überlappung (Hook) und drängt ihn weg von der Linie. Das reicht für einen Vorsprung von sieben Sekunden an der ersten Marke, den die Japaner bis ins Ziel nicht aufholen.

Diese Abläufe bestätigen die Aussage einiger Skipper über die erhelbiche Wichtigkeit des Starts. Dabei haben die Macher des modernen Cups lange Zeit daran getüftelt, dass eben nicht so viel beim Start entschieden wird. Aber da auch vor dem Wind das hintere Boot durch Abwinde gedeckt werden kann, und es für einen Split eine zusätzliche kostspielige Halse einbauen muss, vergrößerte sich der Vorteil des Führenden.

Winddreher und Druckunterschiede haben an den vergangenen Tagen dennoch Überholmöglichkeiten ergeben. Aber wenn der Kurs so schief liegt, wie an diesem Tag, und die Boote so gleichschnell sind, dann ist das Rennen schon am Start entschieden. Artemis soll es recht sein. Insbesondere weil für die Sonntag bis Donnerstag dauernden Playoffs der Herausforderer Serie der Wind weiterhin eher stark wehen soll.

Finale um den Bonuspunkt

Der Sieg der Schweden freut insbesondere die Neuseeländer. Denn so haben sie die Chance, Oracle am Samstag den Bonuspunkt streitig zu machen. Die Kiwis haben ohne Probleme gegen Frankreich ihren achten Sieg gefeiert, und ein weitere Erfolg gegen die Amerikaner bringt den Gewinn bei der Qualifier Serie. Beide Teams werden alles geben, um diesen Punkt zu holen. Wird es das vorgezogene Finale?

Und die Neuseeländer zeigen an diesem Tag, dass sie nicht locker lassen. Im Duell mit Schnellstarter Dean Barker zeigt Peter Burling das bessere Timing zur Startlinie und liegt knapp vorne. Am Anfang hält das Softbank-Team noch gut mit, aber schließlich ziehen die Kiwis unaufhaltsam davon.

Taktisch gibt es auf dem ungeraden Kurs nach wie vor keine Überholmöglichkeit. Den Verfolgern bleibt nur das Hinterhersegeln und Hoffen auf einen Fehler des Führenden. Der ist zurzeit von Burling und Co am wenigsten zu erwarten.

America's Cup, New Zealand

Auch die Kiwis werden schon mal nass. © ACEA 2017 / Photo Ricardo Pinto

So zeichnen sich schon die Playoff-Paarungen ab. Neuseeland ist schon jetzt der Spitzenplatz unter den Herausforderern nicht zu nehmen, und deshalb dürfen sie sich den Gegner aussuchen. Wenn sie das zurzeit schwächste Team wählen, wird es die Briten treffen.

Frankreich ist draußen

Die Franzosen jedenfalls sind draußen. Sie freuen sich über zwei Siege, mit denen sie einige Teams ganz schön ins Schwitzen gebracht haben. Wie wenig konkurrenzfähig sie tatsächlich waren hat das heutige Duell gegen Neuseeland bestätigt. Cammas sah wieder einmal schlecht aus im Prestart und danach holperten das Groupama Team nur so über den Parcours.

America's Cup, Groupama

Zu oft wirbeln die Franzosen so viel Spritzwasser auf. © ACEA 2017 / Photo Ricardo Pinto

Immerhin haben sie angekündigt, weitermachen zu wollen. Co-Sponsor Norauto schickte schnell eine Pressemitteilung, dass er beim 36. Cup weiterhin das Team unterstützt. Das wird nicht ausreichen, aber es könnte eine Basis sein für eine America’s Cup.Herausforderung, die vielleicht einmal den Ansprüchen der stolzen Segelnation entspricht.

avatar

Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.
Spenden
https://northsails.com/sailing/3di-nordac

Ein Kommentar „America’s Cup: Frankreich ist raus – Artemis schlägt Oracle – Kiwis liegen vorne“

  1. avatar Yachtie sagt:

    Spithill (Oracle) hat Sir Ben gerade gezeigt, wie man mit einem Foiler von hinten kommend startet.
    Ainslie hatte keine Chance

    Heisse Debatte. Was meinst du? Daumen hoch 5 Daumen runter 3

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Sicherheitsfrage (SPAM-Schutz): *