America’s Cup: Nach nur einer Infektion neuer Lockdown in Auckland – Cup-Match verschoben

Parallelwelt Downunder

Der America’s Cup Auftakt in Neuseeland ist wegen eines erneuten Lockdowns in Auckland verschoben worden. Seit Sonntag gilt für sieben Tage die die zweithöchste Alarmstufe. Ein 21-Jähriger Infizierter hatte mehrere Kontakte.

Zuschauermassen beimn Public Viewing ohne Corona-Beschränkungen in Auckland. © COR 36 | Studio Borlenghi

Neuseelands Einwohner leben seit Monaten in einer Parallelwelt ohne Corona. Bei fünf Millionen Einwohnern verzeichnet das Land bisher kaum mehr als 2.000 Infektionsfälle und 26 Verstorbene. Die vergleichsweise gute Pandemie-Bewältigung ist durch die Abgeschiedenheit der Insel und strenge Maßnahmen der Regierung zu erklären.

Entsprechend ungewöhnlich waren die Bilder von America’s Cup-Zuschauern, die sich beim Public Viewing ohne Maskenpflicht vor den Bildschirmen in Auckland drängten. Aber diese Freiheit hat einen Preis: Bei kleinsten Anzeichen für eine mögliche Virus-Verbreitung machen die Kiwis die Schotten dicht.

Weitere Fälle wahrscheinlich

Das ist auch jetzt wieder passiert. Ein 21-Jähriger bewegte sich vor seinem positiven Test fünf Tage frei in Auckland. Das ist Grund genug dafür, nun erneut mit einem Level 3 Lockdown sieben Tage lang die zweithöchste Alarmstufe auszurufen. Davon ist nun auch der America’s Cup betroffen, das am kommenden Wochenende (6./7. März) starten sollte.

Als nächster Renntag wäre Mittwoch der 10. März geplant, aber die Organisatoren haben sich noch nicht geäußert, ob dann wirklich der Startschuss fallen kann. Regierungschefin Jacinda Ardern hatte erklärt, dass weitere Fälle im Umfeld des identifizierten Virus-Trägers wahrscheinlich sind.

Neuseelands größte Stadt mit 1,7 Millionen Einwohnern geht nun zum vierten Mal in den Lockdown. Die erste Phase vor etwa einem Jahr dauerte mehr als drei Wochen, seitdem waren sie aber jeweils auf knapp eine Woche beschränkt, bis die Cluster identifiziert und die Virusträger isoliert werden konnten.

So werden die Fälle in Neuseeland öffentlich dokumentiert. © Ministery of Health

Am Samstagabend hatte eine Covid-19-App Alarm ausgelöst, als der 21-Jährige positiv getestet worden war. Er steht im Zusammenhang mit dem Cluster der sich am Valentinstag ergeben und zum kurzen Lockdown geführt hat, dem auch der Prada-Cup-Auftakt zum Opfer gefallen ist.

Der Mann hätte sich eigentlich selbst isolieren sollen, hatte sich aber nicht an die Auflagen gehalten und unter anderem in einem Fitnesszentrum trainiert, bei Burger King gegessen und eingekauft. Nun wird in Neuseeland über härtere Strafen für solche Vergehen diskutiert.

Start mit Ausnahmegenehmigung?

Die America’s Cup Organisatoren stehen mit dem Lockdown erneut unter großem Druck, ihren Zeitplan einhalten zu können. Das erste Rennwochenende ist gestrichen worden. Wenn die Alarmstufe aufgehoben wird, kann am 10. März erstmals gesegelt werden.

Der ursprüngliche Zeitplan für den 36. America’s Cup. © ACWS

Ob am Mittwoch allerdings alle Beschränkungen wieder aufgehoben werden, ist nicht sicher. Deshalb versucht Tina Symmans, die Organisationschefin von America’s Cup Event Ltd, eine Ausnahmegenehmigung für Rennen unter Level 3-Beschränkungen zu erreichen. Zuvor beim Prada Cup hatte sie es noch vermeiden wollen, ohne Zuschauer segeln zu lassen, war dann aber von den Italienern gezwungen worden, den vorgesehenen Zeitplan einzuhalten.

Luna Rossa hatte damit auch eigene strategische Interessen verfolgt. Eine Verschiebung hätte wohl bedeutet, bei stärkerem Wind segeln zu müssen. Das mochte den Briten in die Karten spielen. Außerdem wurden zur Vermeidung größerer Zuschauer-Ansammlungen an Land die beiden äußeren Kurse A und E gewählt. Die offenen Renngebiete mit minimalen Windschwankungen bieten kaum Möglichkeiten durch seglerische Entscheidungen einen Gegner zu überholen.

Auch deshalb ließen die bisherigen Rennen viel Spannung vermissen. In den acht Duellen des Prada Cup Finals gab es nur ein einziges Überholmanöver. Mehr Spannung wird auf dem sogenannten Stadion-Kurs C direkt vor dem Hafen von Auckland erwartet, den die Herausforderer eigentlich nach großem Ärger als Austragungsort für ihre Rennserie erzwungen hatten, um sich auf das Cup-Match vorzubereiten.

Die möglichen Rennkurse vor Auckland. © Emirates Team New Zealand

Ob es nun aber im Rahmen der neuesten COVID-Entwicklung dazu kommen kann, ist längst nicht sicher. Wenn weiterhin Level 3 besteht, wird wohl wieder auf den eher langweiligen Außenbahnen gesegelt. Denn eine weitere zeitliche Verschiebung ist nicht einfach. Das Schlussdatum ist mit dem 15 März fixiert. Wenn bis dahin kein Team sieben Siege eingefahren hat, wird der bis dahin aktuelle Stand über den Ausgang der Regatta entscheiden. Ein solches Szenario wäre allen Beteiligten momentan nicht lieb.

Heute müssen sich die Teams entscheiden

Derweil hat die jüngste Verschiebung keine Auswirkung auf den Prozess der Vermessung. Heute müssen die Teams ihre Konfiguration vorführen, mit der sie im Cup-Match segeln. Dazu zählen insbesondere die Foils an Ruder und Auslegern.

Anders als noch in Bermuda, können diese Parameter nicht mehr grundlegend verändert werden. Wer etwa auf Leichtwind setzt und größere Tragflächen vermisst dürfte große Probleme bei stärkerem Wind bekommen. Ein technisch unterlegenes Team wird schon bei dieser Entscheidung große Risiken eingehen, um überhaupt eine Chance zu haben.

Diese Regel wurde von Beobachtern schon vielfach kritisiert, weil sie dazu führt, dass Teams auf Speed-Defizite kaum noch reagieren können und das zu langweiligeren Rennen führt. Andererseits war diese Regel als besonders wichtig gesehen worden, um den Teams Geld zu sparen. Sie mussten Allround-Foils entwickeln, anstatt in weitere Programme für den Bau besonderer Spezial-Sets zu investieren.

Nun wird es also immer wahrscheinlicher, dass ab nächster Woche Mittwoch unter Berücksichtigung des Donnerstags als Nicht-Segeltag alle Rennen bis zum 15. durchgeprügelt werden – mit Zuschauern oder nicht. Für die beiden Teams vergrößert sich dadurch auch das Risiko, durch einen möglichen Schaden Punkte zu verlieren. Es gibt dann keinen Reparatur-Puffer mehr.

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

2 Kommentare zu „America’s Cup: Nach nur einer Infektion neuer Lockdown in Auckland – Cup-Match verschoben“

  1. avatar coist sagt:

    Sieh an, auf einmal will auch Tina ohne Zuschauer segeln lassen.

    Bin sicherlich kein Luna Rossa-Fan, aber der Verbalangriff vor zwei Wochen war schon heftig. Viele Profi-Sportveranstaltungen haben das Privileg, ohne Zuschauer trotzdem stattfinden zu können. Ganz ganz wenige, u.a. Americas Cup/Vorregatten, finden bzw fanden mit Zuschauern statt. Wenn das aber nicht geht, muss man es eben ohne durchziehen. Das Privileg, den Sport ausüben zu können, bleibt. Wie man jetzt sieht, gilt es in der derzeitigen Situation, die sportlich nie unfairen Rennen durchzuziehen und die Slots zu nutzen, wenn es geht. No covid ist derzeit Utopie, Hängepartien wegen jederzeit möglicher neuer Infektionen drohen ständig.
    Natürlich fehlt die Stimmung vor Ort, ist doof, aber selbst das Cup Management sieht es offensichtlich nun ein, dass die Verhältnisse vor Ort eben leider nicht planbar sind.

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  2. avatar E2nO sagt:

    “Das Schlussdatum ist mit dem 15 März fixiert” ist schlichtweg genauso falsch, wie die Behauptung es würde “der bis dahin aktuelle Stand über den Ausgang der Regatta entscheiden”.
    Die NoR vom 07.02.2020 definieren “if the Match is not completed prior to 15 March then racing will continue every day until completion”. Dieser Satz ist zwar “eingerahmt” in den Zeitraum oim 15.03 bis zum 21.03 aber das Protokoll spezifiziert “the Match will be decided by the first yacht to score seven points;”.
    Da das Protokoll über den NoR steht, bedeutet das, dass bis zum 30. April 2021 jeden Tag gesegelt werden kann, bis eine Partei die notwendigen 7 Punkte erreicht. Ist bis zu dem Zeitpunkt kein Ergebnis gefunden, kann wegen der entsprechenden Einschränkung in der Stiftungsurkunde erst wieder im November weiter gesegelt werden, sofern sich die Parteien nicht untereinander auf etwas anderes verständigen können.

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