America’s Cup: Matchball für die Kiwis – Artemis mit Sekunden-Niederlage

Auf dem Sprung

Die Neuseeläner stehen bei dem kurz vor dem Einzug in das America’s Cup-Finale gegen Oracle. Gegen Artemis haben sie in drei knappen Rennen den Punktestand auf 4:2 erhöht und benötigen nur noch einen Sieg.

Das Muster diesers Herausforderer-Finals von Artemis gegen das Team New Zealand bleibt gleich. Nathan Outteridge gewinnt die Starts, und dann ziehen die Kiwis irgendwann auf der Kreuz vorbei.

Burling auf dem Sprung. © ACEA 2017

Bei allen sechs Starts lag das blaue schwedische Boot an der ersten Tonne vorne, und viele Cup-Segler waren zuvor der Meinung, dass auf diese Weise diese neue Art des America’s Cup Match Races schon zu 70 bis 80 Prozent entschieden werden könnte.

Das kurze Luvmanöver, mit dem Burling Outteridge zur Wende zwingt. Das Luvboot muss ausweichen:

Genauso wie in alten Zeiten. Und eigentlich sogar noch schlimmer. Denn das zurückliegende Schiff hat vor dem Wind nicht mehr die Möglichkeit unter Spi von hinten kommend dem führenden Boot Windschatten zu spenden. Bei Geschwindigkeiten im 30er bis 40er Knoten-Bereich wandert der scheinbare Wind durch den hohen Fahrtwind immer weiter nach vorne und die “Abgase” schwenken nach hinten.

Viermal überholen die Kiwis

Und dennoch haben die Neuseeländer jetzt in vier von sechs das entscheidende Überholmanöver zum Punktgewinn geschafft. Wie kann das sein?

Die Kiwis liegen hauchdünn vorne. © ACEA 2017

Es ist die unterschiedliche Leistungsfähigkeit der Designs. Neuseeland hat einfach einen kleinen Vorteil auf dem Amwind-Kurs. Wenn es die Schweden nicht schaffen, eine Deckungswende in perfekter Position zu platzieren, ziehen die Kiwis vorbei.

Zugegeben, es ist schwierig, das hintere Boot zu bremsen. Denn bei den hohen Geschwindigkeiten ist der ehemalige breite Abdeckungskegel nur noch ein schmaler Strich, mit dem man auf den Gegner achteraus zielen muss.

Ärger über knappe Niederlagen. © ACEA 2017

Neuseeland ist es jetzt schon in zwei Rennen entscheidend gelungen, diesen Luftverwirbelungen zu entgehen. Burling und Co quetschen plötzlich mehr Höhe aus ihrem Sportgerät, verholen sich ein wenig nach Luv und nehmen schließlich sogar eine Blockade-Position ein.

Diese Strategie scheint den Kiwis auszureichen, um das Duell zu gewinnen. Deshalb muss sich Burling auch keine Sorgen machen, dass er die Starts nicht gewinnt. Outteridge weist zwar gerne auf die vermeintliche Schwäche des Gegners in diesem Punkt hin, aber was soll’s? Wenn Burling das Rennen auf dem Kurs gewinnt, dann muss er nicht gut starten.

Guter Start als Risiko

Ein guter Start birgt immer ein gewisses Risiko. Durch Aggression können Kollisionen verursacht werden, und im Falle eines Frühstarts oder anderer Fehler deutlich größere Rückstände erzeugt werden, als den Kiwis lieb wäre. So aber müssen sie es nicht. Es wäre sogar nicht besonders schlau, aus falscher Eitelkeit heraus, die Starts weiter zu forcieren.

Outteridge erkennt die Amwind-Überlegenheit des Gegners an. Er glaubt, es hänge mit den Foils zusammen. Die seien zwar lang und sehen wie Leichtwind-Flügel aus, sie weisen aber nur eine sehr schmale Tragfläche auf mit wenig Widerstand.

Bei Artemis kommen am zweiten Finaltag noch technische Probleme hinzu. Ein Knopf funktioniert nicht richtig, und die Schweden geben das zweite Rennen hinten liegend auf, um mehr Zeit für die Reparatur zu bekommen.

Trotzdem ist ihr Schiff ein wenig langsamer als der Konkurrent, und das hat wenig mit den Rad-Grindern zu tun. Beim Foil-Design haben die Neuseeländer ein glückliches Händchen gehabt. Ob sich das so fortsetzen lässt?

Beinhartes Duell. © ACEA 2017

Morgen ist sehr leichter Wind angesagt. Da sahen die Kiwis in der Vorrunde sehr schnell aus. Ob sie den Sack am Montag zumachen können und den fünften Sieg feiern? Aber Artemis hat auch schon gegen Japan mit drei Punkten Defizit zurückgelegen. Dieses Team sollte man nie abschreiben.

 

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.
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