America’s Cup: Luna Rossa setzt sich durch – Prada-Cup-Finale wohl doch ab Samstag

Keine Ehre und Respekt

Im Streit um die Verschiebung der letzten Prada Cup-Rennen wegen des aktuellen Corona-Lockdowns in Auckland haben die Organisatoren einen Rückzieher gemacht. Sie erheben aber schwere Vorwürfe gegen Luna Rossa.

Der Moment des Abfluges. © COR 36 | Studio Borlenghi

Das Finale des Prada Cups wird an diesem Samstag wieder aufgenommen, entgegen des ausdrücklichen Wunsches vom Veranstalter America’s Cup Events (ACE). 10 Minuten vor einer angekündigten Pressekonferenz des Challenger of Records Luna Rossa veröffentlichte die ACE-Vorsitzende Tina Symmans zähneknirschend eine Erklärung, der zufolge man es nun für die beste Lösung halte, Trotz der nach wie vor in Auckland geltenden Covid-Lockdown-Stufe 2 die Rennen an diesem Wochenende fortzusetzen. Das beinhaltet nach wie vor den Ausschluss der Öffentlichkeit vor Ort aber es gebe den Menschen so viel Gelegenheit wie möglich, das Geschehen in kleiner Runde oder über die TV-Übertragung zu genießen.

ACE hatte eine Verschiebung der Rennen um eine Woche gewünscht, um die Chance zu erhöhen, dass Auckland wieder, wie der Rest des Landes, auf die Stufe 1 zurückgesetzt wird. Dann könnte das Eventgelände wieder geöffnet werden und Zuschauern ein Segelfest geboten werden, das schon am ersten Wochenende bei bestem Wetter als großer Erfolg gefeiert wurde.

Symmans kam nicht umhin, die Haltung des italienischen Lagers massiv zu kritisieren. “Es ist es klar, dass der Challenger of Record (COR) entschlossen ist, bei seinem unflexiblen Standpunkt in Bezug auf eine Änderung des Rennplans zu bleiben. Obwohl das nicht im Sinne des öffentlichen Interesses und des kommerziellen Nutzens für die Stadt und beteiligten Unternehmen ist.

Seit Sonntag haben wir im Namen aller Neuseeländer wirklich hart gearbeitet, um dem COR die Möglichkeit zu geben, etwas Ehre und Respekt für dieses Land zu zeigen. Der Prada Cup sollte so lange verschoben werden, bis wir eine größere Chance haben, dass jeder die Rückkehr zum Lockdown-Level 1 zu genießen und davon profitieren kann.”

Großer Sportsgeist?

Aber nun befinde man sich in einer enttäuschenden Situation, in einer Sackgasse. “Wir zwar nicht mit dem Vorgehen des COR einverstanden, aber wir wollen die Regatta auf dem Wasser zu Ende bringen.” Luna Rossa hatte angekündigt, sich als 4:0-Sieger des Prada Cups zu betrachten, wenn bis zum 24. Februar keine Duelle mehr stattfinden.

Symmans weiter: “Offensichtlich haben sie die Worte von Patricio Bertelli bei der Eröffnungs-Pressekonferenz vergessen, der betonte wie privilegiert man sei in Auckland ohne signifikante Covid-Einschränkungen zu leben. Und die Segler deshalb noch mehr eine Verpflichtung und Verantwortung haben, großen Sportsgeist zu zeigen, um den Prada Cup zu einem herausragenden Sportereignis zu machen.”

Aber Dieses Plädoyer sei offenbar bei seinem Team auf taube Ohren gestoßen. “Es ist klar, dass ihr Fokus einzig und allein darauf liegt, dass Luna Rossa den Prada Cup gewinnt.” Das Wohl des Landes, das so hart gearbeitet habe, um dieses Event auszurichten spiele offensichtlich keine Rolle.

“Unfair” und “populistisch”

In der folgenden Pressekonferenz wies Luna-Rossa-Vertreter Francesco Longanesi Cattani die schweren Vorwürfe entschieden zurück. Er sei absolut nicht einverstanden mit den Kommentaren. Er nannte sie “unfair” und “populistisch”. “Wie die meisten Pressemitteilungen, die von dieser Organisation herausgegeben wurden.” Man respektiere die Regierungsbestimmungen in Bezug auf die Covid-Situation und nehme die Abläufe erst, die mit den Organisatoren und dem ACE vereinbart worden seien. Diese erlauben es, dass die Rennen unter Level 2 weitergehen.

Im Übrigen sei es gut für INEOS Team UK, wenn am Wochenende gesegelt werde. Das würde die Chancen für sie vergrößern, vor dem Ende der Deadline am 24. die nötigen Siege einfahren zu können. Luna Rossa sei schon einmal 2003 gegen One World ausgeschieden, weil eine ähnliche Deadline abgelaufen war, sagt Cattani im Interview.

Während ACE kein exaktes Datum für die Fortsetzung der Regatten genannt hat – neben dem ausgefallenen Segeltag am Mittwoch war auch Freitag vorgesehen – machte Wettfahrtleiter Iain Murray klar, dass die Rennen wahrscheinlich am Samstag und Sonntag an diesem Wochenende stattfinden werden.

Da die Organisation der Regatta von über 100 Freiwilligen abhängig sei, die den bestehenden Einschränkungen unterliegen, werde man erst neue Abläufe besprechen müssen um einen sicheren Ablauf gewährleisten zu können. Deshalb werde Freitag wohl noch nicht gesegelt werden können. Auch werden die Rennkurse B und C nahe unter Land nicht genutzt, um Ansammlungen von Zuschauern an Land zu vermeiden.

Derweil versuchen sich die Segelteams unbeeindruckt von diesen Spielchen am Grünen Tisch zu zeigen. Bei besten Segelbedingungen trainierten Briten und Italiener auf dem Wasser und auch die Neuseeländer sind nicht untätig. Sie führten etwa ein neues Großsegel vor, dem Ähnlichkeiten zu einem Fledermausflügel nachgesagt werden. Auch American Magic setzte schon ein ähnliches Design im Duell mit Luna Rossa ein.

Die Lattenlänge ist festgelegt. Das neue kleinere Kiwi-Groß für starken Wind weist deshalb ein hohl geschnittenes Achterliek auf.

Für die Briten gilt es, das gewisse Quäntchen Speed aus dem Boot zu quetschen, das fehlt, um Rennsiege auf das Tableau zu bringen. Die Italiener versuchen ihrerseits, ihren minimalen Vorsprung zu behalten. Die Wettervorhersage für Samstag sieht relativ stabil aus um 10 Knoten. Am Sonntag droht dagegen Flaute.

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

Ein Kommentar „America’s Cup: Luna Rossa setzt sich durch – Prada-Cup-Finale wohl doch ab Samstag“

  1. avatar Kristof sagt:

    Haha, warte schon auf die Vorwürfe, wenn LR 7:0 gewinnt, daß das “nicht im Sinne des öffentlichen Interesses und des kommerziellen Nutzens für die Stadt und beteiligten Unternehmen” ist.

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