America’s Cup: Glenn Ashby erklärt den haarsträubenden “Stecker”

"Die Sterne standen gut"

Team New Zealand, Kenterung

America’s Cup: Glenn Ashby spricht über den haarsträubenden “Stecker”

Der bisher aufregendste Moment der Louis Vuitton Cup Finalrennen war das spektakuläre Unterschneiden des neuseeländischen Katamarans im zweiten Rennen. Die Kiwis schrammten nur haarscharf an der Katastrophe vorbei. Zwei Segler gingen über Bord.

TEam New Zealand, Kenterung

Das Luvruder ist schon aus dem Wasser, der Lee-Flügel folgt kurz danach. Es erzeugt dann keinen Abtrieb mehr.

Glenn Ashby, der australische Wing-Trimmer, erzält dem Sailracing Magazin wie er auf dem AC72 arbeitet und wie der Fast-Überschlag zustande kam.

Demnach setzte im Moment der Luvtonnenrundung beim Abfallen eine Böe ein, die den Wind von 15 auf über 20 Knoten beschleunigte. “Dabei musste ich den Flügel durch den extra Druck deutlich mehr öffnen als bisher. Unglücklicherweise durchbrach in diesem Moment das Ruder-Foil am Leefoil die Wasseroberfläche.”

Der Querflügel zieht normalerweise das Heckwie ein Höhenleitwerk beim Flugzeug nach unten, indem er Abtrieb erzeugt. “Das Ganze lief im Moment eines Wimpernschlages ab. Noch nie zuvor ist es uns passiert. Aber die Sterne standen wohl so gut, dass wir es so gerade noch überstanden haben.”

Die Daten hätten später gezeigt, dass die Böe auch noch stark gedreht mit einem extremen Windsheer-Effekt (Differenz Windrichtung zwischen der Windrichtung auf dem Wasser und am Topp) eingesetzt hat. Das erzeugte wohl auch den zusätzlichen Druck im Topp, der die Bugspitzen in das Wasser drückte und das Leeruder über die Oberfläche brachte.

Der Vorfall habe einen Schock erzeugt aber im Nachhinein der Crew noch mehr Selbstvertrauen gegeben. Denn schließlich hat das Volumen in den Rümpfen den Überschlag verhindert. Beobachter gehen davon aus, dass die schmaleren Oracle Schwimmer, diese Situation nicht gerettet hätten.

Das extreme Abstoppen, das zum Überbordgehen der beiden Grinder führte, erfolgte als die vordere Querstrebe ins Wasser drückte. Dabei sei die gesamte Crew ins Straucheln gekommen.

Ashby, der ehemalige Tornado Weltmeister und Olympia-Silber-Gewinner mit Darren Bundock (Oracle), bekräftigt die Aussage, dass der Vorfall nicht dazu führen werde, etwas zu ändern. “Wir lernen immer noch ständig über das Verhalten dieser Boote. Und jetzt können wir noch mehr darauf vertrauen, dass wir auch bei starkem Wind ziemlich wilde Manöver segeln können, ohne dass etwas passiert. Es ist gut zu wissen, dass dieses Boot sicher und außerdem hoffentlich noch gut genug ist.”

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Carsten Kemmling

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Ein Kommentar „America’s Cup: Glenn Ashby erklärt den haarsträubenden “Stecker”“

  1. avatar Einheizer sagt:

    Die Frage ist doch, warum waren die Ruderfoils aus dem Wasser bzw. was haben sie falsch gemacht!? Solange er das nicht erklärt hat er nichts erklärt. DIe bisherige erklärung klingt so als ob es Zufall war und sie keinen Fehler gemacht haben.

    Meiner Meinung war der Fehler dass sie mit Leekrängung abgefallen sind. Dadurch ist das Ruderfoil aus dem Wasser gekommen. Diese Meinung wird auch auf Sailinganarchy.com vertreten.

    “why and why not
    Why ITA can’t foil gybe and ETNZL almost cartwheeled

    A small lesson on turning foiling boats and the phenomenon called heel induced lift.

    When any foiling boat has heel, or is listing to one side, and the skipper turns the rudder, the path of the rudder elevator has to now travel on an inclined plane. This often causes a burst of lift or suction on the rudder elevator. Same reason on a moth if you heel the boat one way, and turn the rudder hard, you will crash 100% of the time (either nose dive or sky upwards then crash).

    So when you see ITA AC72 go into every gybe with a decent leeward heel, the rudders turn and the heel induced lift drive the bow down and they crash. When you see Dean Barker wait till the boat is perfectly flat, then sends it through, it results in a perfect gybe.

    When ETNZ did the wipe out at the top mark rounding, they had big leeward heel (didn’t look big but it doesn’t take much), big wheel down, rudders get a burst of lift until the leeward elevator is in the air then it’s all over, very lucky that someone on their design team knows WTF is going on. If they had kept it flat through the bear away, or even windward heel, it will never happen. Slingsby is all over it. – Joe Turner.”

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