America’s Cup Neapel: Luna Rossa Heimteam siegt im Flauten-Finale

Italienischer Enthusiasmus

Das Finale der America’s Cup World Series in Neapel stand eigentlich unter keinem guten Stern. Am Samstag wehte es so stark, dass keine Rennen stattfanden. Am Sonntag ging das große Final-Flottenrennen bei grenzwertigen Flauten-Bedingungen über die Bühne. Es regnete in Strömen.

Verrückt. Die Italiener beobachten mit Schirmen auf den Steinen die Kats beim Auslaufen. © Gilles Martin-Raget

Das Erstaunliche: Die Neapolitaner ließen sich nicht davon abhalten, auf der Mole ihren Heimteams zuzujubeln. Sie feierten ein großes Segelfest und ließen sich von der Rarität einer live aufbereiteten Regatta in ihren Bann ziehen.

Einen großen Anteil daran hatte die Leistung des Luna Rossa Heimteams von Prada Impressario Patrizio Bertelli. Der späte Einstieg des Italieners, der einmal zu den größten Kritikern Ellison zählte und sogar einen Gegen-Cup plante, hat dem America’s Cup eine neue Komponente gegeben. Leidenschaftliche Fan-Unterstützung.

Unglaublich, welchen Enthusiasmus die Italiener an den Tag legten. Aber das Heimteam gab auch genug Anlass. Dafür sorgte besonders die erstaunliche Zählweise bei Rennauswertung. So wurde eine Sieg beim siebten und finalen Fleetrace mit 50 statt bisher 10 Punkten bewertet und hatte damit eine noch größere Bedeutung als die klassischen olympischen Medal Races.

Durch diese Punktwertung hatten sechs Teams noch die Chance nach dem quasi The-Winner-Takes-All-Finale die Fleetrace-Wertung zu gewinnen. Diese Chance nutzt der Brite Chris Draper vom Luna Rossa “Piranha”-Team nach einem Leestart mit Speed an der Linie.

Die Prada-Kollegen vom “Swordfish” nahmen die in der Gesamtwertung führenden Kiwis geschickt aus dem Rennen, indem sie die Türe am Startschiff dicht machten, und eröffneten Draper den Weg zum Gesamtsieg.

Der Sieg des “Piranha”-Teams mit dem italienischen Star-Taktiker Francesco Bruni geriet danach nicht mehr in Gefahr, auch wenn der Wind teilweise zusammenbrach. Nicht schön, die Katamarane ohne Fahrt bei den Tonnenmanövern zu sehen. Dabei half es auch nicht, dass erstmalig die 9 Quadratmeter Flügel-Verlängerungen im Renneinsatz zu bewundern waren.

Am ersten Leetor kam es beim Kampf um die Innenpositionen zu einem Stau, in dessen Folge es die Teams kaum schafften vom Vor- zum Am-Wind-Kurs zu wechseln. Wenn die Multis einmal auf einer suboptimalen Anliegelinie ihre optimale Anströmung verlieren, ist der Speedverlust extrem.

Das wurde besonders dem “Swordfish”-Piloten Paul Campbell James zum Verhängnis. Auf Platz drei verpasste er die Anliegelinie zur Luvtonne nach einem starken Linksdreher, musste zweimal kurz wenden und wurde während des zweiten Manövers von Artemis erwischt.

Eine Ewigkeit trieb das Prada Team im Wind und konnte einfach die zweite Wende nicht abschließen.  Es erhielt somit auch noch einen Penalty von der Jury, weil Artemis einen Schlenker steuern musste. “Swordfish” fiel von Platz drei auf den letzten Platz zurück.

Großer Gewinner im Rennen war James Spithill, dessen Taktiker John Kostecki ihn nach einem schwachen Beginn in einen starken Linksdreher lotste, der für Platz zwei ausreichte.

Völlig unter gingen die Match Races. Jeweils ein Rennen entschied über das Weiterkommen. Im Finale traf das im Fleetrace enttäuschende Artemis Team auf Luna Rossa “Piranha”, wo Taktiker Francesco Bruni immerhin aktueller Match Race Vize-Weltmeister ist. Nach einem verlorenen Start konnten die Italiener keine Akzente mehr setzen.

Geradezu sportlich lächerlich verlief das Speed-Event bei drehendem, flauem Wind. Der Sieger Bundock hatte bei seinem letzten Lauf einfach mehr Wind. Für die Zuschauer war es dennoch eine hübsche Show.

Die zweite Auflage der America’s Cup World Series in 2012 findet vom 15. – 20. Mai in Venedig statt.

Ergebnisse

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Carsten Kemmling

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16 Kommentare zu „America’s Cup Neapel: Luna Rossa Heimteam siegt im Flauten-Finale“

  1. avatar Nord sagt:

    Warum zählt das letzte Rennen denn so viel? Da segelt ein Team so konstant gut wie ETNZ und dann werden sie dritter nur weil sie ihren Ausrutscher im letzten Rennen hatten, sowas macht doch keinen Sinn.

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    • avatar Carsten Kemmling sagt:

      die idee ist die gleiche wie beim doppelt zählenden olympischen medalrace. am ende soll es noch einmal spannend werden. aber die fünffache wertsteigerung für den sieg erscheint mir auch sehr fragwürdig.

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  2. avatar T.K. sagt:

    Ich fand das Ganze war ein Face:

    1. Match Race – häh? hab ich was verpasst? Ja habe ich – da es nicht live übertragen wurde. Shame on AC-Organizers. Will mir auch nicht auf jeden Rechner diese Zusatzsoftware drauf ziehen.
    2. Speed Trials – Lachnummer bei dem Sturm!
    3. Fleetraces. Da werden zunächst nur 6 von 8 Fleetraces ausgetragen. Zumindest diese 6 bei weitestgehend regulären Bedingungen. Dann kommt das letzte Fleetrace bei für diese Kats unsegelbaren (zumindest unfairen) Bedingungen zustande und der Gewinner bekommt soviele Punkte als hätte er zuvor 5 Fleetraces gewonnen – wohlgemerkt für ein Rennen. Wenn wenigstens der Kurs länger gewesen wäre, aber nix da, war nur ein Slow Motion Dümpeln. Shame on AC again. Ich habe mich zunächst total gewundert warum sich Prada ob des einen Sieges so freut. Erst beim nachchecken stellte ich fest, dass die für dieses unfaire Rennen die 5 fache Punktzahl erhalten hatten

    So kann man jedenfalls das Ganze vergessen, besonders wenn das unsegelbarste Rennen über alles entscheidet.
    Mein moralischer Gewinner ist Spithill (auch wenn ich Oracle nicht leiden kann). Spithill wäre m.E. bei gleicher Wertung aller Rennen punktgleich mit ETNZ gewesen. Prada unter ferner liefen.

    Aber so ist das halt wenn man komische Regeln aufstellt.

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  3. avatar T.K. sagt:

    Im ersten Satz soll es heissen:

    …..war eine Farce

    Schade das man immer noch nicht seinen eigenenn Post edititeren kann.

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  4. avatar Ballbreaker sagt:

    Oh man…..

    Grade der Flautenteil zeigt doch mal schön das “überragende” neue Konzept der AmericasCupWorldSeries.

    Langweilig ohne Ende!!! Die gefühlten stundenlangen Manöver werden nochmal ein wenig länger und bei Flaute steht sogar der schnellste Kat.

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    • avatar stefan sagt:

      Also ich fand das stundenlange Warten auf geeignete Bedingungen mit den IACC immer deutlich langweiliger, als das was ich da gestern in Neapel gesehen habe. Was hat man sich früher Tage und Nächte mit Langeweile um die Ohren geschlagen. Mit den Kats wird wenigstens gesegelt.

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  5. avatar Christian sagt:

    Ist Teamsegeln nicht auch laut den AC-Regeln verboten? Prada-Swordfishs Manöver am Startschiff sieht zwar für sich genommen regelkonform aus. Aber wenn die (kaum beweisbare) Absicht gewesen ist, Team ETNZ auszubremsen, ist es nicht mehr regelkonform.

    Alles in allem sollte da wohl unbedingt ein Sieg eines italienischen Teams her. Damit in San Fran dann Oracle wieder auftrumpfen kann.

    Ich freu mich aufs Frauen-Matchrace bei Olympia. Da wird in jedem Fall guter Sport geboten.

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    • avatar Wilfried sagt:

      Verschwörungstheoretiker vor. Swordfish fährt in Luv einen super Start und ETNZ kann doch nicht ernsthaft erwartet haben, dass die Italiener ihnen die Tür offen halten um sich dann von hinten überbraten zu lassen. Das hatte aber auch gar nichts mit Teamsegeln zu tun. Mit ein bisschen mehr Druck wäre die Luvposition für Swordfish der Winner gewesen. Bie so wenig Druck wr die Lee-Postition von Piranha eben besser.

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      • avatar Christian sagt:

        na, na, Wilfried, einer Verschwörungstheorie bedarf es schon ein bisschen mehr. Z.B. solcher Ergebnisse wie beim Volvo Ocean Race, wo das Inport Race auch immer vom jeweils lokalen Team gewonnen wird. Was für ein Zufall 😉

        Fakt ist, dass in Neapel ohne die seltsame Punktewertung im letzten Rennen Pradas Gesamtsieg nicht mal theoretisch möglich gewesen wäre. Und Swordfishs Abklemm-Manöver tat das übrige dazu. Ob es absichtliches Teamsegeln war, wird sich nicht beweisen lassen. Das Gegenteil aber auch nicht.

        In jeden Fall ist es sehr heikel, wenn ein Rennstall mehr als ein Team ins Rennen schickt. Das hat bekanntlich auch bei der echten Formel 1 schon oft zu seltsamen Konstellationen geführt.

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  6. avatar matti sagt:

    Viva Italia!

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  7. avatar wolling sagt:

    Wenn man denkt das war nun der Höhepunkt der Peinlichkeiten, legt das AC Management noch einen drauf.
    Glauben die denn ernsthaft, dass dieses ständige Regel-Gefummel professionell ist?

    Diese Hammerfehler und Ungeschicklichkeiten sind halt schwerer zu verzeihen, wenn man noch die dicken Sprüche von “alles wird viel besser” in Erinnerung hat. Fakt ist: die Übertragung der Match Races funktioniert nicht, das Regelement wird ständig geändert um ganz offensichtlich künstlich die Spannung zu erhöhen. Vermutlich unbewusst, wird sogar Stallorder möglich. Manches ist ungeschickt, manches unprofessionell.

    Ich kann mich des Eindrucks nicht erwehren, dass der Eindruck geweckt werden soll, das OR nicht übermächtig ist. Aber auch da finde ich, dass sie das nicht glaubwürdig hinbekommen. Luna Rossa gewinnt in Italien, wie passend für das Storybook.

    Ich drücke ETNL die Daumen, dass Sie das Ding gewinnen und der AC 35 wieder ein echter AC wird. Allerdings glaube ich selbst nicht daran, dass OR diesen Cup verlieren wird, solange LE nicht das Interesse verliert.

    Schlimm finde ich nicht nur dass der AC beschädigt wird, sondern auch die bis dahin erfreuliche Extreme-Sailing Serie unter diesem rumgecupe leidet.

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    • avatar Christian sagt:

      Ja, was das AC-Management angeht, ist scharfe Kritik notwendig. Wäre ja auch naiv gewesen zu glauben, dass LE ganz altruistisch eine sportlich ganz saubere und faire Veranstaltungsreihe auf die Beine stellen lässt.

      Die Wahl der AC45-Kats würde ich von dieser Kritik ausnehmen. Sicher, sie haben spezifische Nachteile, insbesondere schlechte Manövrierbarkeit bei leichtem Wind, aber auch einige Vorteile. Die alten Cupper hatten auch Nachteile, z.B. ein recht kleines Windfenster, in dem racen mit ihnen möglich war.

      Ebenfalls ausnehmen von der Kritik muss man die Segler, die nach allem, was man bisher sah, für ihr Geld ansehnliche Leistungen bringen. (wäre mal interessant zu wissen, was die vom aktuellen Format denken. Leider ist ihnen Kritik daran vertraglich verboten. Team ETNZ hat in Neapel sicherlich gekotzt vor Wut.)

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  8. avatar wooling sagt:

    @Christian. Ich stimme dir völlig zu. Die Sportler verdienen überhaupt keine Kritik, die machen einen tollen Job.

    Ich denke aber, die Teams verdienen Kritik. Wenn die Jungs LE mit diesem “Konzept” ignoriert hätten und eine Alternativserie gestartet hätten, wäre der Spuk schnell vorbei gewesen. Das ist der Nachteil, wenn Milliardärteams wir OR oder Artemis Entscheidungsgewalt haben. Das Segelproletariat, also die Teams die sich die Finanzierung hart erarbeiten müssen wie Energy oder ETNZ, sind leider mit aufgesprungen und der Hoffnung erlegen, das die sportlichen Talente sich gegen das Kapital durchsetzen werden.

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    • avatar Christian sagt:

      hihi, dass ETNZ zum “Segelproletariat” gezählt wird, würden die Kiwis wohl eher zurückweisen… die Bezeichnung trifft wohl eher für die Lohnsegler im Dienste der Rennställe zu. Eine kleine Revolte gegen deren semifeudalen Milliardärseigner, à la Französische Revolution, würde mir jedenfalls gefallen…

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