America’s Cup: Rematch der Ruder-Champs am Grinder – Die Kraftpakete auf den Cuppern

Blick in den Maschinenraum

Acht der elf Segler eines AC75 beim America’s Cup sorgen durch Muskelkraft für die Energiebereitstellung. Beim Finale zwischen Kiwis und Italienern ist es zu einem erstaunlichen Duell zwischen zwei Ruderern gekommen.

In Neuseeland ist das olympische Ruder-Finale 2012 im Doppelzweier gerade bei den Halberg Awards zum besonderen Sportmoment der Dekade gewählt worden. Bei einem faszinierenden Wettkampf in London rang die Kiwi-Crew das italienische Duo auf den letzten Metern der 2000 Meter-Strecke nieder und holte sich die Goldmedaille.

Dieser Moment hat bei der Wahl eine besondere Würdigung erhalten, weil es zu einem Rematch gekommen ist – allerdings auf anderem Terrain. Der Neuseeländer Joseph Sullivan gehört als Grinder der Team New Zealand Mannschaft an, die vor Auckland den America’s Cup verteidigte. Auf dem anderen Boot in gleicher Position kurbelte Romano Battisti, der Ruder-Gegner von 2012 an der Kaffemühle. Das Ergebnis war gleich. Neuseeland vor Italien.

Joseph Sullivan, Ruder-Olympiasieger 2012 und Grinder beim Team New Zealand. © ETNZ

Romano Battisti, Olympia-Silber-Ruderer 2012 im Doppelzweier und Grinder bei Luna Rossa. © LNR

Der Anteil der Grinder am America’s Cup-Erfolg geht oft unter. Dabei arbeiten acht der elf Crewmitglieder eines AC75 auf höchstem physischem Niveau. Sie müssen zwar anders als noch in Bermuda nicht die komplette Energie für die beweglichen Teile an Bord liefern – die Foils werden durch Batterien angestellt – aber Winschen und Segel können ohne ihre Kraft, mit der überwiegend Öldruck in die Hydraulik gepresst wird, nicht bewegt werden.

Dabei gilt: je mehr Energie bereitgestellt werden kann, umso größer sind die Möglichkeiten der Teams, Manöver oder Trimm-Änderungen auszuführen. Da Fahrradgrinder inzwischen verboten sind, kommt der Armkraft wieder eine besondere Bedeutung zu. Kein Wunder, dass bei allen Cup-Teams hochdekorierte Ruderer, Kajakfahrer oder Schwimmer für den Job an der Kurbel besonders hoch im Kurs stehen.

Es geht sogar völlig ohne Segelhintergrund, wie bei Marius van der Pol, der durch einen nationalen Indoor-Ruder-Rekord 2018 ins Team rutschte und seine Leistungsfähigkeit an der Kurbel bestätigte. Aber das Grinding-Team der Neuseeländer zeichnet besonders dadurch aus, dass es nicht allein um schiere Kraft geht. Mit Josh Junior und Andy Maloney stehen zwei der besten Finn-Dinghy-Segler der Welt in ihren Reihen. Sie können während der Arbeit an der Mühle auch noch technische Aufgaben beim Trimm erfüllen, indem sie Knöpfe auf dem Boden mit den Füßen bedienen.

Im Schnitt wiegen die Grinder auf den Cuppern 95 Kilogramm und können mit ihren Armbewegungen im Schnitt über 20 Minuten 300 Watt produzieren. Die Lastspitzen sollen bei nahezu 1000 Watt liegen.

Ex-Irak-Soldat Marius van der Pol qualifizierte sich als TNZ-Grinder über die nationale Bestzeit beim Indoor-Rudern. © ETNZ

Die beiden Olympia-Ruderer Sullivan und Battisti haben die Wiederaufnahme ihrer sportlichen Rivalität vor Auckland genossen. Der Neuseeländer erzählte bei den Feierlichkeiten der Halberg Awards: “Wir sind in den Jahren locker in Kontakt geblieben. Aber ich wusste erst ziemlich spät, dass er zu Luna Rossa gehört. Ich war ein bisschen überrascht als ich mir die Crew-Liste ansah. Wir haben uns ausgetauscht und ein paar Wetten zwischen uns abgeschlossen. Ich schulde ihm immer noch ein Abendessen. Es waren ein paar verrückte, turbulente letzte Wochen und Jahre.

Sullivan ist noch nicht fertig mit dem America’s Cup. “Ich würde ihn gerne noch einmal verteidigen”, sagt er gegenüber dem Kiwi-Medienportal stuff. ” Man will irgendwie nicht aufhören und macht einfach weiter, bis man nicht mehr kann. Ich werde alles geben, was ich kann. Und wenn ich es ins Team schaffe, werde ich sehr glücklich sein. Wenn nicht, gibt es immer ein gutes Team dahinter.”

Tatsächlich wird es möglicherweise beim nächsten America’s Cup schwieriger, einen Platz am Grinder zu ergattern. Es gibt Pläne, die Zahl der starken Männer an Bord zu begrenzen und mehr Batterie-Power zu erlauben, um Kosten für die Crew zu sparen. Segel-Puristen werden nicht traurig darüber sein.

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

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