America’s Cup San Diego: Spithill holt Doppelsieg für Oracle. Franzosen mit starkem Auftritt

Der Oberknaller

Es war nett, am Wochenende die Berichterstattung von der America’s Cup World Series zu verfolgen. Während mich das Match Race Format sportlich immer weniger überzeugt, war allerdings das Fleetrace am Sonntag der Oberknaller.

Das vielleicht beste Manöver der Rennen in San Diego. Spithill (r) hat die Überlappung an der ersten Tonne Dean Barker (rot) nutzt den Speed beim Abfallen zu einem krassen Jibe-Set vor dem Gegner. © 2011 ACEA/Gilles Martin-Raget

Das hatte sicher auch mit dem stärkeren Wind zu tun, der sogar die vorgeschalteten Speed-Trials ansehnlich machte, die sportlich eigentlich ein No-Go sind. Aber sie sollen als “Crowd-Pleaser” für das Publikum fungieren und das absolute Speed-Potenzial der Kats zeigen.

Das Fleetrace hatte dann aber alles, was der Segelsport generell bieten kann. Ein spektakulärer Start, ein unglaublich haariges Manöver vom Team New Zealand mit einer Halse vor Spithill an der ersten Tonne, eine Harakiri-Luvtonnen-Annäherung von Spithill mit Wind von Backbord durch das Feld, die zum Racewinner wurde, unvorhersehbare Verschiebungen im Feld, einen spannenden Vierkampf um Rang zwei. Mehr geht nicht!

Wie vorhersehbar waren dagegen die Match Races. Gelb gewinnt fast ausnahmslos den Start, wenn blau nicht voraus passieren kann, die Position an der ersten Marke ist entscheidend und danach kann sich der Führende nur noch selbst schlagen.

Artemis gegen Energy mit jeweils verpatzten Halsen und einem Knoten in der Gennakerschot, Neuseeland mit etwas arroganter Deckungsarbeit gegen Spithill, und im Finale zeigte der Oracle Steuermann den Franzosen gnadenlos ihre Match Race Defizite auf.

Das einzig Gute bisher an den Duellen: Sie wurden pünktlich gestartet und dauerten nur zwanzig Minuten. Da kann Larry Ellison, der jeweils als Passagier bei Spithill mitsegelte noch so sehr von “fantastischen, klassischen Match Race Manövern” sprechen.

James Spithill beim Speed Run in maximaler Ausreitpose. Eine sportlich fragliche Disziplin, aber eine tolle Show bei starkem Wind für die Zuschauer vor Ort. © 2011 ACEA/Gilles Martin-Raget

Aber nach wie vor ist es irre, was die Oracle Verantwortlichen mit ihrer Übertragung aus dem Segelsport herausholen. Wann durfte man je so nah einen verzweifelt brüllenden Terry Hutchinson erleben, dessen Vorderleute die Fock ums Vorstag haben drehen lassen. Wann war man je so nahe bei einem Profirennen dabei. 

Diese Serie entwickelt sich. Viele gute Segler sitzen in den Schaltzentralen. Und so kann man hoffen, dass es bei den nächsten Events immer weitere Fortschritte geben wird. Dean Barker allerdings scheint nur mäßig begeistert. Er ließ durchblicken, dass er diese Zweirümpfer wohl wieder einmotten würde, wenn die Kiwis 2013 Oracle den Pokal entreißen.

Aber das dürfte schwierig werden. Oracle segelte vor heimischem Publikum diesmal mit offenem Visier. Spithill zeigte, dass er seinen Job beherrscht. Er ist nicht so überlegen, wie sein Doppelsieg zeigen mag. Aber wenn sein Designteam ihm noch den vermutet schnellen 72Fußer unter den Hintern schiebt, dürfte er nicht zu schlagen sein.

Die Franzosen segelten mit ihren neuen Steuerleuten zwar extrem gut und zeigten, wie wichtig die Vorbereitung in der Extreme Sailing Series sein kann. Aber es ist nach wie vor fraglich, ob sie genügend Geld für eine seriöse Herausforderung, die Bau und Design eines schnellen 72 Fußers beinhaltet, zusammenkratzen können.

Die Pressemitteilung:

Katamaran Superstar Darren Bundock war die große Enttäuschung als Coutts Ersatz. Immerhin siegte er beim Speed-Rennen. © 2011 ACEA/Gilles Martin-Raget

In San Diego kam das Beste zum Schluss: Die internationale Flotte der America’s Cup World Series erlebte am Sonntag die stärksten Winde der gesamten Regatta und fand bei bis zu 20 Knoten ideale Segelbedingungen vor. Die Zuschauer auf dem „Broadway Pier“ und dem „Navy Pier“ bekamen das zu sehen, was sie sich bei diesem Wind erwarten durften: ein mitreißendes Fleet Race mit vielen Führungswechseln, Wendungen und engen Situationen, in denen das ein oder andere Boot fast gekentert wäre.

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Carsten Kemmling

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14 Kommentare zu „America’s Cup San Diego: Spithill holt Doppelsieg für Oracle. Franzosen mit starkem Auftritt“

  1. avatar Wilfried sagt:

    Hallo Carsten, super Beitrag ich teile Deine Meinung komplett. Das Fleetrace war kaum zu toppen. Ich habe sowohl beim ersten Fass als auch an der Luvtonne im Geiste schon die Kohlenfasern fliegen sehen. Eine kleine Korrektur, die Probleme hatte Artemis nicht beim setzen der fock sondern beim halsen. Ich kenn dies Problem auch von der G3 bei der x-99 wenn die Latte oben rumdreht weil das Segel in den Windschatten vom Groß bekommt.

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  2. avatar bredi sagt:

    Hallo Karsten,
    guter Beitrag, fand ich auch. Das Fleetrace genial, genau wie auch bei den kleinen Katamaranen, stell Dir vor mit
    120 F18 Katamaranen zu starten und um die Tonnen zu donnern! Aber die Typen auf den AC Cats – Hut ab, das sind
    echt harte Jungs. Ich weiss aber nicht, was Du an dem Speedtrial “sportlich fragwürdig” findest. Es geht immer auch darum das Maximum an Speed auf Abruf aus dem Boot rauszuholen – auch wenn es mal nur geradeaus geht. Das ist in allen Bootsklassen auch während eines Fleetrace überaus relevant. Nur ist es bei diesen großen Kats oberspektakulär!!! Mal ganz davpn abgesehen, dass die Boote speedmäßig unfassbar eng beieinander lagen – ein Indiz für hohes Niveau.
    Und Du weisst ja: Schoten dicht – paffpaff!
    P.S: Ein Speedtrial mit dem Starboot wäre eventuell “sportlich fragwürdig”, obwohl die Starboootsegler das vielleicht schon ganz anders sehen.

    Heisse Debatte. Was meinst du? Daumen hoch 3 Daumen runter 6

    • avatar Wilfried sagt:

      ich glaube er meint einfach, dass der Wind nicht konstant genug ist um faire Bedingungen zu erzielen, insbesondere wenn die Teams leistungsmäßig dicht zusammen sind.

      Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 5 Daumen runter 0

    • avatar stefan sagt:

      …zudem zeigen ja die sehr geringen Zeitunterschiede, das sich da durchaus sportlich etwas vergleichen lässt. Wenn man das in Frage stellt, dann kann man jede Time-on-distance-Sportart in Frage stellen. Rallye-Motorsport ist doch nichts anderes.

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    • avatar Carsten Kemmling sagt:

      na ja, sportlich fragwürdig finde ich es immer, wenn boote nicht gleichzeitig auf der bahn sind. segelnist ja eben kein hallensport. man müsste es mit windmaschinen machen, um gleiche bedingungen zu kreieren.

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      • avatar stefan sagt:

        …im Rallye-Motorsport sind die Autos auch nicht gleichzeitig auf der Piste und die Piste verändert sich auch von von Fahrt zu Fahrt. Dort ist es sogar noch ungerechter, da man weiss, das der Erste den Nachteil hat die Piste erst einmal sauber zu fahren.

        In der F1 ist es auch so, das die besten Zeiten immer zuletzt gefahren werden…. also haben dort auch nicht alle die Chance die besten Bedingungen zu zu haben.

        …bei den AC45 nützen einem die dicken Böen auch nur etwas, wenn man in der Lage ist das zu beherrschen. Und die unterschiedlichen Besegelungen haben ja gezeigt, das unterschiedliche Konzepte durchaus Nachteie aufwiegen können. TNZL hat ja im ersten Lauf den Nachteil des weniger an Wind am Ende der Bahn durch das Code0 aufgefangen. Viele Andere, die auf der Bahn schneller waren sind zumeist am Ende in das Loch mit dem wenigen Wind gefallen.

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    • avatar Kiel sagt:

      oh mann bredi, nun haste doch ein so tolles argument _fuer_ ein speedtrial geliefert und dann musstest Du Dich doch glatt in Deinem Post Scriptum selbst wiedersprechen.
      Was denn nun? Speedtrial um zu testen wer am schnellsten mit dem sonst gleichen Boot segeln kann (das Boot ist demnach irrelevant) als neue disziplin, oder nur fuer kats?
      Wie Du hier so argumentierst schalge ich vor Du kandidierst mal fuer einen Posten bei der ISAF, die sind genauso toll konsequent wie Du. Oder haste da schon nen Poestchen?
      P.S>
      Bitte denke auch daran (siehe Polgar / Koy im TV), dass die Kommentatoren ja immernoch glauben ein Star heizt mit 24kn durchs Wasser – weiss echt nicht was daran nicht attraktiv sein soll!

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  3. avatar matti sagt:

    “We went for it and it payed off” – so einfach war das Tonnenmanöver auf Stb-Bug in den Worten von Jimmy Spuckhügel 😉

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    • avatar Carsten Kemmling sagt:

      “Spuckhügel”….grandios!!!! 🙂

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      • avatar Marc sagt:

        Da der Typ für mich immer sehr arrogant rüber kommt und ich deshalb jedesmal aufschreihe wenn ETNZ, Korea oder Artemis vor ihm liegen, danke für diesen netten Nickname 😉

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  4. avatar AC90 sagt:

    Viel interresanter finde ich Barkers Aussage die Multis wieder einmotten zu wollen, sollte ETNZ gewinnen. Scheint als wenn dieses Format auch bei den Profiseglern unbeliebter wird. Drücken wir ETNZ mal die Daumen.

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  5. avatar bredi sagt:

    Ok, Kiel. Vielleicht haben meine Argumente nicht überzeugt, vielleicht rede ich auch zuviel mit dem Herzen. Eins ist aber klar: Speed heisst Geschwindigkeit. Auch wenn die Geschwindigkeit zwischen fast identischen Booten relativ ist, bleibt der Speed eines AC 45 absolut betrachtet sehr sehr beeindruckend – somit ist das Boot ideal für ein Speedtrial – jedenfalls “idealer” als (zum Beispiel) ein Starboot oder ein alter AC-Cupper. Am Ende läuft es ja doch wieder auf eines raus: entweder ich finds supergeil oder superdoof – für mich gilt ersteres. Ist aber nicht schlimm, wenn andere das nicht so empfinden…;-)

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