America’s Cup: Frankreichs Coach Bertrand Pacé spricht über die Probleme seines Teams

"Wenig Geld und spät dran"

In diesem Clip wird deutlich, was passiert, wenn am Wind beim Foilen die Flughöhe der AC50 nicht stimmt. Die Franzosen verlieren den seitlichen Grip und werden seitwärts getragen:

Das französische America’s Cup Team Groupama wird als sicherer Kandidat gehandelt, der zuerst bei den AC-Qualifiers rausfliegt. Coach Bertrand Pacé bemüht sich nicht, den Eindruck zu verändern.

Es ist eigentlich wie immer, wenn Franzosen sich um den Gewinn des America’s Cups bemühen. Sie sind schlecht finanziert, spät dran und haben keine Chance. Die Grande Nation schafft es einfach nicht, die Überlegenheit im Hochsee-Einhand-Sport auch einmal auf die Bühne des America’s Cups zu verlagern.

In 14 Tagen wird es wieder so weit sein, und der Coach Bertrand Pacé (55) macht keinen Hehl daraus, dass sein Groupama Team in den meisten Belangen der Konkurrenz hinterher hinkt. In einem Interview mit französischen Medien bestätigt er: “Wir sind nicht gerade früh dran.”

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Ex Match-Race-Weltmeister Bertrand Pacé fungiert als Coach für die Franzosen. © Eloi Stichelbaut / GroupamaTeamFrance

Es gebe noch Schwierigkeiten bei der Kontrolle der Flug-Stabilität. “Einige Manöver funktionieren sehr gut, aber dann auch wieder nicht.” So konnten die Franzosen bei den Trainings durchaus schon einen hohen Speed zeigen, aber sie klatschten bei einigen Kursänderungen immer mal wieder ins Wasser. Im Rennen wäre das wohl gleichbedeutend mit einer Niederlage, denn die Konkurrenz wird auf diesem Gebiet immer besser.

“Einfach spät dran”

“Wir entwickeln uns von Tag zu Tag weiter”, sagt aber auch Pacé. “Unser Problem ist bloß immer noch die Konstanz.” Jeder Tag auf dem Wasser helfe, doch man sei eben einfach sehr spät dran.

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Eintauchen mit dem Luvrumpf. Schnell ist das nicht. © GroupamaTeamFrance

“Diese neuen Boote belohnen einen schnell für gute Entwicklungsschritte. Wenn etwas funktioniert, sieht man sofort das Ergebnis. Bei den alten Monohulls musste man viele Stunden auf dem Wasser verbringen, um minimale Fortschritte zu sehen.”
 
Zum schmalen Budget sagt der Match-Race-Weltmeister von 1994 : “Wir sind eben in Frankreich”, und lacht. “Hier können wir fast nie gegen die großen Teams bestehen. Aber das wusste ich, als ich unterschrieben habe. Es ist doch immer wieder die gleiche Geschichte: Wir kommen mit weniger Geld und spät. Auch wenn wir mit dem gleichen Geld früher dran gewesen wären, hätten wir vieles anders machen können. Warum das immer so ist? Ich weiß es nicht.”

Probleme mit der Hydraulik

Zurzeit hänge das Team ein Stück hinter dem Rest zurück. Die Foils machen oft nicht das, was ihnen befohlen werde. Es hapert an der Hydraulik. Das Problem sei zum Besipiel mit Ventilen zu beheben, die etwa 15.000 Euro kosten, aber man könne sie nicht bezahlen.
 
In Bezug auf die Konkurrenz ist Pacé besonders von Artemis beeindruckt, die jüngst mit gut 48 Knoten über die Bucht jagten. Oracle sei beständig gut unterwegs und die Kiwis scheinen ihre Sache auch gut zu machen. Erschreckend sei der Stand der Briten. Sie hätten die Rennen mit einem Abstand zwischen eineinhalb und zwei Minuten verloren.

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Die Stabilität auf den Tragflächen macht den Franzosen Kopfzerbrechen. © GroupamaTeamFrance

Natürlich könne sich das alles noch ändern. Zumal alle erwarten, dass zum Zeitpunkt der Rennen deutlich weniger Wind herrschen werde als bei der jüngsten Vorbereitung. Wenn  Mai der Golfstrom immer näher an Bermuda heran rückt, sei es viel wärmer. “Der Wind wird leichter und dreht stärker. Aber trotzdem wird wie immer das schnellste Boot gewinnen.”

Das Spiel mit dem Wind ist verschwunden

Für Frankreich sei es aber enorm wichtig, am Start zu sein, um 2019 eine gute Vorstellung zeigen zu können. “Wenn Oracle gewinnt, wird das nächste Rennen 2019 stattfinden, und neue Teams werden keinen Erfolg haben. Sie sind dann zu spät dran. Wir müssen jetzt gute Arbeit abliefern. Wir werden alles versuchen. Auch wenn wir in der ersten Runde rausfliegen, wird es weitergehen. Wenn wir zeigen, dass wir uns gut schlagen können, ändert das alles. Dann kann alles passieren.”

Seine Meinung zu den schnellen Katamaranen?  “Das sind hyperschnelle Rennen. Ich bedaure, dass die Strategie und das Spiel mit dem Wind verschwunden ist. Auf den AC50 haben nur zwei Typen Spaß und vier drehen an den Kurbeln. Das ist enttäuschend und geht zu weit. Es gibt keine Segelwechsel mehr. Die Regatta ähnelt eher einem Pferderennen.”

Aber dennoch fühle er sich wohl im Team und sei froh, dass er dabei ist. “Ich komme gut mit Franck Cammas aus. Manchmal ist es etwas frustrierend mit ihm aber wir kennen uns sehr gut schon seit 1996. Ich habe ihn auch bei der Nacra 17 Kampagne für Rio gecoacht und bei den Extreme 40 für 2015. Er ist ein schlauer Typ und weiß, wie man zuhört. Er ist leidenschaftlich an Technologie interessiert und weiß sehr gut, wie man ein Schiff einstellt. Sein Schwachpunkt ist aber das Match-Racing. In einem Duell hat er weniger Kontrolle über die Positionierung. Aber wir arbeiten daran.”

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Carsten Kemmling

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2 Kommentare zu „America’s Cup: Frankreichs Coach Bertrand Pacé spricht über die Probleme seines Teams“

  1. avatar Müller sagt:

    Liebe Segelreporter,

    gibt es denn garnichts weiter über die Cup Vorbereitungen zu berichten? Ich verstehe ja, dass sich das Gros hiesigen Segler extrem schwer tut, den Cup zu akzeptieren, wenn die Boote umnachvollziehbar modern herumfliegen und die Mannschaft mehr nach Sportler als nach Altersvorsitzenden im frischen Polohemd aussehen… aber es gibt auch eine Menge Leute, die das fasziniert und die nach Informationen lechzen. Also, her damit! Nur Youtube-Flimchen gucken macht nicht glücklich…
    Was ist mit Oracle und BAR, deren Boote im Flug noch immer mehr an eine alte Bladerider Motte erinnern, während sogar Groupama anfängt hoch und stabil zu fliegen? Was treibt NZL ohne Fock? Wie läufts bei Artemis und SoftBank?
    Bei der Konkurrenz gibts sogar schon eine Übersicht zu den Sendeterminen bei Servus TV…

    Wäre schade, wenn das hier völlig vorbei rauscht!

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 14 Daumen runter 2

  2. avatar Manfred sagt:

    Gute Aufnahme. Der klassische “Spin Out”. Kennt man ja als Windsurfer.

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