America’s Cup: Nächste Duelle im November 2022?

"Ein Witz"

Wann und wo wird der 37. America’s Cup ausgetragen? Prada-Cup-Repräsentant Bruno Troublé hält die jüngsten Verlautbarungen für Teile eines Pokerspiels. Er glaubt an acht Teams an der Startlinie.

Bruno Troublé (75) war viele Jahre lang eines der prägenden Gesichter des America’s Cups. Der zweimalige Olympiateilnehmer und America’s Cup Steuermann aus Frankreich organisierte viele Jahre lang als Repräsentant für Louis Vuitton die Herausforderer-Regatta. Als Russell Coutts und Larry Ellison die Veranstaltung in einen Hochgeschwindigkeitswettkampf umwandelten, wurde Troublé zu einem der lautesten Kritiker und geißelte sie als als “vulgäre Strandveranstaltung, die nach Sonnencreme und Pommes riecht”. Umso mehr muss es ihn geschmerzt haben, dass Louis Vuitton trotzdem 2015 einen Sponsor-Vertrag unterschrieb.

Bruno Troublé © St. Tropez Tourisme

Der Traditionalist scheint inzwischen doch mit der Entwicklung abgefunden haben und hatte beim aktuellen America’s Cup wieder eine Schlüsselrolle inne – wenn auch diesmal mit Prada, dem neuen Sponsor der Herausforderer-Serie.

Mit diesem Hintergrund hat er gute Einblicke in die aktuelle Entwicklung beim America’s Cup und gibt gegenüber dem französischen Newsletter Tip & Shaft seine Einschätzung zur Organisation des nächsten Cups ab. So sagt er zur möglichen Regatta 2022 vor der Isle of Wight unter Ausschluss mehrerer Herausforderer: “Für mich ist das ein bisschen wie ein Scherz.”

Bei den jüngsten Gesprächen mit Grant Dalton sei eine mögliche Verteidigung des Cups in Großbritannien nie zur Sprache gekommen. Er pokere offenbar, um die neuseeländische Regierung unter Druck zu setzen. Schließlich werde Team New Zealand Emirates wohl als Sponsor verlieren. Das Flugunternehmen ist durch die Corona-Krise schwer unter Druck geraten.

Am wahrscheinlichsten ist laut Troublé ein schnell organisierter America’s Cup im November 2022 in Auckland, bei dem insbesondere die aktuellen Teams am Start sind. Diese befürworten das, damit sie nicht auseinanderfallen und in der jetzigen Form weiterarbeiten können.

“Man kann sehen, dass Ratcliffe von der Cup-Begeisterung gefangen ist”, sagt Troublé. “Aber respektiert auch seine Geschichte. Ich glaube nicht, dass er als Challenger of Record etwas Verrücktes tun wird.”

Troublé hat sich offenbar mit den schnellen AC75-Foiler arrangiert und hält die vergangene Regatta in Auckland für einen großen Erfolg – auch beim Publikum. In Neuseeland hätten 800.000 der 4 Millionen Einwohner am Fernsehen mitgefiebert. Und es habe Rennen mit 17.000 Zuschauerbooten auf dem Wasser gegeben. Auch in Italien seien trotz der nächtlichen Übertragungszeit 6 Millionen Menschen erreicht worden.

Bis zu acht Teams

Darauf könne man nun aufbauen. “Aber es müssen mehr Teams teilnehmen. Ich kämpfe jetzt hart dafür, dass die acht existierenden Boote von den neuen Teams genutzt werden können.” Das würde die Einstiegshürden deutlich niedriger machen. “Sicher ist, dass neben den Kiwis und den Briten auch die Italiener weitermachen werden, ebenso die Amerikaner. Ich kann mir zwei oder drei weitere vorstellen, und ich träume davon, dass es bis zu acht Teams werden.”

Das Team New Zealand habe mit der neuseeländischen Regierung eine 90-tägige Berufungsfrist vereinbart, nach der eine Entscheidung über den möglichen Verbleib der Veranstaltung in Neuseeland fallen soll.

Prada wird dann als Sponsor der Herausfordererserie nicht mehr zur Verfügung stehen, “weil es mit den Neuseeländern nicht gut gelaufen ist”. Aber Troublé glaubt, dass es kein Problem sein werde, jemand anderen zu finden.

Wichtig sei dann, eine andere Struktur zu finden. Man könne nicht gleichzeitig Challenger of Record und Organisator der Regatta sein. “Das ist eine schlechte Konstellation. Ich habe jeden Tag gesehen, wie schwierig das ist. Damit die Dinge gut laufen, muss der zukünftige Sponsor der Herausfordererserie von den Teams getrennt sein.”

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

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