America’s Cup: Hintergründe zur Oracle Kenterung, Kiwis machen Pause

Auf großem Fuß schweben

Es läuft. Emirates Team New Zealand bei einem der letzten "Flüge" vor zehntägiger Pause. © ETNZ/Chris Cameron

Es läuft. Emirates Team New Zealand bei einem der letzten “Flüge” vor zehntägiger Pause. © ETNZ/Chris Cameron

Während das Team New Zealand so sicher vor Auckland seine Kreise zieht, dass es jetzt sogar schon Journalisten auf seinem AC72 Katamaran mitnimmt (VIDEO) und Luna Rossa seinen ersten Segeltag vorbereitet, rätselt die Segelwelt, wie schwerwiegend der Rückschlag für Oracle Racing war.

Es heißt, dass die Amerikaner mit einem reparierten Schiff 2012 wohl nicht mehr auf das Wasser kommen. Das zweite Schiff soll erst am 1. Februar fertig sein. War es das schon mit der Titelverteidigung?

Viele Neuseeland Fans reiben sich schon die Hände, aber abschreiben sollte man die Amerikaner längst nicht. So heißt es, dass ihre erstaunlichen Probleme beim Segeln auf Tragflächen weniger ein spezieller Fehler des Design Teams gewesen sein könnte, als eine Niederlage vor der Jury.

Größere Foils erlaubt

Die soll eine Regelinterpretation der Neuseeländer akzeptiert haben, die zuvor vom Vermessungs-Komitee für irregulär gehalten worden. Demnach sind größere L-Foil-Schwerter erlaubt, als die Oracle Designer dachten, schreibt das in Auckland ansässige Sail-World Magazin. Und auf großem Fuß schwebt es sich besser. Oracle soll dagegen sein Boot um die kleineren Foils herum gebaut haben, wodurch die gut sichtbaren Schwierigkeiten beim Erreichen einer stabilen Flugphase auftraten.

Die Kiwis scheinen ihren AC72 zu beherrschen, wollen ihn jetzt aber noch schneller machen. © ETNZ/Chris Cameron

Die Kiwis scheinen ihren AC72 zu beherrschen, wollen ihn jetzt aber noch schneller machen. © ETNZ/Chris Cameron

Die Kiwis heben auch schon bei deutlich geringeren Windgeschwindigkeiten ab und „fliegen“ auch höher über dem Wasser. Deshalb war zu erwarten, dass USA-17 ohnehin hätte modifiziert werden müssen, auch wenn die Kenterung nicht passiert wäre.

Der gesamte Prozess ist so schwierig, weil durch die Regeln die beweglichen Teile unter Wasser limitiert sind. Eine Vorrichtung wie bei der autmatischen Flügel-Verstellung der Moth ist nicht erlaubt. Zudem muss jeweils das Luvschwert laut Regeln nach einem Bugwechsel binnen 30 Sekunden angeliftet werden. Die Katamarane foilen also nur auf drei Flächen, den beiden T-Foil-Rudern und dem Leeschwert.

Dabei spielte bei dem US-Kat offensichtlich auch die fehlende Verwindungsstabilität eine negative Rolle. Wenn sich die Rümpfe zueinander bewegen, ändert sich auch der Anstellwinkel der Ruder im Wasser, was gemeinhin als einer der Hauptgründe für die Kenterung gesehen wird.

Viel Zeit verloren

Sicher ist, das Oracle 22 erlaubte Trainingstage verloren hat, die nicht auf die nächste Trainingsperiode übertragen werden können. Die nächste Periode vom 1.2. bis 31. Mai erlaubt nach den Regeln maximal 45 Tage.

Eine Interpretation der Vermessungsregeln erlaubt den Neuseeländern größere Flügel zum Foilen.  © ETNZ/Chris Cameron

Eine Interpretation der Vermessungsregeln erlaubt den Neuseeländern größere Flügel zum Foilen. © ETNZ/Chris Cameron

Belastend ist es laut Sail-World auch, dass definitiv eines von drei erlaubten Flügelsegeln zerstört ist. Ebenso ist in der Vorbereitung die Anzahl der zu benutzenden Schwert-Foils auf zehn limitiert. Oracle soll jetzt schon vier Slots verbraucht haben.

Die Zeit wird für das US-Team definitiv zum entscheidenden Faktor. Andererseits ist es ein Vorteil, dass die Ellison-Mannen als Verteidiger mehr Zeit zum Entwickeln haben, da das Cup-Rennen erst im September 2013 stattfindet. Die drei Herausforderer müssen dagegen schon ab dem 4. Juli im Rennmodus bereit stehen, um den Louis Vuitton Cup zu bestreiten.

Faszinierend. Stabile Flugphase im 40 Knoten Bereich.  © ETNZ/Chris Cameron

Faszinierend. Stabile Flugphase im 40 Knoten Bereich. © ETNZ/Chris Cameron

Aber die Neuseeländer scheinen ziemlich entspannt zu sein. Gerade haben sie eine zehntägige Test-Pause angekündigt, um neue Entwicklungen vorzubereiten. So wollen sie Verkleidungen anbringen, die den Windwiderstand verringern. Spannend werden allerdings die ersten Gehversuche von Luna Rossa. Und auch Artemis sollte demnächst seinen beschädigten Beam wieder repariert haben, um endlich segeln gehen zu können.

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.
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6 Kommentare zu „America’s Cup: Hintergründe zur Oracle Kenterung, Kiwis machen Pause“

  1. avatar Philipp sagt:

    Macht Spaß das ganze Ganze zu verfolgen!

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 18 Daumen runter 9

    • avatar armchairadmiral sagt:

      Ernsthaft? Wohl aus der facebook-Generation ?!

      Heisse Debatte. Was meinst du? Daumen hoch 12 Daumen runter 18

      • avatar Alex sagt:

        Und Du? Liest Du gerade Testbericht weil Dein alter Rollator so langsam durchgerockt ist und ein Neuer her muß? 😉

        Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 17 Daumen runter 11

  2. avatar Enno sagt:

    Nun ja, ob dass mit der Jury Entscheidung so wirklich in trockenen Tüchern ist?

    http://noticeboard.americascup.com/wp-content/uploads/2011/08/JN052.pdf

    Sieht so aus als hätte Oracle mal wieder Artemis an die Front geschickt. Zwar sind die schon einmal mit dem Versuch eine “Revision” einer Jury Entscheidung zu erreichen gescheitert – aber probieren kann man es ja immer wieder. Bin dann ja mal gespannt, wann das ganze schlussendlich doch wieder von einem (ja ach so “unabhängigen 🙂 New Yorker Gericht landet.

    Aber zugeben muss ich: Spaß hat mir der Ellison-Crash schon unheimlich gemacht!

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 12 Daumen runter 1

  3. avatar Schaedi sagt:

    Bitte lasst das gefoile, auf Deutsch heißen die Dinger Tragflächen oder besser Schwerter mit Tragflächen. Der englische Ausdruck ist nicht besser oder genauer. Foils heißen in England so, weil Schwerter früher Metallplatten (Englisch: foil, also Blech) waren. So werden nicht die eigentlichen Tragflächen benannt, im Englischen passend wäre lifting foils.
    Ihr benutzt also die falsche Sprache und das falsche Wort, und wozu das Ganze, was wollt Ihr damit erreichen?

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  4. avatar Schaedi sagt:

    Ach, ich vergaß, der Artikel gefällt mir!

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