America’s Cup: Luna Rossa beim Speed-Vergleich mit Kiwis – schneller als gedacht

Geht doch noch was?

Luna Rossa mag im America’s-Cup-Match gegen Team New Zealand als krasser Außenseiter gehandelt werden. Aber nach einem aktuellen Speed-Test gegen die Verteidiger könnten die Rennen vielleicht doch noch spannend werden.

Das America’s Cup Showdown ist immer noch verhindert wegen des Level 3 Lockdowns in Auckland. Die geplanten Rennen am Wochenende sind gekippt. Frühestens am Mittwoch nächster Woche kann erstmals gestartet werden.

Luna Rossa (l.) und Team New Zealand vergleichen ihren Speed beim Training.© Sail Chaser

Dafür müssten die Beschränkungen vor Ort allerdings auf Level 2 heruntergeschraubt werden. Eine Entscheidung darüber könnte am Wochenende fallen. Die America’s Cup Organisatoren haben allerdings auch einen Antrag für einen Ausnahmegenehmigung gestellt, um auch bei Level 3 Rennen abhalten zu dürfen. Sie arbeiten weiter an einer Reihe von Notfallplänen, die auch eine Verlängerung der Rennserie über den endgültigen Termin am 21. März hinaus beinhalten könnten, falls es zu weiteren Störungen des Zeitplans durch Covid-19 kommen sollte.

Das Training mit den AC75 ist zumindest erlaubt. Beide Teams nutzen intensiv die Zeit auf dem Wasser, denn nach der erfolgten Vermessung am Montag gibt es kaum noch Möglichkeiten, die Boote technisch zu verbessern.

Gestern ist es dabei zu einem aufmerksam beobachteten und per Video festgehaltenen Vergleich der beiden Teams gekommen. Die Neuseeländer näherten sich den Italienern auf dem Kursgebiet B und testeten ihre Geschwindigkeit zu den Gegnern.

Dabei stellte sich heraus, dass Luna Rossa vielleicht gegenüber den Kiwis doch nicht so langsam ist, wie viele America’s Cup Fans befürchten. Bei eher leichtem Wind zwischen 10 und 12 Knoten scheinen die Italiener auf dem Am-Wind-Kurs sogar besser in Schwung zu kommen.

Ob beide Teams Vollgas gegeben haben, oder ob eines der Boote besseren Wind erwischte, ist nicht bekannt. Aber das Video könnte Vermutungen bestätigen, dass die Herausforderer bei leichterem Wind durchaus konkurrenzfähig sind.

Ashby als zweiter Steuermann

Viel wurde zuletzt darüber berichtet, dass die Neuseeländer möglicherweise von Luna-Rossa entwickelte System mit zwei Steuerleuten kopieren. Teamchef Max Sirena frohlockt schon, das sollen sie ruhig tun. In der Kürze der Zeit sei die dafür notwendige Kommunikation kaum zu erarbeiten.

Immer öfter und immer länger wurde aber der zehnfache A-Cat-Weltmeister Glenn Ashby am Ruder des Kiwi-Cuppers gesehen. Der Australier ist eigentlich für den Trimm des Großsegels zuständig und auch kein ausgewiesener Match-Racer, aber die Neuseeländer basteln offenbar an einer Strategie, wie sie die Vorstartphase auf Augenhöhe überstehen können.

Ashby übernahm bei den jüngsten Trainingseinheiten auch nach dem Start immer wieder das Steuer, damit Burling nicht die Seite wechseln musste. Auf dem neuseeländischen Boot müssen die Segler anders als auf den anderen AC75 nicht hinter dem Großsegel, sondern vor dem Mast auf die neue Luvseite wechseln.

Luna Rossa Baum unter Deck

In einem Instagram Video von Luna Rossa ist der Großbaum zu sehen, der sonst unter Deck versteckt ist.

Interessant war zuletzt auch die Aufdeckung eines technischen Details beim Luna Rossa Team. In einem Instagram-Post war genauer zu sehen, wie die Italiener ihr Hauptsegel kontrollieren. Einer der offensichtlichsten Unterschiede zu den Booten der geschlagenen Herausforderer war der scheinbare Verzicht auf einen Großbaum. Das ermöglicht einen aerodynamisch sauberen Übergang vom Unterliek zum Deck und offenbar auch ein tieferes Profil im unteren Teil des Segels. Aber nun ist klar, dass Luna Rossa ebenfalls eine Baum-Konstruktion installiert hat – allerdings unter Deck.

Auch das Kiwi-Boot ist nicht mit keiner sichtbaren klassischen Baum-Konstruktion ausgerüstet. Offenbar versucht der Verteidiger aber die Kräfte über die Deckstruktur aufzufangen. Welches System schließlich überlegen ist, muss sich dann im Cup-Match zeigen.

Der Großbaum bei den Briten…

…Die Italiener haben die Baum-Konstruktion unter Deck verlagert.

Die Konstruktion der Neuseeländer. Auch ohne Baum aber mit mehreren Kontrolleinen am Schothorn.

Der Brite Thomas Morris erklärt in seinem Video-Kanal den technischen Hintergrund:

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

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