America’s Cup: Meldeschluss für 2021 abgelaufen – Nur drei Herausforderer

"Wir sind außer uns vor Freude"

Am 30.6. ist der Zeitraum für die Meldung zum 36. America’s Cup abgelaufen. Es kommt nur ein trauriges Feld zusammen. Zwei Syndikate haben es offenbar nicht geschafft.

Jimmy Spithill

Jimmy Spithill bei der Arbeit für Luna Rossa auf der TP52. © Carlo Borlenghi / Luna Rossa

Es mag ja alles spannend sein, was sich die Luna-Rossa-Italiener und das Team New Zealand ausgedacht haben. Sie wollten schließlich alles besser machen, als Larry Ellison, der den heiligen Gral sieben Jahre hüten durfte. Die neuen Designs mit den krakenähnlichen Foiler-Monos dürften eine echte Herausforderung für die besten Konstrukteure der Welt werden. Allein, wer kann und will das bezahlen?

Das Team New Zealand hat bisher angegeben, nicht mehr Geld zu benötigen, als bei der vergangenen Kampagne. Das wären etwa 68 Millionen US Dollar. Eine abschreckende Wirkung auf potenzielle weitere Teilnehmer hatte aber wohl der Einstieg des neuen 126-Millionen-Sponsors beim britischen INEOS Team UK von Ben Ainslie. Wer so gut aufgestellt und so früh dran ist, verringert die Wahrscheinlichkeit, dass andere Gegner auf Augenhöhe kommen könnten. Potenzielle Geldgeber werden umso mehr abgeschreckt, je weiter der Sieg entfernt ist.

Vielleicht war das der Grund für Ainslies laute Ankündigung. Jedenfalls steht das Syndikat von Taylor Canfield und das aus Sardinien jetzt doch nicht auf der Meldeliste. Auch die Gerüchte eines potenten Herausforderers aus China haben sich nicht bestätigt.

Das sind die Herausforderer:

  • Circolo della Vela Sicilia / Luna Rossa
  • New York Yacht Club / American Magic
  • Royal Yacht Squadron Racing / INEOS Team UK

 

Nachmeldegebühr: 1 Millionen Dollar

Zwar ist das Zeitfenster für die Meldung noch offiziell bis zum 30. November offen, aber dann wird nach dem Überweisen des Meldegeldes von 3 Millionen Dollar eine Nachmeldegebühr von 1 Millionen Dollar fällig. Das muss nicht unbedingt abschreckend angesichts von Budgets, die um die 100 Millionen Dollar liegen. Aber schlimmer ist der Zeitverlust. Wenn ein Syndikat es jetzt noch nicht schafft,  die Entwicklung unter Volldampf voranzutreiben, dann verliert es schon die entscheidenden Meter.

America's Cup

Darum geht’s © America’s Cup Media

Die Neuseeländer mögen die Sieger der Herzen sein. Und Luna Rossa hatte damals nach der späten Regeländerung von Oracle sicher allen Grund, sauer zu sein. Klar, dass man auf Rache sinnen würde und erstmal alles, was vom verhassten Duo Ellison/Coutts aufgebaut wurde, wieder einzureißen. Davon zeugt das neue Format mit neuem Sportgerät und neuer Technik.

Aber dieser Reflex scheint Züge angenommen zu haben, wie bei Donald Trump. Der möchte alle Errungenschaften von Barack Obama einstampfen, einfach weil sie von Obama kommen und weil er es kann.

Beim America’s Cup hätte man das funktionierende Grundkonzept der fliegenden Cupper beibehalten und die Einstiegshürde verkleinern können. Stattdessen treiben die neuen Regeln den Preis in die Höhe, und die Zeiten, als man mit einem ordentlichen Sponsor-Konzept eine Teilnahme erreichen konnte, scheinen weiter entfernt, denn je. Der Cup ist wieder in Händen der Milliardäre.

Spielfeld wird Anspruch nicht gerecht

Cup-Verteidiger und Challenger of Record müssen sich am Meldeergebnis messen lassen, ob sie ein Spielfeld kreiert haben, das dem Anspruch des America’s Cups gerecht wird, die Segelszene in ihren Bann zu ziehen. Mit nur vier Teams an der Startlinie sind sie aber schon jetzt gescheitert.

Weil die beiden Teams das so nicht gerne hinnehmen werden, stehen vielleicht die Chancen nicht schlecht, dass den beiden potenziellen Syndikaten die Nachmeldegebühren erlassen und ihnen weiteres Entgegenkommen gewährt wird. So kam das Team New Zealand schon zu einem Start 2007 in Valencia, als Ernesto Bertarelli dem finanziell schwächelnden Team sogar unter die Arme griff. Deshalb ist auch für 2021 noch nicht das letzte Wort gesprochen. Aber nach einem gesunden Interesse hört sich das nicht an.

Die offizielle Reaktion der Kiwis zum Meldeschluss liest sich so: “Wir sind außer uns vor Freude, drei hochqualifizierte Herausforderer für den 36. America’s Cup bestätigen können. Mit den Teams von diesem Kaliber wird mit den innovativen Yachten das fantastischste Spektakel zu erwarten sein, das die Welt je gesehen hat. Wir begrüßen jeden weiteren Herausforderer von den Teams, mit denen wir uns in Gesprächen befinden.”

Judel/Vrolijk an Bord

Die mögen es aber auch schwer haben, die neue Nationalitäten-Regel zu erfüllen. Derzufolge müssen engagierte Profis ab dem 1. September 2018 bis zum 30. August 2020 380 Tage im Land des Herausforderers leben. Das dürfte nicht allzuvielen Seglern schmecken.

Das britische INEOS Team UK feiert den Schritt der offiziellen Herausforderung. “Trotz 21 Herausforderungen aus England, sind 167 Jahre vergangen, in denen wir die Trophäe nicht gewonnen haben.” Das solle sich nun ändern, und tatsächlich waren die Chancen der Briten wohl noch nie so gut wie jetzt.

Dabei könnte erneut Rolf Vrolijk eine wichtige Rolle spielen, wie zuletzt vor elf Jahren beim Alinghi-Sieg in Valencia. Mit von der Partie war damals Grant Simmer, der aktuelle CEO des britischen Cup-Teams. Er dürfte sich an die Expertise des alten Freundes erinnert haben. Vrolijk wird eng mit Chef-Designer Nick Holroyd zusammenarbeiten.

 

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.
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Ein Kommentar „America’s Cup: Meldeschluss für 2021 abgelaufen – Nur drei Herausforderer“

  1. avatar Christian sagt:

    kein Wunder, dass so wenige Herausforderer gemeldet haben: Das vollständig unerprobte Bootskonzept (“Monohull” mit Ballastfoils) lässt erhebliche Teile der professionellen Segelwelt (ver)zweifeln. Auf das damit verbundene Risiko lässt sich kaum ein Sponsor ein.

    Die foilenden Katamarne haben zuletzt exzellenten Segelsport geboten; sie waren ausgereift und zugleich noch weiter entwicklungsfähig. Es ist ein Kapitalfehler von Team NZL, das Erreichte einfach aufzugeben. Ich mag dieses Team, aber es begeht derzeit eine Riesendummheit.

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 9 Daumen runter 2

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