America’s Cup: Oracle ist erneut mit seinem Katamaran in Bermuda gekentert

Am Rad gedreht

Oracle Team USA ist beim Training bei einer Vorstart-Übung im starken Wind erneut gekentert. Ob das alles mit rechten Dingen zugeht?

Vor fast genau einem Monat hat der America’s Cup-Verteidiger seinen AC50 Katamaran im Great Sound Bermuda auf die Seite gelegt. Nun ist es erneut passiert. Gleich drei Videos dokumentieren den Vorfall, und das US-Team berichtet auch selbst.

Das Malheur passierte bei einer Vorstart-Übung und eher starkem Wind zwischen 15 und 18 Knoten. Irgendetwas ist in der Halse schief gelaufen. Offenbar versuchten Spithill und Slingsby nach der Halse eine scharfe Drehung zum Anluven auszuführen. Dabei wurden die G-Kräfte zu groß oder der Anstellwinkel der Foils passte nicht zum Manöver.

Es kann aber auch sein, dass solch eine Kenterung zu diesem Zeitpunkt von Marketing-Strategen erwünscht wird. Gut zwei Wochen vor dem Start der Regatta gilt es Aufmerksamkeit für diese Veranstaltung zu generieren, die noch längst nicht im Mittelpunkt der aktuellen Sportberichterstattung steht.

Die Medien springen darauf an. Schließlich löst eine Kenterung der Foiler-Katamarane immer noch Assoziationen zu dem Artemis Unglück 2013 aus und dem Oracle-Überschlag unter der Golden Gate Bridge, bei dem der 72 Fußer in der Strömung und Welle fast vollständig zerstört wurde.

Von einer solchen Auswirkung ist der Vorfall in Bermuda weit entfernt. Der Katamaran ist deutlich kleiner, die Segler sind geschult. Sie wissen wie sie nicht mehr aus dem Luvrumpf fallen. Und durch Auftrieb im Topp kentert das Schiff nicht mehr durch.

Erstaunliches Anluven

Oracle bestätigt die Kenterung in einer kurzen Meldung und weist darauf hin, dass es keine Verletzungen und nur kleinere Schäden gegeben habe. Dabei sieht es auf den Videos so aus, als sei das Umkippen kaum spektakulärer als eine Laser-Kenterung. Der Kat wird ohne Probleme per Seil am Masttopp von einem Motorboot wieder aufgerichtet.

Auf dem Onboard-Video ist zu erkennen, dass zum Zeitpunkt des Geschehens beide Steuerräder besetzt sind. Tom Slingsby dreht links am Rad und James Spithill rechts. Dabei ist es erstaunlich, dass die beiden im Moment der beginnenden Schräglage nach rechts drehen, um anzuluven.

Das ist bei jedem anderen Boot in einer Halse die verlässlichste Einleitung einer Kenterung. Entweder wollen die Beiden ihr Schiff also bewusst umkippen, oder es handelt sich doch um die Übung eine scharfe Drehung im Vorstart hinzubekommen.

Dafür müsste dann das Luv-Foil im Wasser sein und durch seinen Anstellwinkel den Rumpf nach unten ziehen, um die plötzliche Querkraft auszugleichen. Das hat durch die Krängung aber schnell keinen Grip mehr. Insofern ist es zumindest erstaunlich, dass die Steuermänner weiter in den Wind luven. Normalerweise müsste man schnell abfallen, um eine Kenterung zu verhindern.

P.S Die neue Grinder-Konfiguration, die das Team gut beobachtet von der Konkurrenz auf seiner Basis testete, ist noch nicht auf dem AC50 installiert. Es wird sich zeigen, wann und ob die Cup-Verteidiger diesen Weg weiter beschreiten

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Carsten Kemmling

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Ein Kommentar „America’s Cup: Oracle ist erneut mit seinem Katamaran in Bermuda gekentert“

  1. avatar Harald Berlinghof sagt:

    Guten tag

    ich bin Reporter für die Heidelberger Tageszei5tung und würde gerne etwas machen über den America´s Cup 2017. Komme aber bei der Recherche nicht voran. Könnte ich mit Herrn Kemmling Kontakt uafnehmen. Tel. oder e-mail?

    Danke

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