America’s Cup: “Patriot” beim ersten Abflug – Briten zeigen ihren neuen “Langkieler”

Wer wird denn gleich in die Luft gehen?

Die America’s Cup-Welt ist wieder in Bewegung geraten, seit Amerikaner und Briten die zweite Version ihrer Rennboote zu Wasser gelassen haben. Eines hat schon einen haarigen Stunt vollführt.

Der erste Testschlag des neuen US-Cuppers “Patriot” hat die Herzen der American-Magic-Fans stehen lassen. Ein Beobachter filmte den AC75, wie er in voller Fahrt auf dem Vorwindkurs erst in die Luft stieg und dann mächtig mit dem Bug ins Wasser krachte. Das Schiff verschwand hinter einer Gischt-Fontäne, stoppte auf und drehte in den Wind.

Der “Abflug” der neuen American-Magic-Yacht. © WILL RICKETSON / AMERICAN MAGIC

Der Wind hatte bei dem ersten Testschlag der Amerikaner auf 21 Knoten aufgefrischt und den Neubau offenbar schon an eine Grenze gebracht. Auf dem Video sieht es so aus, als würde die Strömung am T-Foil des Ruders abreißen. Das Heck sackt ab, der Anstellwinkel des Hauptfoils ändert sich abrupt und sorgt für unerwünschten, zusätzlichen Auftrieb – so lange bis es den Wasserkontakt verliert. Danach knallt das Schiff mit dem Bug ins Wasser.

“Patriot” im Schlepp

Es spricht für die AC75-Klasse, dass der fällige Überschlag ausbleibt, der bei ihren Vorgängern, den AC50-Katamaranen, unweigerlich erfolgt wäre. Auch das Rigg ist oben geblieben. Aber der maximale Druck im System durch das abrupte Abstoppen kann durchaus zu Folgeschäden geführt haben.

Dass sich “Patriot” im Highspeedmodus durchaus stabil durchs Wasser bewegen kann, hat sie schon im Schlepp gezeigt:

Ansonsten ist zu erkennen, dass die Amerikaner nun auch ihrem neuen Design  einen kleinen “Buckel” am Unterwasserschiff hinzugefügt haben, wie ihn schon Luna Rossa und Neuseeland bei ihren ersten Konstruktionen zeigten. Er soll den Abstand zwischen Rumpf und Wasser verringern, den Luftaustausch unter dem Rumpf minimieren und dadurch aerodynamische Vorteile generieren.

Der Wulst unter dem Rumpf. © AMERICAN MAGIC

Außerdem ist das Cockpit nun im Mittelteil geschlossen. Es schließt bündig mit dem Großsegel ab. Die Crew duckt sich seitlich in zwei schmale Kanäle. Sie kann offenbar im Manöver nicht die Seite wechseln.

Das geschlossene Cockpit mit zwei schmalen Kanälen für die Crew. © AMERICAN MAGIC

Die neue “Rakete” der Amerikaner. Hauptsache wenig Abstand zum Wasser unter dem Rumpf. © WILL RICKETSON / AMERICAN MAGIC

Ainslies neue Rakete

Nach den Amerikanern hat auch Ben Ainslie seine neue Rakete enthüllt. Und diese Konstruktion bestätigt zumindest optisch, die Aussage von INEOS Team UK CEO Grant Simmer dass er sich überzeugen lassen musste, mit dem Design einen sehr radikalen Weg zu gehen.

Die Form des britischen Bootes unterscheidet sich signifikant von allen bisher gesehenen fünf AC75. Es weist einen extremen Unterbau auf. Nicht nur einen angedeuteten Wulst unter dem Rumpf wie bei den Gegnern, sondern eine langgezogene eckige Form, die den Abstand zum Wasser verringert.

Radikaler Wulst unter dem neuen britischen Cupper. © INEOS Team UK

Im Low-Rider-Modus ist das bestimmt nicht schnell. Aber es wird erwartet, dass ein Boot der neuen AC75-Generation ein Rennen zu hundert Prozent über dem Wasser absolvieren muss, wenn es gewinnen will. Ainslie sagt bei der Taufe: “Das Boot sieht aus wie eine Rakete, und wir hoffen, dass es auch wie eine segelt.”

Wird diese aerodynamische Form den Briten den Extra-Boost bringen? © INEOS Team UK

Am Dienstag wird der Stapellauf der neuen Luna-Rossa-Yacht erwartet. Von den Neuseeländern ist noch nicht bekannt, wann sie ihren Neubau zeigen. Das erste Zusammentreffen der vier neuen Cupper erfolgt in acht Wochen bei der Aufwärmregatta Christmas Cup am 17. Dezember.

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

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