America’s Cup Neapel Finale: Bruni holt Sieg für Luna Rossa, Slingsby macht Eindruck

"Wir können sie schnappen"

Francesco Bruni war der große Gewinner der America’s Cup World Series in Neapel. Der 40-Jährige Luna Rossa Taktiker gewann diesmal als Steuermann mit einem Sieg im gleich vierfach zählenden Finalrennen die Rennserie punktgleich mit Laser Olympiasieger Tom Slingsby vom Oracle Team USA.

America's Cup World Series in Neapel.

Mehr als eine Millionen Zuschauer zählten die Veranstalter der America’s Cup World Series in Neapel. © Gilles Martin Raget/ACEA

Kurz zuvor hatte Bruni noch äußerst knapp das Match Race Finale gegen Slingsby verloren, nachdem er auch dieses Rennen mit einem grandiosen Start zuerst dominiert hatte. Aber im äußerst spannenden Fleetrace bei drehendem Wind mit so vielen Führungswechseln wie nie während der Serie, übernahm Bruni kurz nach der letzten Luvtonne die Führung.

Dabei profitierte er von einem Schlenker, den der bis dahin auf Platz eins liegende Tom Slingsby bei einem Ausweichmanöver machen musste, als das chinesische Boot auf dem Kreuzkurs in die Quere kam.

Besonders hart traf es die Franzosen vom Energy Team im letzten Rennen. Steuermann Yann Guichard lag mit seinem Katamaran lange Zeit vorne und am Luv-Gate gleichauf mit den ersten beiden Booten. Er verlor aber auf dem letzten Vorwindkurs gut 500 Meter auf Bruni. Die spezielle Punktevergabe bei dieser Regatta, die dem letzten Lauf ein enormes Gewicht gibt – 40 statt sonst 10 Punkte für den Sieg – ließ Guichard auf Gesamtrang sechs zurückfallen.

Die Zuschauer verteilten sich über die gesamte Wasserfront. © Gilles Martin Raget/ACEA

Die Zuschauer verteilten sich über die gesamte Wasserfront. © Gilles Martin Raget/ACEA

Aber die Italiener störte das nicht. Schon auf den letzten Metern vor der Ziellinie schrie ein ungewohnt emotionaler Bruni seine Freude über den Sieg heraus. Vor der heimischen Kulisse gelang ihm ein großer Sieg zum richtigen Zeitpunkt auch wenn er eigentlich keine Bedeutung hat.

Aber wer weiß. Sicher würden das Luna Rossa Team auch lieber ihren großen AC72 Katamaran von einem Italiener steuern lassen. Offenbar hatte man das Francesco Bruni wegen seiner limitierten Katamaran-Erfahrung nicht zugetraut und den britischen ex Extreme Sailing Series Sieger und 49er schon vorab zum Steuermann erklärt.

Aber vielleicht kommt jetzt noch einmal Bewegung in die Sache. Denn Bruni schlug Draper vor Neapel als es drauf ankam. Im Match Race Halbfinale und im Fleetrace Finale.

Bruni mit dem Siegerteller.

Bruni mit dem Siegerteller. © Gilles Martin Raget/ACEA

Eine ähnliche Ausgangslage wie Bruni hatte Tom Slingsby, der von der Oracle Ersatzbank ins Rennen nach Neapel geschickt worden war. Der Laser Olympiasieger bekam eine Chance, sich zu beweisen und nutzte sie eindrucksvoll mit einem Sieg beim Match Race und Rang zwei im Fleetrace.

Die Pressemitteilung:
Steuermann Francesco Bruni und seine Luna Rossa Swordfish Crew haben sich heute den Gesamtsieg bei der America’s Cup World Series Neapel gesichert. Ein Überholmanöver auf dem letzten Vorwindgang des packenden Fleetracing-Finales bescherte Bruni diesen Erfolg. Insgesamt hatte die Führung in der entscheidenden Wettfahrt dreimal gewechselt.

Francesco Bruni feiert Sieg

Bruni hüpft auf die Schultern von Skipper Max Sirena. Der ex Steuermann Paul Campbell James (r.) findet sich offenbar mit den veränderten Machtverhältnissen bei Luna Rossa ab. © Gilles Martin Raget/ACEA

Mit diesem Sieg entschädigte sich der emotionale italienische Steuermann für das zuvor gegen ORACLE TEAM USA SLINGSBY verlorene Matchracing-Finale. Bruni sah seine Leistung im Match Race, in dem er zunächst geführt hatte, sehr kritisch.

„Der Fleetracing-Triumph war die einzige Möglichkeit, den Ärger über unseren Fehler im Matchracing zu vergessen“, sagte Bruni, der beim Louis Vuitton Cup (4. Juli bis 30. August) als Taktiker für Luna Rossa Challenge fungieren wird.

„Der Titel bedeutet mir sehr viel. Wir hatten sogar die Chance auf einen Doppelsieg, aber den haben wir knapp verpasst. Ich kann meiner Crew nicht genug danken. Paul Campbell-James, Max Sirena, Xabi Fernandez und Manuel Modena waren heute großartig.“

Slingsby indes hielt sein Versprechen, die Saisonwertung 2012/2013 der America’s Cup World Series für das ORACLE TEAM USA – den Titelverteidiger im 34. America’s Cup (7. bis 21. September) – unter Dach und Fach zu bringen. Dieser Titel war ihm bereits gestern nicht mehr zu nehmen gewesen, heute kam der Triumph in der Matchracing Championship dazu.

Die AC45 Flotte an der Mooring

Die AC45 Flotte liegt über Nacht mit gesetztem Flügel an den Moorings. © Gilles Martin Raget/ACEA

„Ich bin sehr stolz, dass ich den Pokal der America’s Cup World Series für das ORACLE TEAM USA holen durfte“, meinte Slingsby. Das ORACLE TEAM USA verteidigte damit diesen Titel aus dem Vorjahr. „Jimmy Spithill und sein Team haben die Grundlagen gelegt. Wir mussten nur hierher kommen und unser Bestes geben. Zum Glück haben sie und einen ausreichend großen Vorsprung mit auf den Weg gegeben.“

Die zweite Regatta der America’s Cup World Series in Neapel besuchten noch einmal mehr Zuschauer als das Event im vergangenen Jahr. Die lokalen Veranstalter gehen von mehr als einer Million Besucher aus, die während der einwöchigen Regatta in das America’s Cup Village und an die Küste kamen. Bereits das – außer Konkurrenz gesegelte – Coastal Race hatten am vergangenen Sonntag rund 100.000 Menschen besucht.

Slingsby gewann den Matchracing-Titel mit einem Überholmanöver auf der zweiten Kreuz. Am Leetor hatte er noch 22 Sekunden Rückstand auf Bruni gehabt. Doch dann zeigte Slingsby, warum er den Spitznamen „Windflüsterer“ bekommen hat.

Enge Starts bei den Fleetraces

Enge Starts bei den Fleetraces. Der erste an der Luvtonne gewinnt meist das Rennen. © Gilles Martin Raget/ACEA

„Der Wind war so variabel, dass ich mich sicher war, dass wir eine Chance bekommen könnten“, meinte Slingsby. „Ich wusste: Wenn wir es schaffen, die Dreher auszusegeln und den Gegner dazu bringen, dies nicht zu tun, dann können wir sehr viel Boden gutmachen. Wir haben uns gesagt: ‚Wir können sie schnappen‘. Und zum Glück haben wir das auch getan.“

Slingsby ging an Bruni vorbei, als dieser nicht abdeckte. Bis dahin hatte der Italiener ein brillantes Match gesegelt. Im Vorstart bewies er viel Geduld und blockierte geschickt den Zugang zum Regattakurs.

„Bis zu dem einen, entscheidenden Moment haben wir alles perfekt umgesetzt“, meinte Bruni. „Doch auf der abschließenden Kreuz haben wir leider ein paar große Fehler gemacht. Der Wind drehte sehr stark – und wir haben ein paar Mal sehr schlecht gewendet. So schlecht, dass wir fast vollständig an Fahrt verloren haben.“

Den zweiten Platz in der Saisonwertung der America’s Cup World Series sicherten sich Chris Draper und Luna Rossa Piranha. Das Team, das im vergangenen Jahr die America’s Cup World Series Neapel gewonnen hatte, belegte diesmal den vierten Rang.

Bockende Katamarane.

Am dritten Tag sorgt eine hohe Welle für bockende Katamarane. © Gilles Martin Raget/ACEA

„Kurz vor der Regatta waren wir sehr gut in Form. Vielleicht hatten wir deshalb zu große Erwartungen und haben uns überschätzt“, sagte Draper, der den AC72 von Luna Rossa steuern wird. „Trotzdem: Mit Platz zwei in der Saisonwertung sind wir sehr zufrieden, schließlich sind hier einige richtig gute Teams dabei.“

Mit der America’s Cup World Series Neapel ging die Saison 2012/13 der America’s Cup World Series zu Ende. Nun rückt der „Summer of Racing“ in San Francisco in den Mittelpunkt, der im Juli mit der America’s-Cup-Herausfordererserie um den Louis Vuitton Cup beginnt und im September mit dem America’s-Cup-Finale endet.

Die Franzosen geben mächtig Gas.

Die Franzosen geben mächtig Gas. © Gilles Martin Raget/ACEA

America’s Cup World Series Neapel – Endstand

1. Luna Rossa Swordfish (Francesco Bruni) – 80 Punkte

2. ORACLE TEAM USA (Tom Slingsby) – 80

3. Emirates Team New Zealand (Dean Barker) – 71

4. Luna Rossa Piranha (Chris Draper) – 70

5. J.P. Morgan BAR (Ben Ainslie) – 65

6. Energy Team (Yann Guichard) – 58

7. Artemis Racing White (Charlie Ekberg) – 40

8. HS Racing (R. Hagara/H.S. Steinacher) – 36

9. China Team (Mitch Booth) – 30

 ACWS Neapel 2013 Ergebnisse

Virtual Eye Replays

America’s Cup World Series Neapel – Matchracing Championship

1. ORACLE TEAM USA SLINGSBY, 2. Luna Rossa Swordfish, 3. J.P. Morgan BAR, 4. Luna Rossa Piranha, 5. Emirates Team New Zealand, 6. Artemis Racing White, 7. Energy Team, 8. HS Racing, 9. China Team

 

America’s Cup World Series 2012/13 – Saisonwertung

1. ORACLE TEAM USA SPITHILL/SLINGSBY – 245 Punkte

2. Luna Rossa Piranha – 191

3. J.P. Morgan BAR – 181

4. Emirates Team New Zealand – 171

5. Energy Team – 160

6. Artemis Racing White – 160

7. Luna Rossa Swordfish – 151

8. Team Korea – 105

9. ORACLE TEAM USA COUTTS – 98

10. Artemis Racing Red – 90

11. China Team – 73

12. HS Racing – 36

America’s Cup World Series Matchracing Championship 2012/13 – Saisonwertung

1. ORACLE TEAM USA SPITHILL/SLINGSBY 29 Punkte, 2. Emirates Team New Zealand – 22, 3. Artemis Racing White – 21, 4. ORACLE TEAM USA COUTTS – 16, 5. J.P. Morgan BAR – 15, 6. Energy Team – 15, 7. Luna Rossa Swordfish – 14, 8. Luna Rossa Piranha – 13, 9. Artemis Racing Red – 8, 10. China Team – 5, 11. Team Korea – 5, 12. HS Racing – 3

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.
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3 Kommentare zu „America’s Cup Neapel Finale: Bruni holt Sieg für Luna Rossa, Slingsby macht Eindruck“

  1. avatar wooling sagt:

    Welch ein Optimist. Ich würde mir ja von Herzen wünschen, dass Bruni recht hätte mit seiner Einschätzung. Aber das halte ich aber für so unrealistisch, als wenn Flipper beim ersten Rennen in der SanFran Bucht auftauchen würde und die Amerikanische Nationalhymne fiepen würde.

    Man sollte nicht vergessen, dass Slingsby “nur” Ersatzmann ist und immer noch ganz vorne dabei ist. Die 72er werden sowieso alles neu mischen. Ich befürchte aber, das wird mal wieder Oracle in die Karten spielen. Die konnten ihren Bootsbau immerhin auf die leichten Septemberwinde optimieren, während das riesige Feld von ganzen drei Herausforderern Boote für die stärkeren Sommerwinde bauen musste.

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 6 Daumen runter 0

  2. avatar ticktack sagt:

    selten so viele Profis so langweilig um Tonnen fahren sehen…

    der luvtonnen innen raum ist ja wohl mega dämlich, die Penalty-Regel unfassbar langweilig und bei den starts passiert meist gar nix….?

    mit Match Race hat das leider meißt gar nix zu tun?

    Heisse Debatte. Was meinst du? Daumen hoch 8 Daumen runter 5

    • avatar AC Fan sagt:

      Wenn’s so ätzend ist, guck es dir doch einfach nicht mehr an … und verschon uns.

      Heisse Debatte. Was meinst du? Daumen hoch 4 Daumen runter 8

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