America’s Cup: INEOS Team UK tauft neuen AC75 “Britannia” – Radikale Regel-Interpretation

Kastenbauweise

Einen Tag nach dem Stapellauf von Luna Rossa hat das INEOS Team UK seinen ersten America’s Cupper in Portsmouth auf den Namen Britannia” getauft. Sie erscheint von den vier AC75 am radikalsten.

Jim Ratcliffe hilft seiner Tochter Julia bei der Taufe in Portsmouth mit Ben Ainslie © INEOS TEAM UK

So genau können die aktuellen Computer-Tools der Cup-Syndikate dann doch nicht arbeiten, wenn man betrachtet, welch unterschiedliche Formen sie für die Rümpfe des 36. America’s Cup auswerfen. Mit dem INEOS Team UK hat nun der vierte Cupper der neuesten Generation den Kontakt mit dem Wasser aufgenommen, und er unterscheidet sich deutlicher von der Konkurrenz als man erwarten konnte.

Während insbesondere die Italiener und Neuseeländer auf einen ausgeprägten Buckel unter dem Rumpf setzen, um dem Schiff beim Abheben zu helfen weist der UK-Cupper ähnlich gerade Linien auf, wie die Version des American Magic Teams.

“Britiannia” bei der Zeremonie in Portsmouth. © INEOS TEAM UK

Während allerdings insbesondere der italienische AC75 noch Formen aufweist, der einigermaßen an eine klassische Segelyacht erinnert, zeigt die kastenartige Interpretation der Box Rule durch die Briten, dass es sich eben doch mehr um einen Flugapparat handelt. Ihnen geht es sehr darum, die Aerodynamik während der Flugphase zu optimieren und eine hohe Endgeschwindigkeit zu erreichen.

Die gezeigten Flügel scheinen bisher dagegen nicht so radikal wie die der Italiener auszufallen. Sie weisen nur einen vergleichsweise kleinen Torpedo im Zentrum des Flügels auf.

Wie sich das alles später auf dem Wasser auswirkt muss sich noch zeigen. Erst einmal feiern die Briten insbesondere ihre Geschichte im America’s Cup und weisen darauf insbesondere bei der Namensgebung ihrer Yacht hin.

Königliche Yacht als Vorbild

Der Name “Britannia” wurde von INEOS TEAM UK Gründer und Eigentümer Jim Ratcliffe gewählt als Hommage an den Renn-Kutter “Britannia”, der 1893 für König Edward VII den damaligen Prince of Wales gebaut wurde. Das Schiff überzeugte mit zahlreichen Siegen.

Nach Edwards Tod 1910 übernahm sein Sohn König Georg V. “Britannia” und segelte ebenfalls erfolgreich damit. Nachdem sie eine J-Klasse-Rennyacht umgebaut und das Gaffelrigg durch ein Bermuda-Rigg ersetzt worden war, konnte sie aber nicht mehr mit den jüngeren Yachten mithalten. 

König George V. hatte angeordnet, dass seine Yacht ihn nicht überleben sollte. So wurde sie nach seinem Tod 1936 nach St. Catherine’s Deep vor der Isle of Wight geschleppt und dort von der Royal Navy versenkt – in den gleichen Gewässern, in denen 1851 der erste America’s Cup ausgetragen worden war.

Erste Testphase auf dem Solent

Das INEOS TEAM UK setzt darauf, sich der Unterstützung der britischen Bevölkerung zu vergewissern, und somit ist die Betonung der Historie ein geschickter Schachzug. Das britische Königshaus hat dem Team schon mehrfach seine Aufwartung gemacht.

Nun startet eine arbeitsreiche Testphase auf dem Solent vor dem Hauptsitz in Portsmouth. Allerdings dürfte es bei den bevorstehenden Herbststürmen schwierig werden, ausreichend Segeltage zu bekommen. Deshalb wird erwartet, dass die Briten bald ihr Winterlager im spanischen Murcia beziehen, wo sie schon im vergangenen Winter drei Monate mit dem Segelteam verbracht haben. 

Zieldatum ist die erste Regatta in Cagliari vom 23. bis 26. April 2020, wo alle Herausforderer erstmals aufeinandertreffen werden.

 

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

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