America’s Cup: Kiwis siegen mit Youth Cup Mannschaft – Artemis läuft auf Felsen

Oracle geschlagen

So sehen die Cupper bei stärkerem Wind am Practice Day aus:

Das Team New Zealand hat die zweite Station der America’s Cup World Series gewonnen. Die 49er Stars Burling/Tuke sorgen für Kiwi Euphorie. Spithill und Ainslie geschlagen.

Das Jubeln müssen sie noch lernen. Glenn Ashby (37), Skipper und erfahrener Wing-Trimmer beim Team New Zealand, streckt seinem 13 Jahre jüngeren Steuermann Peter Burling artig die Hand hin. Ausdruck der Distanz zum neuen Team-Mitglied, mit dem er noch nicht viel gesegelt ist.

Aber Burling, der zurzeit vielleicht beste Segler der Welt mit der unglaublichen Serie von 16 49er-Siegen in Folge, fällt ihm um den Hals. Ein emotionaler Ausbruch, den man bei dem jungen Segelstar nicht alle Tage sieht.

Normalerweise entledigt er sich mit monotoner Stimme und unbewegtem Gesicht Interview-Aufgaben vor der Kamera. Und das Siegen auf höchstem Niveau ist er nach fünfmal WM-Gold (420er 2x, 49er 2x und Moth) sowie beim Youth America’s Cup 2013 auch längst gewohnt.

Aber dieser Erfolg in Göteborg ist etwas besonderes. Nach dem Rauswurf von Dean Barker und der unrühmlichen Rolle, die Teamchef Grant Dalton dabei spielte, ist der Stern des America’s Cup Teams verblasst. Geld aus dem Steuersäckel gibt es erst einmal nicht mehr. So sieht die Segel-Nation sieht besonders darauf, was ihr scheinbar schwächelndes Team gegen die America’s Cup-Konkurrenz ausrichtet.

Großer Druck

Der Druck für die Neuen jungen Youth Cup Sieger im Team ist besonders groß. Auch Glenn Ashby und besonders Ray Davies nach acht Jahren an der Seite von Dean Barker müssen zeigen, dass sie auch ohne ihren erfahrenen ex Skipper können. Ü-40 Davies muss auch zeigen, dass er trotz schütterem Haar noch seine Berechtigung auf den physisch enorm fordernden Flug-Katamaranen hat.

Aber die Mischung macht’s. Besonders Davies liefert am doppelt zählenden Finaltag eine überdurchschnittliche Leistung ab. Während Burling sich im beim ersten Start erst von Oracle abstreifen lässt und dann noch einen Stopp-Penalty verbüßen muss wegen des Überfahrens einer Grenzlinie im Vorstart führt ihn der Taktiker schon auf dem ersten Vorwind vom letzten auf den zweiten Platz.

Und auch beim zweiten Start kommt Burling nicht gut von der Linie weg. Dabei geht es um alles. Die ersten beiden Teams sind punktgleich und Artemis liegt nur zwei Zähler zurück. Das Rennen zählt doppelt.

Youth Cup Sieger überzeugen

Gute Ansagen beim Lesen der Böen aber eben auch viel Gefühl für den Speed führen die Kiwis nach einem bewussten Split am Lee-Tor und einer starken ersten Kreuz in die Pole-Position. Zumindest bei wenig Wind funktioniert das neu zusammen gestellte Team, das neben Burlings 49er Vorschoter Blair Tuke auch Youth America’s Cup Sieger Guy Endean eingebaut hat.

Zuvor herrschte am Samstag stärkerer Wind, und bei den Foiling Bedingungen zeigte sich Oracle im Vergleich zu Portsmouth stark verbessert. Die beiden Siege vor Ainslie waren von Spithill nach guten Starts herausgesegelt. Danach passierte nicht mehr viel. Die Hackordnung war klar. Und da mussten sich die Kiwis noch auf Rang drei einreihen.

Erschreckend gestaltete sich am Samstag die Leistung des Heimteams. Artemis hatte sich so viel vorgenommen nach dem schlechten Auftritt in England. Nun ging Starboot-Olympiasieger Frederik Loof von Bord und es lief eigentlich gut in der ersten Hälfte des ersten Rennens. Aber dann segelten sie sich bei der zweiten Kreuz mit einem Winddreher auf Rang vier zurück.

Felsen-Kontakt

Im zweiten Lauf wurde es sogar ein vorletzter Platz, der aber einem Felsen-Kontakt nach dem Zieldurchgang des ersten Rennens geschuldet war. Mit dem beschädigten Schwert ist im zweiten Rennen nicht mehr auf Speed zu kommen.

So ist der Sieg von  Artemis im ersten Flauten-Rennen am Samstag für das Team besonders wichtig. Das Star- Team der Medaillengewinner lässt sich nicht abschreiben. Aber Steuermann Nathan Outteridge verlor zuletzt auch regelmäßig im 49er gegen die Kiwis Burling/Tuke. Der letzte Platz im vierten Rennen macht das Positiv-Erlebnis dann doch wieder zunichte.

So stehen vor dem dritten Event in Bermuda (16. bis 16.10.) die Kiwis in der Gesamtwertung an der Spitze, da die Punkte von allen Regatten addiert werden. Das ist eine Überraschung, da ihnen zuletzt nicht einmal zugetraut wurde, überhaupt an der Startlinie des Cups 2017 zu erscheinen.

Kiwis greifen an

So ist dieser Sieg sehr wichtig besonders für Grant Dalton, der unermüdlich nach Geldgebern für das Team sucht. Wenn er erfolgreich ist, sollten sich Spithill und Co ganz warm anziehen. Denn besonders Peter Burling ist mit seinem Partner Blair Tuke schon offenbar viel weiter, als ihm zugetraut werden durfte.

Glenn Ashby hatte den Anspruch auf die Rolle des Herausforderers Nummer eins schon bei der Pressekonferenz in Portsmouth gezeigt. Er überreichte James Spithill symbolisch einen sogenannten King Post. Mit der Kohlefaser-Spreize erinnert er an den Betrug beim vergangenen Cup. Oracle Mitarbeiter hatten darin Blei-Säckchen versteckt und das Team wurde von der Jury mit Punktabzügen bestraft und hätte den Cup fast verloren.

Ergebnisse America’s Cup World Series

 

Skipper Interviews:

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.
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