America’s Cup: Teams dürfen nach Neuseeland einreisen – Hoffnung auf 8000 Arbeitsplätze

"Unverzichtbare Arbeiter"

Der Streit um die Einreise von America’s Cup Teams nach Neuseeland ist zum Politikum geworden. Nun werden aber zwei Cup-Teams mit Ihren Familien in das Land gelassen – insgesamt 420 Menschen.

Das NEOS Team UK. Viele Menschen arbeiten für den Englands Cup-Sieg. 86 dürfen nach Neuseeland. © INEOS Team UK

Zuletzt hatte die Opposition das Thema aufgegriffen und darauf hingewiesen, dass dem Land durch die Verzögerungstaktik der Koalitionsregierung der wirtschaftliche Nutzen durch den Cup zu entgehen droht.

Die Kritik entzündete sich insbesondere an vermeintlicher Ungleichbehandlung, weil vor zwei Wochen 57 Mitgliedern des Produktionsteams für den Kinofilm Avatar2 die Einreise erlaubt worden war. Der Grund: Die große wirtschaftliche Bedeutung. Die Opposition kritisiert insbesondere die Intransparenz der Entscheidung und weist darauf hin, dass umgerechnet gut 78 Millionen Euro Steuergelder ausgegeben werden, um den America’s Cup in Auckland austragen zu können.

Der Wettbewerb ist aber gefährdet, wenn die Teams nicht rechtzeitig einreisen dürfen. In diesem Fall droht wohl eine Anrufung der Cup-Schlichter durch die betroffenen Syndikate wegen Wettbewerbsverzerrung und eine längere Verschiebung der Regatta.

Die Opposition beziffert den erwarteten Impuls für die Wirtschaft auf umgerechnet 570 Millionen Euro und die Schaffung von 8000 Arbeitsplätzen. Jüngst hatten aber auch die Cup- Teams der Amerikaner und Briten den Ton deutlich verschärft, nachdem trotz der Einschaltung ihrer Botschaftsvertreter keine Bewegung in den Fall gekommen war.

58 Millionen Euro Eintrag in die Wirtschaft

Der zunehmende Druck durch Medien und Politik hat nun zu einer Reaktion geführt. Ein Regierungssprecher kündigte an, dass nun für das Team American Magic und INEOS Team UK Genehmigungen erteilt worden seien. Die Italiener äußerten jüngst, dass sie erst im Herbst ihre Basis auf Sardinien verlassen wollen.

Gut gepokert. Der AC75 Cupper des American Magic Teams ist schon auf dem Weg nach Auckland. © American Magic

Der US-Herausforderer wird insgesamt 102 Beschäftigte und 104 Familienmitglieder nach Neuseeland bringen. Die Briten erwirkten die Einreise für 86 Angestellte, 128 Familienmitglieder sowie ein Kindermädchen. Die Syndikate werden sich voraussichtlich bis zu zehn Monate in Neuseeland aufhalten. Personal und Familien dürfen nach Neuseeland fliegen und nach einer 14-tägigen Quarantäne im Land bleiben.

Beobachter gehen davon aus, dass die Einreise-Ausnahmen auch die Teilnehmer am Youth America’s Cup betrifft. Es wird geschätzt, dass die America’s Cup-Teams aller internationalen Syndikate während ihrer Zeit in Neuseeland umgerechnet mehr als 58 Millionen Euro in die Wirtschaft einbringen werden.

Auch die Superyachten dürfen kommen

Der zuständige Minister Phil Twyford erklärt: “Die Regierung und Auckland haben erheblich in den Aufbau der Infrastruktur für die Veranstaltung investiert. Der America’s Cup könnte nicht stattfinden, wenn den internationalen Segelmannschaften die Einreise nach Neuseeland nicht gestattet wird. Die Teams dürfen nun mit dem Aufbau ihrer Stützpunkte beginnen und wichtige Design- und Bootstests absolvieren.”

Twyford betont, dass die Schwelle für die Einordnung in die Rubrik “andere unverzichtbare Arbeiter”, zu denen die Segler nun gehören, nach wie vor sehr hoch bleibt. Dennoch soll entsprechend einer Erklärung der NZ Marine Industries Association, die bei der Koalitionsregierung Lobbyarbeit betrieben hatte, die Vereinbarung auch für Einreisegenehmigungen für Superyachten gelten. Sie reisen traditionell im Schlepptau des America’s Cups und kommen dann auch nach Neuseeland, um dort – auch wegen Anforderungen der Versicherungen – wichtige und teure Wartungs- und Überholungsarbeiten erledigen lassen.

Die Zahl von 40 durch den Cup zusätzlichen erwarteten Superyachten mag nicht hoch erscheinen, aber sie sollen laut Berechnung der NZ Marine-Industrie umgerechnet im Durchschnitt pro Boot 1,5 Millionen Euro im Land lassen. Normalerweise kommen für den geplanten Zeitraum des Cups etwa 60 Superyachten nach Neuseeland. Vor der Corona-Krise hatten sich aber schon 120 Eigner registrieren lassen. 

Jüngst hatte schon der Nachbar Australien angekündigt, dass es seine Einreisebeschänkungen lockert, um den Superyacht-Verkehr in die eigenen Häfen umleiten zu können. Vielleicht war das der wichtigste Impuls, um ein Umdenken der neuseeländischen Regierung zu bewirken.

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

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