America’s Cup: Später Stapellauf vom “Falken” – Neuseeländer bauen Mini-Cupper

"Von der Entwicklung überrascht"

Als letztes der vier aktuellen America’s Cup Teams hat Emirates Team New Zealand eine verkleinerte Test-Version der AC75 gebaut. Welche Strategie dahinter steckt.

Dieser America’s Cup wird als einer der teuersten in die Geschichte eingehen. Alleine INEOS-Chef Jim Ratcliffe finanziert das britische Team mit umgerechnet mindestens 126 Millionen Euro – manche Quellen sprechen von 140 Millionen. Die drei Konkurrenten sind auf Augenhöhe dabei. Da erscheint es fast lächerlich, dass einige Regeln des 36. Cups zum Geld-Sparen gedacht sind.

So darf jedes Team nur zwei AC75-Yachten nacheinander ab einem definierten Datum zu Wasser lassen und sie nicht nebeneinander testen – außer dem Verteidiger in der Phase der Herausforderer-Serie (Prada-Cup). Aber längst ist der Bootsbau nicht das Teuerste einer Cup-Kampagne. Two-Boat-Testing ist geradezu überholt.

Die Teams haben massiv in Simulator-Technik investiert. Sie können sogar anhand von Bildern und Videos, die gegnerischen Konstruktionen bis zu einem gewissen Grad visualisieren und auf ihren Rechnern gegen das eigene Design testen.

Das Emirates Team New Zealand wassert sein Testboot Te Kahu in Auckland © Emirates Team New Zealand

Zu Beginn der Cup-Phase war aber nicht genau klar, wie und ob das revolutionäre Kraken-Foil-Design tatsächlich auf dem Wasser funktionieren würde. Deshalb war mit Spannung der erste Stapellauf einer kleineren Testyacht erwartet worden. Die Briten waren Vorreiter mit ihrer T5, einer modifizierten Quant 28.

Das Team versammelt sich vor dem “Falken”. © Emirates Team New Zealand

Solche kleinere Versionen sind bis zu einer Größe von 38 Fuß erlaubt. Und das American Magic Team schöpfte die Maße mit ihrer “Mule”, einer gepimpten McConaghy 38-Version, voll aus. Deutlich später segelte auch Luna Rossa seine eigene Mini-Cupper-Version vor Cagliari und blieb mit den Maßen eher bei der britischen Vorgabe mit nur drei- statt fünfköpfiger Crew bei den Amis.

“Te Kahu” schwimmt! © Emirates Team New Zealand

Nur die Neuseeländer machten es mal wieder anders. Sie verzichteten vor dem Stapellauf ihres Ac75 gänzlich auf eine reale Test-Version. Und so ist es verwunderlich, dass sie nun doch einen kleinen Flieger aus dem Hut zaubern.

“Te Kahu”, was so viel wie “Falke” bedeutet, entspricht den Regeln für Test-Yachten, die nicht länger als 12 Meter sein dürfen. Sie soll eine wichtige Rolle für die weitere Entwicklung des Designs spielen. Dabei versuchen die Neuseeländer den frühen strategischen Nachteil auszugleichen, der ihnen durch die Entfernung zu Europa entsteht, wo die Teilnahme an der America’s Cup World Series in Cagliari, Sardinien (23. bis 26. April) und Portsmouth (4. bis 7. Juni) vorgeschrieben ist. Ihr AC75  “Te Aihe” muss dorthin verschifft werden, und sie wollen die Ausfallzeit auf dem Wasser mit “Te Kahu” kompensieren.

Grant Dalton erklärt:

Außenstehenden Zuschauern scheint es wahrscheinlich, dass Emirates Team New Zealand mit dem Start ihres Testbootes etwas spät dran ist, wenn man bedenkt, dass die Testboote der Challenger bereits im September 2018 zu Wasser gelassen wurden, wie Dalton erklärt:

“Es mag den Anschein haben, dass der Stapellauf unseres Testbootes überfällig ist. Aber zu einem frühen Stadium der Kampagne müssen Entscheidungen getroffen werden, und erst am Ende kann beurteilt werden, ob sie richtig waren.

© Emirates Team New Zealand

Als Team haben wir beschlossen, dass der Bau eines Testbootes durchaus notwendig ist. Aber wir waren der Meinung, dass sein Design genausoviel Input benötigt wie unser erster AC75, um ihm sinnvolle Informationen für die Weiterentwicklung zu erhalten.

Rückblickend haben die Herausforderer mit ihren Testbooten zweifellos einige wertvolle Lektionen gelernt und uns mit ihren Entwicklungen ein wenig überrascht. Aber es war eine bewusste Entscheidung von uns, diese Erkenntnisse aufzusaugen und in die langfristige Arbeit einzubringen.”

Die Neuseeländer rechnen mit 60 Tagen Ausfallzeit während der Verschiffung des großen AC75 nach Europa. In dieser Zeit wird das Entwicklungsprogramm mithilfe von “Te Kahu” fortgesetzt.

“Wir wissen aus Erfahrung, dass gerade die Entwicklung im Jahr vor dem America’s Cup stattfinden, von entscheidender Bedeutung ist”, bestätigt Dan Bernasconi, der Leiter der Designabteilung. “Und da können wir es uns nicht leisten, so lange auf ‘Te Aihe’ zu warten”.

Die Testboote der Konkurrenz

Zuerst waren die Briten mit ihrem T5 auf dem Wasser:

Der Test-Foiler vom INEOS Team UK hebt im Solent an der Kreuz ab bei 13 Knoten Wind. © INEOS Team UK

america's cup, INEOS Team

Die Briten zeigen das erste Test-Boot für den 36. America’s Cup © Steve A Wenham

Die Amerikaner schufen mit “Mule” eine zehn fuß längere Test-Version:

Mule, NYYC

Mule, das Testboot, der Amerikaner. © Armory Ross/NYYC-American Magic

AC75, American Magic

Die fliegende AC75 Test-Version “The Mule” im Einsatz. © American Magic

Luna Rossa folgte deutlich später mit einem kleineren Dreimann-Foiler:

Luna Rossa

Drei Mann testen das Foilen auf nur zwei Punkten. © Luna Rossa

Luna Rossa

Nach den Briten und Amis haben auch die Italiener einen Mini-Foiler im Angebot. © Luna Rossa

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

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