America’s Cup: Streit über Regattakurse – Schlichter entscheiden gegen Team New Zealand

"Unglaubliche Entscheidung"

Der America’s Cup rückt näher, und prompt bröckelt das Verhältnis der eigentlich befreundeten Syndikate Team New Zealand und Luna Rossa. Kiwis sind wütend, Italiener fühlen sich diskreditiert.

Der Challenger of Record Luna Rossa hat den Herausforderern einen Nachteil erspart. © Luna Rossa

Das Emirates Team New Zealand spricht von einer “unglaublichen Entscheidung” und gibt sich “empört”. Der Challenger of Record Luna Rossa sagt, es werde versucht, ihn durch populistisch vergetragene Vorwände zu diskreditieren. Die heiße Phase der America’s-Cup-Vorbereitung hat offenbar begonnen. Am 26. März 2021 startet das erste Rennen zwischen dem besten Herausforderer und Team New Zealand.

Der America’s Cup hat einen Ruf zu verteidigen. Er wird schließlich nicht nur auf dem Wasser gewonnen, sondern insbesondere durch die Rechtsgelehrten an Land. Seit jeher gehört es dazu, dass sie die Vorschriften analysieren und interpretieren, um daraus Vorteile für sich zu generieren. Das Suchen nach Lücken im Regelwerk und/oder entsprechenden Verfehlungen ist wichtig. Es kann aus vermeintlichen Verlierern plötzlich Sieger machen.

Vor diesem Hintergrund ging es bis jetzt beim 36. America’s Cup schon fast zu freundlich zu. Kein Wunder, denn die Neuseeländer und Luna Rossa haben quasi gemeinsam Larry Ellison in Bermuda den Cup entwunden. Der Amerikaner taugt noch als ordentliches Feindbild, aber die Kiwis und Patrizio Bertelli agierten zuletzt Hand in Hand.

Die beiden Rennkurse vor Auckland sind gestrichen. © America’s Cup Media

Nun aber sind sie Gegner, und der America’s Cup bringt seit jeher nicht die netteste Seite des Menschen zum Vorschein. Es geht also wieder um Anschuldigungen, Diffamierungen und Vorteilssicherung.

Vorteile für Zuschauer vor Ort “zunichte gemacht”

Das Emirates Team New Zealand hat eine Pressemitteilung veröffentlicht, in der es eine Entscheidung das Schiedsgerichtes massiv kritisiert.

Darin heißt es, man sei “empört” darüber, dass der Challenger of Record Luna Rossa “einen der aufregendsten Vorteile der America’s Cup-Veranstaltung für die Menschen in Auckland und die Besucher aus ganz Neuseeland zunichte gemacht hat.” Nach dreijähriger Planung sei es nun nicht mehr möglich, die America’s Cup Rennen von Land aus einzusehen.

In der Nacht hatte das America’s Cup-Schiedsgericht eine Entscheidung gefällt, die besagt, dass auf zwei von sechs vorgesehenen Kursgebieten keine Cup-Rennen ausgetragen werden dürfen. Und das sind ausgerechnet die Kurse B und C, die sogenannte Stadion-Rennen vor Zuschauern ermöglicht hätten, so wie es zuletzt in San Francisco und Bermuda der Fall war.

In der Erklärung heißt es weiter: “Die Bilder mit Auckland als Kulisse während des Rennens waren schon immer ein entscheidender Teil der Präsentation Aucklands und Neuseelands vor der Welt (…)

“Wir sind empört”

‘Ehrlich gesagt sind wir empört über diese Entscheidung, die im Widerspruch zu allem steht, was wir in den letzten drei Jahren zu erreichen versucht haben’ sagt CEO Grant Dalton.” Man werde nun prüfen, ob es Optionen gibt, um diese “unglaubliche Entscheidung” rückgängig zu machen.

Die Neuseeländer sagen in ihrer Mitteilung nichts über die Gründe für den Beschluss des Schiedsgerichtes. Das holt Luna Rossa in einer eigenen Pressemitteilung nach:

“Wir sind enttäuscht, die Pressemitteilung vom ETNZ zur Kenntnis nehmen zu müssen. Wir möchten daher auf einige Schlüsselelemente hinweisen, die erklären, warum die Schiedsinstanz die Entscheidung getroffen hat, die Rennstrecken B und C vom 36. America’s Cup auszuschließen.

  • Der America’s Cup wird durch ein Regelwerk geregelt, das von allen Herausforderern und dem Verteidiger akzeptiert wird: das Protokoll, das die sportliche Fairness der Veranstaltung garantiert.

  • Eine Grundregel des Protokolls, Art. 3.1, sieht ausdrücklich vor, dass alle Rennen der PRADA Cup Challengers Selection Series “…auf den Gebieten des späteren Cup-Matches…” gesegelt werden müssen.

Situation absichtlich geheim gehalten

  • Anfang September stellte der Challenger of Record fest, ohne zuvor vom Verteidiger involviert oder informiert worden zu sein, dass die Round Robins und die Halbfinals der Challengers Selection Series – der PRADA-Cup – nicht auf den B- und C-Kursen gesegelt werden konnten, die als bevorzugte Kurse für das Cup-Match festgelegt worden waren. Diese Situation, hat der Verteidiger seit Ende Januar/Anfang Februar geheim gehalten.

  • Als Luna Rossa von dieser Situation erfuhr, beantragten wir beim Schiedsgericht die Durchsetzung der oben erwähnten Regel 3.1.

  • Mit dem Ziel, die sportliche Fairness und Gerechtigkeit wiederherzustellen, entschied die Schiedsinstanz, dass die Rennbahnen B und C entweder für alle Regatten des PRADA-Cups oder überhaupt nicht genutzt werden dürfen.

Die Angriffe des Emirates Team New Zealand zielen einzig und allein darauf ab, das Team Luna Rossa Prada Pirelli mit populistischen Vorwänden zu diskreditieren.  Sie verschleiern den Versuch, einen unfairen Vorteil gegenüber den Herausforderern zu erlangen.”

Hafenbehörde verbietet Herausforderer-Rennen

Hintergrund des Streits ist offenbar eine Entscheidung der Auckland Hafenbehörde, bei der Herausforderer-Serie keine Genehmigung für die Rennkurse  B und C zu erteilen. Normalerweise laufen in der Sommersaison zahlreiche Kreuzfahrtschiffe in den Hafen von Auckland ein. Und die Rennen würden den Verkehr behindern. Allerdings ist es den Kreuzfahrern wegen der Corona-Pandemie zurzeit ohnehin nicht gestattet, Auckland anzulaufen. Und diese Situation dürfte sich bis zu den ersten Herausforderer-Rennen nicht grundlegend ändern.

Deshalb ist Beobachtern nicht so richtig klar, warum die Behörde das Verbot ausgesprochen hat, und sie es dann für die Cup-Rennen offenbar wieder aufheben will. Sollte es sich um einen abgesprochenen Schachzug mit dem heimischen Segelteam handeln?

Die sportlichen Interessen sind klar. Das Team New Zealand möchte nicht auf einen Herausforderer treffen, der sich beim Prada-Cup unter Druck perfekt auf dem späteren Match-Kurs eingesegelt hat. Schließlich nehmen sind die Kiwis diesmal anders als in San Francisco und Bermuda von den Vorregatten ausgeschlossen.

Die heftige Reaktion der Neuseeländer mag auch damit zu tun haben, dass sie sich eines technischen Vorteils beraubt sehen. Denn die Kurse B und C weisen unter Land einen geringeren Wellengang auf. Sie mögen ihr Design spezieller an diese Bedingungen angepasst haben während die Herausforderer auch auf dem offeneren Kurs E vor Takapuna Leistung bringen müssen, wo voraussichtlich die Mehrzahl ihrer Rennen und nun wohl auch die Cup-Matches abgehalten werden. Die Challenger haben somit durch die Entscheidung der Schlichtungskommission einen Sieg errungen, der sich als sehr wichtig erweisen kann.

 

 

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

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