America’s Cup: Neuer Kiwi-Cupper der besonderen Art – Cockpit tiefer gelegt

"Wie ein Rennwagen"

Das Emirates Team New Zealand hat als letztes der vier America’s Cup-Team seinen AC75 der zweiten Generation vorgestellt. Es sieht ähnlich radikal aus wie der britische Cupper.

Nach American Magic, Luna Rossa und dem INEOS Team UK hat auch das Emirates Team New Zealand seinen zweiten AC75 der neuesten Generation vom Stapel laufen lassen. Das Boot wurde gesegnet und von Lady Margaret Tindall, Ehefrau des Gründers der größten neuseeländischen Einzehandelskette The Warehouse, bei einer Zeremonie vor fast 900 Menschen. Die Neuseeländer können sich so etwas auch in Corona-Zeiten leisten. Am Tauftag wurden im Land nur drei neue Fälle gezählt. Der Namen der neuen Yacht “Te Rehutai” bedeutet in der Maori-Sprache einen Ort, der die Kraft des Ozeans umsetzt. Die Feier wurde wie üblich mit dem Haka-Kriegstanz einer Maori-Gruppe eingeleitet.

Emirates Team New Zealand zeigt seinen neuen AC75 ‘Te Rehutai’ © Emirates Team New Zealand

Zum spektakulären Neubau sagt  Team-CEO Grant Dalton bei der Taufe: “Es ist ein grundlegender Fehler zu glauben, dass man ein Boot entwirft”, des neuen America’s Cupper, der für Neuseeland den 36. Cup verteidigen soll. “Man muss das Boot als ein Objekt betrachten. So wie einen Rennwagen.”

Taufzeremonie mit Haka-Tanz. © Emirates Team New Zealand

Entsprechend wenig ähnelt der neue Kiwi-Cupper einem klassischen Boot. Vielmehr wurde seine Form überwiegend nach aerodynamischen Vorgaben geformt. Und dabei untescheidet sie sich erstaunlich deutlich von ihrem Vorgänger und von der Konkurrenz. Besonders bei der Cockpit-Gestaltung gehen die Kiwis neue Wege, indem sie den Cockpit-Boden tiefer gelegt haben und die Crew seitlich in windgeschützten Bereichen arbeitet. Bei scheinbaren Windgeschwindigkeiten von mehr als 60 Knoten über Deck sollte die Crew keine große Angriffsfläche bieten.

Lady Margaret Tindall tauft den neuen ETNZ-AC75 Cupper © Emirates Team New Zealand

Dan Bernasconi, Leiter der Designabteilung, sagt: “Wir haben nach dem perfekten Gleichgewicht zwischen hydrodynamischer und aerodynamischer Leistung gesucht. Ein AC75, die nur für die Beschleunigung und den Startaus dem Wasser optimiert wurde, würde ganz anders aussehen als einer, der allein für den Flug optimiert wurde. Und das spiegelt sich in den enormen Unterschieden wider, die wir zwischen den Yachten unserer Wettbewerber sehen. Te Rehutai ist so konstruiert, dass sie in beiden Bereichen – auf dem Wasser und in der Luft – hervorragende Leistungen erbringt. Wir sind zuversichtlich, dass sie im gesamten Bereich der Windgeschwindigkeiten, die wir beim America’s Cup sehen werden, konkurrenzfähig sein wird.”

Radikaler Wulst unter dem neuen britischen Cupper. © INEOS Team UK

Kevin Shoebridge, COO des Emirates Team New Zealand, erklärt, wie viel Mühe es gekostet hat, Te Rehutai auf das Wasser zu bringen. “Wir hatten unseren Starttermin für unser Rennboot schon seit fast einem Jahr im Kalender geplant. Es ist also wirklich eine große Leistung, dass wir heute Te Rehutai zu Wasser lassen, wenn man bedenkt, dass wir bei der ersten COVID-19-Sperre 5 Wochen Bauzeit verloren haben.”

 

Nachdem Luna Rossa seinen neuen AC75 kaum sichtbar unterschiedlich zur ersten Version geformt hat, war vermutet worden, dass auch die Neuseeländer keine Revolution anstreben. Schließlich haben sie die Regelvorgaben zusammen mit den Italienern ausgearbeitet und entsprechend früher als die Konkurrenz die Daten durch die Design-Computer jagen können.

Aber nun sieht ihr Boot besonders unter Wasser mit dem ausgeprägten Skeg ähnlich radikal aus wie das der Briten. Es geht darum, bei geringer Flughöhe möglichst wenig Luftaustausch zwischen der Luv- und Lee-Seite zu ermöglichen.

Steuermann Peter Burling sagt: “Es ist immer aufregend, ein neues Spielzeug zu bekommen, aber wir sind schon über den Punkt der größten Aufregung hinaus. Die nächsten zwei Wochen werden zu den entscheidendsten für die Kampagne gehören. Es geht darum, unsere Entwicklung fortzuführen. Schließlich müssen wir in wenigen Wochen zum ersten Mal damit Rennen fahren.“

Bis zu 20 Prozent schneller nach dem Feintuning

Bei America’s Cup Yachten der neueren Generation galt es zuletzt als normal, dass sie in der Entwicklung nach dem Stapellauf bis zu 20 Prozent leistungsfähiger werden. Das zeigt, wie wichtig der nun beginnende Tuning-Prozess ist.

Das Segelteam der Neseeländer war seit fast fünf Wochen nicht mehr auf dem Wasser. Es fiebert darauf, mit dem neuen Spielzeug seine Runden zu drehen. Die ersten Segelstunden sollen am Freitag erfolgen.

Der neue AC75 vom INEOS Team UK mit seiner sehr speziellen Vorderansicht. © INEOS Team UK

Der Wulst unter dem Rumpf. © AMERICAN MAGIC

Der Challenger of Record Luna Rossa hat den Herausforderern einen Nachteil erspart. © Luna Rossa

Das neue Luna Rossa Cockpit ähnelt sehr dem der Amerikaner mit seinen beiden Crew-Tunneln und der Endplatte dazwischen.

Das geschlossene Cockpit mit zwei schmalen Kanälen für die Crew. © AMERICAN MAGIC

 

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

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