Meinung America’s Cup Kritik: Jetzt kommen die alten Feinde aus den Löchern

Heftiges Spektakel

Der America’s Cup steht im Wind. Die alten Feinde melden sich wieder zu Wort. Dabei geht es gar nicht um das schändlicheHerausdrängen der Italiener aus dem Cup.

Team New Zealand

Team New Zealand auf Messers Schneide. Dort bewegt sich gerade auch der gesamte Cup.  © ACEA/Gilles Martin-Raget

Die aktuelle Diskussion erinnert an den vergangenen  Cup. Die Empörung war riesig. Larry Ellison und Russell Coutts würden den America’s Cup zerstören, weil sie auf Katamaranen segeln lassen wollten. Die Historie werde verraten, die Taktik sei langweilig mit Zweirümpfern und zu teuer ist das Ganze ohnehin.

Die Anfeindungen wurden immer lauter. Aber am Ende wurden alle Kritiker Lügen gestraft. Der 34. America’s Cup war auf allen Ebenen der beste aller Zeiten. Selbst in Deutschland versammelten sich bei den Live-Übertragungen nach Mitternacht die Fans vor den Fernsehern.

Das scheint alles ist jetzt vergessen. Die Kritiker kriechen wieder aus den Löchern. Aber überraschenderweise steht nicht die unglaubliche Regeländerung quasi nach dem Wettkampfbeginn im Fokus, der Luna Rossa zurecht in Rage und zum Ausstieg brachte.

Ü-70 Kritiker

Vielmehr geht es jetzt plötzlich darum, dass die alten Werte in Gefahr sind. Der britische Ü-70 Journalist Bob Fisher sieht in einem offenen Brief das Prestige flöten gehen. Louis Vuitton Repräsentant Bruno Trouble lästert über das neue “Strand Event”auch weil er sich schon länger ärgert, dass sein Taschen-Laden keine Rolle mehr spielen darf. Und es ist auch klar, dass nun Ellisons liebster Feind Ernesto Bertarelli heftig austeilt.

Larry Ellison

Larry Ellison jubelt mit der US Flagge. Ist das alles, was er will? © ACEA/Abner Kingman

Dabei ist der Weg zum kleineren Boot sicher richtig. Dieses ganze Gerede von Tradition und Historie, ich kann es nicht mehr hören. Es ist einfach nicht zeitgemäß und mega langweilig. Coutts hatte über die Facebook-Generation gesprochen, die er erreichen wollte und wurde ausgelacht. Aber genau dort bei der Jugend hat der vergangene Cup gepunktet.

Der Weg ist richtig. Die jüngsten Verwicklungen mögen eher damit zusammenhängen, dass die Oracle Protagonisten menschlich etwas unsauber ticken. Man kann es drehen und wenden wie man will: Es erscheint einfach als mieser Trick, wie der vermeintlich stärkste Herausforderer Luna Rossa ausgebootet wurde. Aber ob das wirklich auch so gedacht war? Sinn macht es eigentlich nicht.

Probleme mit Teams auf Augenhöhe

Team New Zealand, Kenterung

Taucht das Team New Zealand bald ab? © Gilles Martin-Raget

Der Schlingerkurs mag zustande kommen, weil Coutts und Co eben nicht nur auf eine attraktive Veranstaltung abzielen, sondern auch noch auf den Sieg. Aber wenn das wirklich der Fall wäre, müssten sie einfach den Cup so teuer wie möglich machen. Stattdessen scheint einfach eine Unfähigkeit zu bestehen, offen und ehrlich mit den Teams auf Augenhöhe zu kommunizieren.

Mit den Kleinen gibt es naturgemäß kein Problem. Frank Cammas vom schwächelnden Franzosen-Team hat verkündet, dass Oracle ihm sogar eine Design Partnerschaft versprochen hat. Auch Gäbler würde wohl so etwas bekommen, wenn er ein Budget vorweist. Da Plattform, Rümpfe und Segelflügel einheitlichen Maßen folgen sollen, geht es nur noch um das Design der Unterwasser-Anhänge.

Es gibt offenbar auch Anzeichen, dass sich aus dem gescheiterten Luna Rossa Team ein eigener italienischer Ableger bildet. Er würde sicher alle Unterstützung von Ellison bekommen. Bei den Kiwis ist das sicher anders. Allerdings kann sich die Veranstaltung diesen weiteren Abgang eigentlich nicht leisten. Bekommen die Neuseeländer noch die Kurve? Ihre Position ist jetzt sicher gestärkt.

Unsägliche Friede-Freude-Eierkuchen-Meldungen

Wie der neue America’s Cup am Ende aussehen wird, ist längst nicht klar. Und es ist wirklich unsäglich, wie der Cup Verteidiger zurzeit Friede-Freude-Eierkuchen-Meldungen herausgibt, wie schön es in Bermuda ist. Klar, man ist dem neuen Gastgeber verpflichtet. Aber diese Kopf-in-den-Sand-Kommunikation kommt nicht gut rüber. Das Signal soll wohl sein: Es geht ganz normal weiter- Ab dem ersten Mai will Oracle erstmals mit einem Turbo AC45 in der Bucht trainieren.

Wie auch immer, Ellison und Coutts werden nicht über Nacht zu nice guys werden. Und es gibt immer noch das Artemis Team mit dem Milliardär Finanzier Thorbjörn Tornqvist sowie Ben Ainslies Team, die Oracle das Leben schwer machen können.

Mit den neuen Regeln für ein kleineres Boot, das überwiegend nur noch durch das Design der Foils große Wettbewerbsvorteile erringen kann, schneidet sich auch Oracle in das eigene Fleisch, falls nur der Sieg im Fokus stehen sollte.

Schnellste Racer der Welt

Stattdessen könnte man sich auch auf ein Rennen mit Booten freuen, die auch mit 48 Fuß die schnellsten der Welt sein werden. Das Revier weist zudem durch seine Variabilität mit drehenden Winden durchaus Überholspuren auf.

Die neuen Foiler Cupper werden nach wie vor das non plus ultra des Segelsports darstellen auch wenn sie ein wenig kleiner sind als bisher geplant. Sie werden auch am Wind auf Tragflächen segeln und wohl auch Foiling-Wenden schaffen.

Damit können sie auf die kleinste Winddrehung reagieren. Die klassische taktische Beschränktheit von Kats, die im Manöver bremsend ihre Rümpfe durchs Wasser schieben müssen, wäre damit aufgehoben. Das kann nach wie vor ein heftiges Spektakel werden.

Luna Rossa Ausstieg schlimmes Zeichen

Hauptsache ist es, dass die besten Segler und Teams der Welt antreten. Das ist zum Beispiel nach dem Onedesign Downgrading beim Volvo Ocea Race nur noch bedingt gegeben, auch wenn es wohl eher ein Zögern statt Ablehnung war. Umso schlimmer ist für den Cup das Zeichen des Ausstieg von Luna Rossa.

Sicher ist es jedenfalls, dass die Cup Organisatoren wieder einmal viel Vertrauen verspielt haben. Welcher potenzielle Teilnehmer kann jetzt schon sicher sein, dass nicht wähend der Veranstaltung wieder kurzfristig die Regeln geändert werden, falls ein Herausforderer eine potenzielle Gefahr wird.

Aber es wird weiter gehen. Und man kann sicher sein, dass Ellison schon rein wirtschaftlich keine Motivation haben sollte, diese Regatta vollends vor die Wand zu fahren. Es würde den Wert seiner immensen Investition schmälern.

Jetzt kommt es einfach darauf an, wie viele Teams wirklich zur Teilnahme am 35. America’s Cup zu bewegen sind. Gelingt es doch noch, ein paar spannende Herausforderer zu generieren? Es wäre zu wünschen.

Das Artemis Team zeigt im Video wie schwierig das Tragflächen-Segeln auf den AC45 ist:

 

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Carsten Kemmling

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9 Kommentare zu „America’s Cup Kritik: Jetzt kommen die alten Feinde aus den Löchern“

  1. avatar Boss sagt:

    Die Frage ist, wie definiert man einen “erfolgreichen Cup”? Nach kommerziellen Gesichtspunkten, also möglichst viele Zuschauer, Sponsoring, TV Vermarktung (outcome). Oder nach sportlichen Gesichtspunkten, Anzahl der Teilnehmer, Investitionen, taktischen Niveau (Input).
    Klar, für einen Blogger wird es um Ersteres gehen. Er will ja möglichst viele views und clicks und in dieser Hinsicht war der 34. Cup wohl ein voller Erfolg; super “spektakulär”.
    Aber für einen Segler, der will spannende Rennen auf innovativen Booten mit ausgefeilten Manövern, Dail-downs wie im 32. Cup. Ihn langweilt es irgendwann, wenn die Cats nur von einer Begrenzung zur anderen fahren und allein am foilen wird er sich auch bald satt gesehen haben. Für One Design gibts genug andere hochklassige Formate (Extreme40, RC44, etc

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    • avatar Alcapone sagt:

      HAT ER RECHT DER BOSS!

      ICH KANN DAS WORT FOILEN NICHT MEHR HÖREN….AUF FACEBOOK IST ALLES VOLL DAVON!

      als es noch in den Kinderschuhen steckte, war es cool anzusehen…aber nichts geht über ne TP in Gleitfahrt.

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    • avatar Carsten Kemmling sagt:

      ich definiere “erfolgreich” aus der sicht des betrachters, und in wie weit er vom segelsport angesprochen wird. da haben die macher eine fassette gezeigt, die zuvor niemand von unserem sport erwartet hätte. ich mag mich noch nicht von der vision verabschieden, dass es mit mehreren teams auf gleichem niveau noch besser werden wird. der weg ist richtig. aber jetzt wird offenbar erneut so unsäglich rumgezickt, dass sie wohl doch noch alles gegen die wand fahren.

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      • avatar Boss sagt:

        Gibt es denn DEN Betrachter? Warum soll sich der Cup danach richten, was die Masse will? Soll etwa der durchschnittliche Zuschauer entscheiden, was den Cup ausmacht? Der Americas Cup war, wie kein anderer Sport, immer in der Situation, finanziell unabhängig und gut dazustehen, ohne sich massentauglich verbiegen zu müssen. Und jetzt haben wir, völlig ohne Not, eine Situation, die Bruno Troublé so schön beschreibt als: “What we have now is a vulgar beach event smelling of sunscreen and french fries. This is definitely NOT the Cup.”

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        • avatar Boss sagt:

          PS: Der Cup klebt schon an der Wand … und die Massen sind begeistert! “Man war das SPEKTAKULÄR, mit 45 kt an die Wand gedonnert!”

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  2. avatar Alcapone sagt:

    ICH HABE HIER AUF SEGELREPORTER SCHON MEHRFACH GESAGT:

    DIE ALTEN CUPPER SIND GEILER, BESSER UND ENTSPRECHEN MEHR DEM MATCHRACE GEDANKEN.

    NIEDER MIT DER MEINUNG DER NEUE AMERICAS CUP SEI GUT.

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    • avatar Alex sagt:

      @Alcapone,
      ich hab noch ein paar Tablet-Rechner von Alinghi zum Verkauf rumliegen.
      Damit könntest du dir ein Stück AC Nostalgie auf dein Boot holen.

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  3. avatar Ballbreaker sagt:

    Soso, Carsten.

    ….die Taktik sei langweilig mit Zweirümpfern…..
    Die Taktik IST langweilig auf Zweirümpfern! Führungswechseln fanden bis auf wenige Ausnahmen ausschließlich aufgrund der massiven Speedunterschiede statt.

    Der 34. America’s Cup war auf allen Ebenen der beste aller Zeiten
    Finden viele nicht. Das Prädikat hat eher der 32. AC verdient wie schon oben geschrieben wurde.

    Ü-70 Kritiker
    Tolles Totschlagargument, und Larry Ellsion ist wie alt? Oh man……

    Luna Rossa Ausstieg schlimmes Zeichen
    Nö, nur konsequent

    Naja, der Artikel ist ja als Deine persönliche Meinung gekennzeichnet – sie sei Dir gegönnt. Trotzdem hätte ich mir von euch eine etwas objektivere Analyse gewünscht. Ich habe immer gedacht, euer journalistischer Anspruch sei doch ein wenig anders…..

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    • avatar Anfeuchter sagt:

      EY ISCH KANN DAT FOTO MIT DEM NOSEDIVE NICHT MEHR SEHEN.

      Schonmal ne Figaro gesehen die nen Stecker fährt. Der wird jedes Mädel feucht!!!

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