America’s Cup: Team NZ bricht Verhandlungen ab – Heim-Cup kaum möglich nach Leak-Mail

"Hinterhältige und betrügerische Versuche"

Der vergangene America’s Cup hat schon fast vergessen lassen, wie schmutzig das Geschäft mit der Kanne sein kann. So nett und fair wie unter den vier Teams ging es selten zu. Aber nun zeigt die Veranstaltung wieder ihr hässliches Gesicht. Im Ringen um den Austragungsort des 37. America’s Cups kommt es nun zu bösen Anschuldigungen und Verschwörungstheorien.

America’s Cup Finale der 36. Auflage. © ACE | Studio Borlenghi

Eigentlich wollte das Team New Zealand am Freitag, den 17. September bekannt geben, wo der nächste America’s Cup ausgerichtet wird. Aber verspätetete Details zu einem Finanzierungsangebot aus Neuseeland sorgten laut TNZ-Pressemitteilung dafür, dass die Entscheidungsperiode verlängert wird.

Dabei wird die Offerte des reichen Energie-Unternehmers Mark Dunphy, der sich laut eigener Website mit seiner Kiwi Home Defence an der Spitze einer “Gruppe stolzer Neuseeländer” die den AC37 auf heimischen Boden verteidigen wollen, zunehmend undurchsichtiger.

Erst machte er Schlagzeilen, indem er die Millionen-Zahlungen für die Regatta an die Bedingung knüpfte Grant Dalton zu feuern. Nun muss er mit dem TNZ-CEO weiter verhandeln. Kein Wunder, dass es knirscht und immer schmutziger wird.

Gegenüber der neuseeländischen Öffentlichkeit kann es sich Dalton nicht leisten, die Möglichkeit einer heimischen Cup-Verteidigung ungeprüft auszuschlagen – auch wenn sie noch so unwahrscheinlich ist. Aber die Kommunikation zwischen den Parteien kommt nicht voran.

Heimliches Telefonat mit dem New York Yacht Club?

Dalton hatte Dunphy öffentlich aufgefordert, wichtige Fragen zu beantworten. In einer heutigen Stellungnahme des Teams wird klar, dass diese mit heftigen Anschuldigungen verbunden sind.

“Hatten Sie ein Telefonat mit einem Mitglied des NYYC, das direkt mit dem America’s Cup zu tun hat, in dem Sie um Unterstützung bei der Einreichung einer Klage vor dem New York Supreme Court gebeten haben, um die Gültigkeit der Royal Yacht Squadron als Challenger of Record anzufechten?

Haben Sie dem NYYC-Mitglied mitgeteilt, dass Sie die finanzielle Unterstützung von Ernesto Bertarelli haben und auch mit Larry Ellison in Kontakt stehen?

Hatten Sie irgendwelche Treffen mit Personen, die ein rivalisierendes Team vertreten oder als solche angesehen werden könnten, das beabsichtigt, am AC37 teilzunehmen?

  • Vertrat Hamish Ross Sie, als er den NYYC per E-Mail aufforderte, eine Klage vor dem Obersten Gerichtshof von New York einzureichen?”

Welche Rolle spielt der Alinghi Anwalt?

In einer eigenen öffentlichen Erklärung von Kiwi Home Defence verneint Dunphy diese Fragen:

“Grant Dalton hat Behauptungen über Kiwi Home Defence, unseren Vorschlag und unsere Motive aufgestellt, finanzielle Unterstützung anzubieten, um den America’s Cup 2024 in Auckland zu verteidigen. Diese Behauptungen sind falsch. Wir sind Neuseeländer, die leidenschaftlich für unser Team und unsere Feier der nächsten Cup-Regatta in Neuseeland. Keiner unserer potenziellen Spender hat irgendwelche Interessen, die in irgendeiner Weise mit der erfolgreichen Verteidigung des America’s Cup durch das Team New Zealand in Konflikt stehen.”

Aber das Team New Zealand ist vom Gegenteil überzeugt. In einer Presseerklärung sagt Dalton, man sei Anfang September darüber informiert worden, dass Dunphy per Zoom-Call ein Mitglied des New York Yacht Clubs kontaktiert habe, einem der drei letzten Herausforderer mit dem American Magic Team.

Dabei sei es um Themen gegangen, die auch in einer geleakten E-Mail behandelt werden, die das TNZ veröffentlichte. Sie soll von dem Juristen Hamish Ross Ross an den Kommodore des NYYC geschrieben worden sein. Ross war während der Kampagnen von Alinghi in den Jahren 2003, 2007 und 2010 offiziell als Rechtsberater tätig.

In der Mail soll Kiwi Home Defence den NYYC auffordern, vor dem New Yorker Supreme Court die Gültigkeit der englischen Royal Yacht Squadron (RYS) als Challenger of Record für den 37. America’s Cup anzufechten. “Die Überprüfung der Rechtmäßigkeit würde den Auswahlprozess des Austragungsortes stören, der am 17. September 2021 bekannt gegeben werden soll”, heißt es in der Mail als Begründung.

Es wurde dargelegt, wie der New York Yacht Club die Rolle als erster Herausforderer von den Briten übernehmen, wenn deren Position als nicht rechtmäßig eingestuft werden würde. Dabei fällt immer wieder den Name Hamish Ross in Verbindung mit Dunphy. Der ehemalige Cup-Rechtsexperte von Alinghi soll im Namen der Kiwi Home Defence gesprochen haben. Dunphy weist diese Verbindung allerdings zurück. Ross sagte, er dürfe sich nicht zu seinen Klienten äußern.

“Verachtenswerte Aktionen”

Für Grant Dalton ist die Sache klar. In seiner Erklärung heißt es: “Das Emirates Team New Zealand ist enttäuscht von Mark Dunphys hinterhältigen und betrügerischen Versuchen, die Interessen von RNZYS, ETNZ und der RYS mit seinen verachtenswerten Aktionen zu untergraben. Wir haben ihm jede Gelegenheit gegeben, uns selbst zu informieren, aber er hat sich entschieden, es nicht zu tun. Soweit es uns betrifft, geht damit ein bedauerliches Kapitel des AC37 zu Ende. Wir applaudieren Commodore Culver und dem NYYC dafür, dass sie darin keine Rolle spielen wollten und die Angebote von Herrn Ross und Herrn Dunphy zurückgewiesen haben.”

Damit ist eine Verteidigung des America’s Cups in Neuseeland wohl unmöglich geworden. Drei weitere Möglichkeiten sind noch auf dem Tisch: Cork in Südirland, Jeddah in Saudi-Arabien und nach dem Ausscheiden von Valencia eine Bewerbung für ganz Spanien, die sich auf Barcelona konzentriert.

ETNZ hat zwar die Frist für die Bewerbung um den Austragungsort verlängert, aber kein neues Datum bekannt gegeben. Zuletzt hatte die irische Regierung um bis zu sechs weiteren Monaten für eine Entscheidung gebeten. Und in Spanien könnte es ähnlich lange dauern, da das politische System nicht zu den Turbo-Entscheidern gerechnet wird.

Das verbessert die Karten von Jeddah in Saudi-Arabien. Die Scheichs sollen ihren Vorschlag längst platziert haben. Möglicherweise befinden sie sich nun in der Pole-Position, den nächsten America’s Cup in drei Jahren auszurichten.

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

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