America’s Cup: Team New Zealand von Whistleblower-Vorwürfen entlastet

Freispruch

Der America’s Cup drohte nicht nur durch Corona in Schieflage zu geraten. Besonders die mögliche Veruntreuung von Steuergeldern schien zur Kenterung führen zu können. Aber die Sache nimmt nun eine positive Wendung.

Emirates Team New Zealand beim Training mit seinem AC75 vor Auckland © ETNZ

Die neuseeländische Regierung hatte eine Untersuchung angeordnet, mit der ernste Vorwürfe gegen das Emirates Team New Zealand (ETNZ) geprüft werden sollten, die sich insbesondere um das Finanzgebaren des Titelverteidigers in Verbindung mit seiner Veranstaltungsfirma America’s Cup Events (ACE) drehten. Beide Organisationen sind nun von den Anschuldigungen freigesprochen worden, die von Whistleblowern gegen sie erhoben worden waren.

Es ging um die Weitergabe eines vertraulichen Briefes, heimlich aufgezeichnete Gespräche innerhalb der America’s Cup Organisation und die Behauptung, dass sich ETNZ-Teammitglieder an der von der neuseeländischen Regierung gezahlten Veranstaltungsgebühr von umgerechnet 22 Millionen Euro bereichert hätten.

Neuseeländischen Medien hatten über die Skandalthemen ausführlich berichtet, und so kamen immer mehr offenbar missverständliche Details zum Vorschein. ETNZ gelang es schließlich vor Gericht die Veröffentlichung von weiterem durchgesickerten und vertraulichem Material zu verhindern, das vermutlich Einzelheiten zu den Teamgehältern und anderer Zahlungen enthielt.

Überweisung auf ungarisches Konto

Es ging auch um die Überweisung von umgerechnet 1,7 Millionen Euro auf ein ungarisches Konto, nachdem Grant Dalton auf einen Internet-Betrüger hereingefallen war. Der Vorwurf lautete, dass ETNZ diesen Vorfall buchhalterisch nicht ordnungsgemäß aufgezeichnet und sich nicht ausreichend geschützt habe.

Das NZ-Ministerium MBIE beauftragte die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Beattie Varley mit der Untersuchung der Vorwürfe. Und diese stellte nun in ihrem Bericht fest: Es gibt keine Beweise für finanzielle Unregelmäßigkeiten oder Veruntreuung von Geldern. Team Neuseeland wird von jeglichem Fehlverhalten in Bezug auf die unrechtmäßige Ausgabe öffentlicher Gelder freigesprochen.

Allerdings befindet sich noch eine Zahlung von umgerechnet 1,7 Millionen Euro in der Prüfung, die ACE als Event-Veranstalter für die Entwicklung der neuen AC75 Foil-Klasse offenbar an ETNZ geleistet hat. ACE betrachtet die von ETNZ geleistete Arbeit im Wert von insgesamt umgerechnet 3,5 Millionen Euro zur Entwicklung der neuen Klassenregel als legitime Ausgaben für die Veranstaltung. Deshalb befinde sich diese Ausgabe im Einklang mit dem Regierungsvertrag, der die Zweckbindung der gezahlten Gelder regelt. Die korrekte Interpretation soll jetzt durch ein Mediationsverfahren ermittelt werden.

“Ich bin zuversichtlich, dass wir dieses Thema in der Mediation erklären können”, kommentierte Sir Stephen Tindall, der Vorsitzende von Team New Zealand, gegenüber neuseeländischen Medien.

Gelder sollen wieder fließen

Der Disput schien die America’s Cup Kampagne der Neuseeländer schwer beschädigen zu können. Schließlich gehört die Regierung zu den wichtigsten Geldgebern, und sie beschloss, bis zum Ergebnis der Untersuchung die weiteren Ratenzahlungen in Höhe von umgerechnet 16 Millionen Euro auszusetzen. Diese Gelder sollen nun wieder fließen.

In einer gemeinsamen Presseerklärung vom Team New Zealand und der Behörde MBIE heißt es ausdrücklich: “Der Bericht der Wirtschaftsprüfer stellt fest: es gab kein Darlehen von ACE an ETNZ, keinen Betrug durch ACE oder ETNZ,
keine persönlichen Ausgaben von Grant Dalton oder anderem Personal aus öffentlichen Geldern, keine finanziellen Unregelmäßigkeiten irgendwelcher Art.”

Die Angelegenheit bezüglich des Betrugs durch Dritte, dem ACE/ETNZ zum Opfer fielen, sei aus Sicht von MBIE zufriedenstellend gelöst worden. Jegliche Verluste als Folge dieses Betrugs seien nicht durch öffentliche Gelder bezahlt worden.

Mediationsverfahren anhängig

Zum anhängigen Mediationsverfahren sagt MBIE-Chef Carolyn Tremain: “In dieser Hinsicht gibt es kein Fehlverhalten. Aber ETNZ und ACE haben eine andere Meinung als MBIE darüber, ob die Kosten für die AC36-Veranstaltung und das Klassendesign von der Veranstaltung getragen werden sollten. Wir freuen uns auf die weitere konstruktive Zusammenarbeit in dieser Angelegenheit.”

Tremain sagt weiter: “Der America’s Cup ist ein wichtiges Ereignis für Auckland und für Neuseeland, und dies umso mehr, als wir mit den Auswirkungen von COVID-19 klar kommen müssen und uns davon erholen. Ich freue mich darauf, eng mit ACE zusammenzuarbeiten, um ein Weltklasse-Ereignis auszurichten, auf das wir alle stolz sein können.”

ETNZ-Chef Sir Stephen Tindall sagt: “Wir freuen uns, dies nun hinter uns zu haben. ACE kann sich darauf konzentrieren, ein großes Spektakel zu veranstalten, und ETNZ darauf, den Cup in Neuseeland zu behalten.”

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

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