America’s Cup: Grant Dalton deckt die Schlüsselmonente in der Kiwi-Kampagne

"Ernsthaftes strukturelles Problem"

Teamchef Grant Dalton deckt auf, woran der Sieg fast gescheitert wäre. Nach dem Auftreten einer großen Schwierigkeit bei der Vorbereitung in Auckland lagen die Nerven blank.

America's Cup

Das Emirates Team New Zealand feiert den Gewinn der Kanne. © ACEA 2017 / Photo Ricardo Pinto

Die Kenterung im Duell mit dem Land Rover BAR Team von Ben Ainslie war offenbar gefährlicher für den Sieg beim America’s Cup, als bisher angenommen. Grant Dalton deckt auf, dass das Boot durchaus schwer beschädigt war. Die Reparatur des Flügels habe neun Tage erfordert. Das Boot sei zwar für den nächsten Tag einsatzbereit gewesen aber man wäre wohl geschlagen worden, weil die Aerodynamik-Verkleidungen nicht auf die Schnelle ersetzt werden konnten.

Ein anderes schwerwiegendes Problem trat überwiegend unbemerkt von der Öffentlichkeit auf. So segelten die Kiwis bei einem Rennen im Herausforderer-Finale gegen Artemis mit ihren Leichtwind-Foils bei Bedingungen, die eigentlich zu extrem waren. Dabei sind an den Tragflächen “ernsthafte strukturelle Problem” aufgetreten, wie Dalton nun aufdeckt.

Sie seien kurzfristig nicht zu  lösen gewesen, und seitdem zitterten sich die Kiwis über den Parcours immer die Gefahr eines Bruchs im Hinterkopf. Jede Nacht wurde per Ultraschall gecheckt, wie sehr sich die Schäden vergrößern. Und tatsächlich verschlechterte sich die Festigkeit mit jedem Rennen.

Foils gebrochen

An einem anderen Punkt noch in Auckland sei die Lage sehr kritisch gewesen, als beide neuen Foils brachen. “Da waren wir wirklich in Schwierigkeiten!” Der Fehler musste gefunden, die Tragflächen neu konstruiert und der Bau der Ersatz-Foils nach gleichem Muster sofort gestoppt werden. Das gesamte Umfeld von der Werft bis zu den Zulieferern musste ab diesem Zeitpunkt für gut zwei Monate 24 Stunden-Schichten abliefern, um den Plan noch zu schaffen. “Das hat die gesamte Kampagne zusammengeschweißt. Denn wir saßen wirklich tief im Dreck.”

Dalton sagt weiter, dass sie den Software-Krieg für sich entschieden haben, was erstaunlich klingt, da auf der anderen Seite der Software-Gigant Oracle stand. Man habe erst einen Autopiloten bauen müssen, bevor das Kontrollsystem entstehen konnte. Dafür sei die Software so wichtig gewesen.

Die großen Unterschiede

Nathan Outteridge erklärt noch einmal die Unterschiede zwischen dem Team New Zealand und Oracle Team USA:

1. Foils:
Neuseeland hat einen Knick im Profil. Der erlaubt es offenbar, die Leichtwind Foils in einem größeren Windbereich zu benutzen. Dabei können die horizontalen Elemente jeweils ausgetauscht werden. Dadurch verläuft der Übergang im 10 Knoten Bereich vom Lowspeed- zum Highspeed-Foil bei den Kiwis geschmeidiger.

2. Flügelsegel:
Oracle Trimmer Kyle Langford trimmt traditionell mit einer Schot den Anstellwinkel und mit Knöpfen die Twist-Element im oberen Teil. Glenn Ashby dagegen kontrolliert alle Elemente hydraulisch mit einen portablen Touchscreen.

3. Bein-Grinder:
Das gesamte System ist nur mit der größeren Energiebereitstellung durch die Beingrinder zu bedienen. Sie erzeugen bis zu 30 Prozent mehr Power als die Männer an den Armkurbeln. Außerdem ist die Aerodynamik vorteilhaft, zumindest wenn die Armgrinder im Stehen kurbeln statt in der Hocke. Und das tun sie meistens.

4. Aufgabenteilung:
Die Bein-Grinder haben freie Hände und können technische Elemente bedienen. So übernimmt Blair Tuke die Höhenkontrolle mithilfe der Foils und Peter Burling kann sich wie im 49er nur um das Lenken und die Taktik kümmern.

 

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.
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