America’s Cup: Team New Zealands´neuer AC75 – “Sicherer als beim letzten Mal”

Früher Vogel

Emirates Team New Zealand hat seinen neuen AC75 getauft und der Öffentlichkeit vorgestellt. Premierministerin Jacinda Ardern spricht als Fan. 65 Spezialisten investierten 100.000 Stunden.

Früher Vogel… Die neuseeländischen America’s Cup Verteidiger haben den Stapellauf des ersten AC75-Cuppers am Morgen in Auckland gefeiert. Die Taufe erfolgte vor rund 500 Zuschauern um 7:35 Uhr und wurde live im Frühstücksfernsehen übertragen.

Emirates Team New Zealand

Der große Moment © ETNZ

Teamchef Grant Dalton betonte, dass diese Kampagne mit allen Neuseeländern geteilt werden solle. Er möchte die Landsleute hinter seinem Team versammelt wissen und so offen wie möglich sein. Anders als bei den vergangenen amerikanischen Verteidigungen sollen diesmal die Rennen öffentlich und kostenfrei zu verfolgen sein.

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Das aerodynamisch optimierte Rumpfdesign. © ETNZ

Der Funken könnte überspringen. Schließlich haben die Segler auch die einheimische Polit-Elite hinter sich versammelt. Die populäre Premierministerin Jacinda Ardern sprach im strömenden Regen zu den Gästen und beschwerte sich, wie eine Königin mit einem Schirm vor dem Nass geschützt zu werden. Schließlich bringe Regen bei einer Taufe Glück. Und darauf wies auch Dalton hin.

Dalton in der Schusslinie

Offenheit im eigenen Lande ist eine Verpflichtung für das Emirates Team New Zealand und ein wichtiger Faktor für die Titelverteidigung. Am Rückhalt der Bevölkerung hängt ein Teil des Budgets, das erneut auch mit Mitteln der Staatskasse bestritten werden soll. Wenn aber die Unterstützung im Lande fehlt, geraten die “reichen Segler” schnell in den Mittelpunkt der Kritik.

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Die heruntergeklappten Kraken-Arme. © ETNZ

Unvergessen sind die Bilder von Dean Barker nach der knappen Niederlage in San Francisco 2013. Trost fand er zuhause kaum. Und auch Grant Dalton stand mächtig in der Schusslinie. Selbst in Neuseeland wird schnell die Kosten und Nutzen-Rechnung aufgemacht, wenn Erfolge ausbleiben.

Das dürfte insbesondere beim 36. America’s Cup so sein. Denn gerade für die Kiwis wird er so teuer wie nie. Sie werden von einigen der reichsten Menschen der Welt herausgefordert, und haben mit der neuen Design-Regel teueren Innovationen und Erfindungen Tür und Tor geöffnet.

Verzicht auf Mini-Cupper

Ob sie als einziges der vier starken Teams schon aus Kostengründen auf den Bau einer erlaubten Miniatur-Version des AC75 verzichtet haben? Steuermann Peter Burling sagt dazu: “Jeder trifft seine Entscheidungen aus einem bestimmten Grund, und wir sind wirklich glücklich mit dem Weg, den wir eingeschlagen haben.”

Es wird sich am Ende zeigen, wie der richtige Weg bei diesem 36. America’s Cup aussieht. Die Neuseeländer haben sich schon bei ihrem Sieg in Bermuda überwiegend auf Simulationen verlassen. Und die Entwicklung ihrer Computer-Tools gelten als einer der Hauptgründe für den Erfolg 2017.

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Touch Down. © ETNZ

Zumindest haben ihre Berechnungen in einer enormen Geschwindigkeit dazu geführt, überhaupt die AC75 als Klasse zu definieren und die entsprechende Box-Rule zu definieren. Die Schiffe sehen so futuristisch aus, dass ohne entsprechende Computer-Simulationen wohl niemand hätte überzeugt werden können, dass diese Schiffe mit den Krakenarmen, die nur in Lee ins Wasser geschwenkt werden, tatsächlich segeln.

Das Prinzip funktioniert

Die Miniatur-Cupper der Briten, Amerikaner und Italiener haben längst gezeigt, dass das Prinzip funktioniert. Aber klappt es auch in der großen Dimension? Die von Luna Rossa entwickelten einheitlichen Foil-Arme, die von allen Teams benutzt werden  müssen, sind schon reihenweise abgebrochen. Und die Teams mussten die Stapelläufe ihrer Yachten verschieben. Eine erste in diesem Jahr geplante Test-Regatta fällt deshalb aus. Ganz so einfach scheint das mit den Simulator-Berechnungen doch nicht zu sein.

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© ETNZ

Aber natürlich kann es Peter Burling kaum erwarten, die virtuelle Welt zu verlassen. Monatelang hat er mit seinem Segelteam im geheimen Simulator gesegelt – so wie auch die Konkurrenz. Doch wie wird es sein, dieses Boot in der Realität zu beherrschen?

“Es wird ein ziemlich cooles Spektakel für alle werden”, sagt Burling. “Der Simulator hat definitiv seine Stärken. Und wir dürfen nicht zu viel darüber sagen. Hinter verschlossenen Türen arbeiten viele Designer, Bootsbauer und wirklich kluge Leute zusammen. Jetzt freuen wir uns darauf, dieses Boot endlich aufs Wasser zu bringen.”

“Entwicklung auf die Spitze treiben”

Über 100.000 Mannstunden sollen in den Bau eingeflossen sein. Eine Gruppe von etwa 65 Designern und Bootsbauern waren mit dem Bau beschäftigt. Emirates Team New Zealand Head of Design Dan Bernasconi war die zentrale Figur. Aber er musste auch in schnellstmöglicher Zeit die AC75 Class Rule entwickeln, die das Spielfeld für potenzielle Herausforderer darstellt. Immerhin vier Teams haben sich dieser Aufgabe gestellt.

Bernasconi sagt: “Die Möglichkeiten für Innovationen bei Design und Bau des AC75 sind riesig – mehr als wir bei den AC50’s auf den Bermudas gesehen haben. Dieses völlig neue Konzept und hat in vielen Bereichen große Herausforderungen mit sich gebracht. Aber genau dafür haben wir diese Regel erarbeitet. Sie soll die Entwicklung auf die Spitze treiben.”

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Der Kiwi-Cupper wird am frühen Morgen vor der Team Basis in Auckland gewassert. © ETNZ

Zum Bau des ersten AC75 sagt Bernasconi: “Wir waren in keiner Hinsicht konservativ. Es dauert nicht lange, bis wir das Design unseres zweiten Bootes festlegen müssen, das wir letztendlich im America’s Cup 2021 segeln werden. Also müssen wir mit dem Boot so viele Ideen wie möglich ausprobieren.”

Glenn Ashby, eines der wichtigsten Team-New-Zealand-Mitglieder sagt: “Das erste Segeln mit diesem Boot wird sehr nervenaufreibend. Aber das geht den anderen Teams nicht anders. Diese AC75s sind große, sehr leistungsstarke und schnelle Boote, die man erst einmal in den Griff bekommen muss. Doch nach unseren Erfahrungen durch die Simulator-Arbeit sind sie sicherer zu segeln als die Boote bei den vergangenen beiden America’s Cups.

50 Knoten Schallmauer

Wie bei jedem neuen Boot geht es darum, es erst langsam auf Touren zu bringen. Wir müssen lernen, wie man es am besten segelt, und dabei die Entwicklung der Designs vorantreiben. Das erste Rennen wird dann bei der America’s Cup World Series im April 2020 auf Sardinien stattfinden.”

Grant Dalton ist davon überzeugt, dass die AC75 die 50 Knoten Schallmauer brechen können. Damit würden sie auf Augenhöhe mit den F50 des SailGP segeln, den Weiterentwicklungen der Katamarane, die bei vergangenen America’s Cup eingesetzt wurden.

 

Er glaubt, dass insbesondere die Entwicklung der Aerodynamik in einer neuen Liga angekommen ist. Dabei werde insbesondere das Segeln bei leichtem Wind eine große Herausforderung. Beim Highspeed-Segeln dagegen bedeutet die Kavitation eine natürliche Grenze. Wenn das Wasser um die Foils herum zu kochen beginnt, ist eine Kontrolle kaum noch möglich. Es muss sich zeigen, ob es den Teams in den Bereich der Superkavitation vorzudringen.

 

 

 

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

Ein Kommentar „America’s Cup: Team New Zealands´neuer AC75 – “Sicherer als beim letzten Mal”“

  1. avatar Christoph sagt:

    Die einheitlichen Foil Arme sind nicht “reihenweise” abgebrochen. Bei den ersten Strukturtests kam es zu Faserbrüchen bei einem viel zu geringen Last niveau. Daraufhin hat man sich entschieden den Bruchtest vorzuziehen um Dabei wichtige Erkenntnisse für ein neues Strukturdesign zu erhalten.
    Die Daraufhin neu Konstruierte Version hat dann alle Strukturellen Tests wie geplant bestanden, Auch diese Tests beinhalteten als letzten Schritt einen Test bis zum Bruch.

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 4 Daumen runter 0

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